Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1877)
- Date
- 1877-05-29
- Page
- Seite 351 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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351 und den ich, weil der Druck schon beendet war, nicht verbessern konnte. Allerdings existirt in keiner Bibliothek Europas ein vollständiges Exemplar der Werke Rossi's. Aber durch einen außerordentlichen Zufall fand Herr Morse Schwab an einem entlegenen Orte unter einem großen Haufen hebräischer Bücher das gedachte Werk, prächtig gebunden, mit dem Wappen Ludwig XIV." — Vor Kurzem hat sich ein Comite gebildet, um einen „Deutschen Verein zur Erforschung von Palästina" gleich dem englischen, hervorzurufen. Der Verein will zunächst eine Zeitschrift herausgeben, und was von den Beiträgen der Mitglieder von der Zeitschrift nicht absorbirt wird, zu einem Fond ansammeln, aus welchem wissenschaftliche Erforschungen in Palästina angestellt werden sollen. Es sind sehr namhafte deutsche Gelehrte, welche sich bereits dem Vereine angeschlossen haben. Uns scheint jedoch der eingeschlagene Weg nicht der ganz correcle. Die Forschungen zunächst den Engländern und Franzosen zu überlassen, und eine Zeitschrift darüber herauszugeben, scheint doch kaum die würdige Aufgabe eines Vereins zu sein, da eine solche Zeitschrift von jedem Buchhändler unternommen werden könnte. Der Verein müßte mit Forschungen anfangen und nach erlangten Resultaten das Wort ergreifen. — In Frankfurt am Main geht der druckpapierene Streit über die Austrittsangelegenheit noch immer weiter. An das thatsächliche Fiasko des Herrn S. R. Hirsch schließt sich jetzt sein literarisches. Nach der in Nr. 20 besprochenen Broschüre gegen das offene Sendschreiben des Herrn Hirsch an den Rabbiner Bamberger, ist eben eine zweite erschienen, „Betrachtungen einer Mücke", die noch mehr im Einzelnen das gesetzwidrige Verfahren und die rabbinische Unkenntniß in den Behauptungen desselben nachweist. Die ganze Sophisterei und die hohle Phraseologie res Herrn Hirsch wird es ihm nicht möglich machen, eine zutreffende Erwiderung gegen diese Broschüre vorzubringen. Man erwartet, daß auch der schwer angegriffene Bamberger in Würzburg sich gegen die maßlosen Angriffe des Hirsch hören lassen wird. — In Brüssel erschienen: Six Lellres sur le mariage mixte par L. Kahn. Bruxelles, Vanderauwera. 1S77; sehr warm und lebendig abgefaßte Briefe über die Mischehe, auf die wir baldigst zurückkommen werden. Bonn, 20. Mai. 'Literarische Notizen.) Von dem, mehrfach in dieser Zeitung besprochenen, trefflichen Werke: Neuhebräisches und chaldäisches Wörterbuch über die Talmudim und Midraschim von Rabb. Prof. Dr. I. Levy (Blockhaus, Leipzig 1877) ist die siebente Lieferung erschienen, die von o*in bis •msr reicht. Dieselbe enthält auch einen starken Nachtrag zu n und e von Prof. Fleischer. Das Werk wird jedenfalls dem Studium des Talmuds, auch in christlichen Kreisen, weite Bahnen eröffnen. Uebrigens wird sich unsere Voraussage bewahrheiten: die angeblichen 12—15 Lieferungen werden nicht ausreichen, da schon rr — ■» gewöhnlich ein Drittel der Lexicr zu füllen pstegen. — Wir erhielten vor einiger Zeit: ve oarminum in libro Numerorum (Cap. 21) reliquiis, interprelationibus antiquis et cum verbis masorethicis et inler se collatis. Scripsit Carolus Floeckner. Wissenschaftliche Beilage zum Programm des Gymnasiums zu Beuchen O. S. v. I. 1872. — Zur Authentie und Integrität des Mosesliedes (Deuter, c. XXXII.) von dem Religionslehrer Or. theol. Carl Flöckner. Wissenschaftliche Beilage ff. v. I. 1876. Da wir hier in das Einzelne dieser sehr bemerkenSwerthen Abhandlungen nicht einzehen können, heben wir nur hervor, daß in der zweiten die Authentie des großen Gesanges im 32. Capitel des 5. B. M. auf's Nachdrücklichste vertheidigt und die vielfachen Schwierigkeiten desselben zu ebenen versucht wird. Der Verf. widerlegt mit vielem Scharfsinn die negativen Gründe, die man dagegen erhoben hat, und bringt einleuchtende positive Gründe für die Ursprünglichkeit des Gesanges heran. Was wir bedauern, ist, daß auch er von der allmälig zum Schulglaubenssatze gewordenen Ansicht in seiner Einleitung ausgeht, daß die Semiten, insbesondere die Hebräer, allein die lyrische Poesie, nicht aber auch die epische zu pflegen befähigt gewesen, aus welcher falschen Prämisse dann wieder Urtheile über die allgemeinen Geisteseigenschaften der Hebräer und Semiten überhaupt gezogen werden, die man nachträglich wieder als Beweise selbst verwendet. Allein wir haben, wie wir schon oft bemerkt, trotz des geringen Umfangs der h. Schriften kleine Epopöen genug, wie z. B. die Geschichte Joseph's, Simson's, das Buch Ruth, die Geschichte Biliam's u. dgl.; denen keine der Anforderungen, welche den epischen Charakter bestimmen, fehlt. Seitdem die Ansicht allgemein geworden, daß die Zlias und die Odyssee aus epischen Liedern bestehen, die erst später, und zwar durch eine ungeschickte Hand, zu einem Ganzen vereinigt worden, kann doch wohl rer Umfang nicht mehr zu den Bedingungen eines Epos gehören, noch dazu da ganz dasselbe vom Nibelungenlied nachgewiesen worden. Auch daß die angeführten Epopöen rer strengen poetischen Form entbehren, macht nichts aus, da eben das epische Gericht der einfachen Dolkserzählung nahebleibt, und auch der homerische Hexameter keine sehr über die Prosa hinausgehende metrische Form ist. Und haben wir nicht in den Resten des 'n mnnbn "120 und der (4 Mos. 21.) epische Gedichte mit hebräisch-poetischer Form vor uns? — Wir erhalten soeben von dem Syndikat der Officin der Unversität Cambridge — wofür wir demselben insbesondere dankend verpflichtet sind —: Sayings of ihe Jewisli Fathers, <„•01141 rising Pirque Aboth and Pereq R. Meir in Hebrew and Englisii, willi critical and illustrative Notes; and specimen pages of the Cambridge Universitv Manuscript of the Mishna „Jerusliahnit", from wbich llie text of Abolh is Laken. Ediled for llie Syndics of the Cambridge University press by Charles Taylor, M. A., Fellow and Divinity Lecturer, etc. Cambridge 1877. Wir werden darauf zurückkommen. 22*