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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-29 · Heft 22 (29.5.1877) · p. Seite 350

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 22 (29.5.1877)
Date
1877-05-29
Page
Seite 350 (sequence 10)
Language
German
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350 schied ist auch, daß in Europa den christlichen Kirchen der Parochialzwang erhallen wird, wahrend man ihn den jüdischen Gemeinden entzieht, diese also geschloffenen kirchlichen Körperschaften gegenüberstehen: Es ist daher von Jntereffe zu sehen, wie die jüdischen Gemeinden in Amerika bestehen bleiben. Da hat denn allerdings die größte Bedeutung einerseits die glückliche oder unglückliche Wahl des Geistlichen, ob derselbe den Wünschen und Bedürfnissen der Mitglieder entspricht, namentlich durch seine Predigten anzieht, oder durch sein Gebühren Zwist und Streit hineinbringt, andererseits ob die Vorsteher die Organisation und Finanzen der Gemeinde in guter Ordnung erhalten. Hingegen steht der Gemeinde das Mittel zu, daß die Vorstände jährlicher Wahl unterliegen und die Cultusbeamten nur auf Zeit angestellt werden, wodurch wesentliche Uebelstände leichter zu beseitigen sind. Wir können obige Bemerkungen gerade bei Gelegenheit Herstellen, da uns der Bericht der achten Jahresversammlung der Mitglieder Shaare Emeth-Gemeinde vorliegt, welche mit den Bestrebungen und Leistungen ihres Rabbiners, Dr. Sonneschein, zufrieden ist, uud ihren Präsidenten, A. Kramer, sowie fämmtliche Vorsteher wieder erwählte. Dennoch waren im Laufe des Jahres von ihren 209 Mitgliedern 20 ausgefchieden und zwar nur 2 durch den Tod; 9 traten aus, 7 wurden suspendirt, weil sie nicht zahlten, und 2 ausgestoßen (expelleä). Hervorgehoben wird wiederholt, daß die Vorsteher sich um Erlangung neuer Mitglieder sehr viel Mühe gaben, es ihnen aber nur gelang, 15 anzuwerben, so daß jetzt die Mitgliederzahl 204 beträgt. Diese wenigen Züge aus einer wohlgeordneten, nicht sehr belasteten und friedlichen Gemeinde geben uns eine Einsicht in das Leben einer jüdischen Gemeinde Amerikas. Die Einnahmen betrugen 34,974 Dollars, unv ebenso viel die Ausgaben mit 153 Dollars Ueberschuß; indeß sind in diesen Zahlen die Summen der auf dem Tempel ruhenden Schuld activ und passiv mit eingeschloffen. Die Ausgabe für die Cultusbeamten betrugen 5331 Dollars und für die Lehrer 1066, sowie für den Synagogenchor 1412 Dollars. Hervorzuheben ist, daß die gedachte Gemeinde sehr thätigen Antheil an der Union der amerikanischen jüdischen Gemeinden nimmt und 200 Dollars für sie auf ihrem Etat hat. Sie arbeitet auch besonders daran, diesen Verein mit dem amerikanischen „Board of Delegates" zu verschmelzen, wodurch die sämmtlichen jüdischen Gemeinden in den Bereinigten Staaten in einen Verband treten würden, soweit sie hierzu geneigt wären, was freilich von dem größeren Theile noch nicht gesagt werden kann. Bonn, 20. Mai. (Notizen.) Aus Fürth vom 11. d. berichtet man: Gestern feierte der Cantor der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Herr Eberl, das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit in hiesiger Stadt. Die Feier war der Anlaß zu den ehrendsten Ovationen für den Jubilar, bei dem im Laufe des Vormittags zahlreiche Gratulanten, darunter die Geistlichen aller Confessionen erschienen. Eine Deputation der Vorstandschaft der israelitischen Cultusgemeinde überreichte dem Jubilar ein Geschenk, bestehend in zwei silbernen Leuchtern und einem silbernen Tafelaufsätze; die Schüler der Gewerb- und Handelsschule, woselbst Herr Ebert Religionsunterricht ertheilt, überbrachten einen silbernen Pokal. — Aus Hamburg wird uns milgelheilt, daß der ftühere Oberrabbiner von Rotterdam, Herr vr. I s a a c s o h n, einen „Verein für jüdisch-religiöse Vorträge" gebildet hat, der sich jeden Sonnabend 11 Uhr Vormittags versammelt, um homiletische Vorttäge des genannten Herrn zu hören. Die in hiesiger Gemeinde noch sehr vorhandene Vorliebe für religiöse Vorttäge hat auch diesen Verein begünstigt, dessen Wirksamkeit bereits begonnen hat. — Von Linz a. Rhein schreibt man der K. Z.: Ein schönes Zeichen religiöser Duldsamkeit und ftiedlichen Zusammenlebens der Confessionen ist von hier zu melden. Am 10. d. M. wurde der Lehrer der israelitischen Gemeinde Goldschmidt, der zugleich auch Religionslehrer am hiesigen Progymnasium war, zur letzten Ruhestätte bestattet. Derselbe hatte seit 15 Jahren mit dem besten Erfolge in seiner Stellung gewirkt und war bei seinen Mitbürgern geliebt und geehrt. Dem Leichenzuge schloß sich eine große Menge von Bürgern an, unter diesen auch Angehörige der katholischen und evangelischen Geistlichkeit, der Friedensrichter, der Director, die Lehrer des Progymnasiums mit ihren Schülern. Die Grabrede hielt ein College und Freund des Verstorbenen, Lehrer Frank aus Köln. Der Gesangverein, dem auch der Bürgermeister der Stadt angehört, sang zwei Lieder auf dem Grabe des biedern Lehrers, deffen Andenken im Segen bleiben wird. — Auch die israelitische Gemeinde zu Montabaur hat ihre Zustimmung zu der bekannten Petitton uns nachttäglich eingesandt. — Wir ersuchen die Redactionen jüdischer Zeitschriften, unsere Sache nicht dadurch lächerlich zu machen, daß sie noch ferner berichten, der abgesetzte Großvezier Midhat-Pascha sei von jüdischem Ursprünge, was nach zuverlässigen Nachrichten — eine Ente ist. — Wie die Arch. isr. mitlheilen, hat der Präsident der französischen Republik dem Groß-Rabbiner von Gens, Herrn Wertheimer, den Orden der Ehrenlegion verliehen. — Aus Wien theilt man mit: Baron Eduard Todesco hat dem Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde zum Andenken an seinen verstorbenen Sohn Hermann 50,000 fl. in Wiener Börsenbau-Anlehens-Obligationen zu einer Stiftung für israelitische Arme und für das Badener Todesco- Hospiz übermittelt. — Von Paris schreibt man vom 17. d.: Die von Konfiantinopel nach Paris gebrachte Leiche des Herr» Simon Deutsch ist dort vor drei Tagen unter großer Theilnahme der landsmännischen und ftanzösischen Freunde des Verewigten auf dem Pöre-Lachaise in der israelittschen Abtheilung in einer Familiengruft beigesetzt worden. Bonn, 13. Mai. (Literarische Notizen). Aus Paris schreibt uns Herr S. Naumbourg: „Es erscheint mir nicht unwichtig, einen Jrrthum zu berichtigen, der in meiner Einleitung zu der Ausgabe der Rossi'schen Compositionen begangen worden,

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