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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-29 · Heft 22 (29.5.1877) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 22 (29.5.1877)
Date
1877-05-29
Page
Seite 348 (sequence 8)
Language
German
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348 und hielt eine Rede über die polilische Lage Serbiens, die mit der Aufforderung an die Skuptschina schloß, sich zu erklären, ob sie den Krieg fortsetzen oder den Frieden wolle. Der Minister d«S Aeußern, Herr Ristirsch, machte sodann der Versammlung Mittheilung über den Stand der Unterhandlung mit der Türkei und bemerkte in Bezug auf die Israeliten, daß die Forderungen der Türkei in Betreff derselben im Princip legitim seien; er wurde jedoch bei dieser Stelle von dem Proteste zweier Abgeordneten unterbrochen, welche riefen: „Das ist hier nicht die Frage." Unmittelbar nach der Rede des Herrn Ristitsch brachte der Präsident der Skuptschina die Frage: ob Krieg oder Frieden, zur Abstimmung, und die Versammlung stimmte einmüthig für den Frieden mit den Ausrufen: „Es lebe der Friede! Hierauf bestieg der Fürst die Tribüne und erklärte die Debatten geschloffen und die Skuptschina aufgelost. Es bleibt also den Israeliten nur noch übrig, sich an die gewöhnlichen Skuptschinas zu wenden, von denen die erste spätestens am 20. Juli einberufen werden soll. Rumänien. Bukarest, 10. Mai. Wir haben schon in vor. Nummer auf die jetzt gewiffenlos, auch durch den Londoner „Daily Telegraph" colportirten Lügen aufmerksam gemacht. Der „N. fr. Pr." wird hierüber unter obigem Datum geschrieben: „Die tendenziöse Lüge einiger Blätter, daß der Großrabbiner von Konstantinopel den in Rumänien wohnenden Juden einen Hirtenbrief zukommen ließ, wodurch sie zu Geldspenden und zu Gebeten für die türkischen Waffen aufgefordert werden, wird heute im Timpul, vessen Jaffyer Correspondent der Autor dieser falschen Gerüchte ist, in würdiger Weise abgewiesen. Es gehört ein hoher Grad von Frivolität und Gewiffenlosigkeit dazu, in diesen Zeiten der Auflegung derartige Lügen zu erfinden und drucken zu lassen." —. Unter den rumänischen Juden circuliren jetzt Spendenlisten für die russischen und rumänischen Verwundeten. (Die rumänischen Krieger werden bei ihrer bekannten Tapferkeit wohl nicht viel von diesen Geldern beanspruchen!) Bukarest, 15. Mai. Wir haben bereits früher von einem Vereine jüdischer junger Männer, rumänischer Eingeborenen, berichtet, welcher den Geist des Patriotismus für Rumänien zu pflegen zum Ziele hat. Am 14. April hielt der Verein eine Versammlung, in welcher 28 Mitglieder versammelt waren. Von diesen zeichneten sich 19 auf eine Rolle ein, in das rumänische Heer als Freiwillige einzutreten. Bukarest, 16. Mai. Bei dem Jntereffe, welches uns die Entwickelung der Berhältniffe unsrer rumän. Glaubensgenoffen unter den jetzigen schwierigen Umstanden einflößt, ist folgender Bericht des „Pester Lloyd" nicht ohne Bedeutung. „Die Juden Rumäniens, die hier allerdings keine Partei bilden, weil sie keine politischen Rechte genießen, wollen jetzt ihre rumänisch-patriotische Gesinnung manifestiren. Der jüdische Verein „8oeietste i-owsni«anea", welcher es sich zur Aufgabe macht, die Juden zu veranlaffen, der rumänischen Sprache sich in Schrift und Wort zu bedienen, die Kinder in dieser Sprache zu unterrichten und den specisisch polnisch-jüdischen Jargon zu unterdrücken, hat schon in der vorigen Woche unter seinen Mitgliedern den Impuls hierzu gegeben, und der Verein „Zion", der sich die Hebung des Judenthums und die Erkämpfung einer geachteten Stellung der Juden in Rumänien zur Aufgabe setzt, hat gleichfalls seinen Mitgliedern werkthätigen Patriotismus zur Pflicht gemacht. Es soll ein Fond von 150,000 Francs aufgebracht, eine Ambulance errichtet, freiwillige Aerzte dotirt, freiwillig Soldaten equipirt und soutenirt werden. Man will allen Schmerz, den man wegen der Unterdrückung der Juden empfindet, zurückdrängen und nun Bürgerpflicht üben — ohne Bürgerrecht zu besitzen. Der Gedanke ist gewiß ein schöner und er verdient von den Rumänen beachtet zu werden. Daß sich hieraus aber eine Aenderung der Stellung der Juden in Rumänien ergeben wird, liegt ganz fern. An allen Lasten nehmen sie vollen Antheil. Sie zahlen die Steuern wie die Anderen, leisten Kriegsdienste wie die Anderen, sind Handwerker — was die Anderen nicht überall sind — sie repräsentiren in großen Städten einen Theil der Intelligenz, sie wollen auch, wie der Verein „komsuisauea" zeigt, sich rumänisiren und der Verein „Zion" macht sich speciell die Förderung der eigentlichen Gewerbe unter den Juden zur Aufgabe. Es wäre also gerade jetzt ein Act politischer Klugheit, wenn die Regierung, die sich ja eine liberale nennt, auch in dieser Beziehung liberal erscheinen wollte. Galatz, im Mai. Die „N. fr. Pr." enthält in ihrer Nummer vom 13. Mai einen Bericht aus Galatz, der sich durch Sachkenntniß und Wahrheitsliebe auszeichnet. Wir finden darin Folgendes über die dortigen Juden. Zuerst bemerkt er: „Es ließe sich viel Anziehendes berichten über die nationalen Gegensätze, die hier stündlich aufeinanderplatzen, über die sonderbaren Mischlingsverhältniffe der Bevölkerung, unter welcher die Juden einen besonders bevorzugten Rang einnehmen durch den Ruf der Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit, den sie genießen — gegenüber den Phanarioten und den sogenannten Maltesern, den Auswürflingen der Mittelmeer-Jnseln." Später schreibt er: „Die Hälfte der geschäftig wogenden Maffe scheint dem Volke Gottes anzuzehören, der jüdische Factor ist hier in seinem Elemente, allein auch die Handarbeiter sind der größeren Zahl nach Hebräer, und zwar sehr kräftigen Schlages; ihre Musculatur läßt sich bequem beurtheilen, da die gesammte Kleidung derselben wenig bedeuten will und bei den Schiffsträgern zum Beispiel einfach aus einem Paar Schwimmhosen und einem um den Kops gewundenen Tuche besteht. Auch die Kutscher der Hunderte von Miethwagen, Karutzen und Birschees, welche auf den verschiedenen Stationen einer Fahrt harren und die Vorübergehenden zu einer solchen noch viel dringlicher einzuladen pflegen, als die höflichen Wiener Einspänner, sind meistentheils Juden. Wir lassen uns verlocken,

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