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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-22 · Heft 21 (22.5.1877) · p. Seite 337

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 21 (22.5.1877)
Date
1877-05-22
Page
Seite 337 (sequence 13)
Language
German
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Potsdam, den 7. April 1877. Geehrte Frau Dr.! Durch die Güte . des Herrn Rector Dammann erfuhr ich,! daß Sie sich nach meinen Plänen über einen zu gründenden! Kindergarten erkundigt haben. Ich erlaubte mir Ihnen anzu-! zeigen. Laß aus Mangel an Kindern mein Plan in Nichts zerfallen würde. I Wider Erwarten haben sich in den letzten Tagen noch fünf I Kinder gemeldet, so daß ich gestern den Kindergarten beginnen! konnte. | Mochten Sie, geehrte Fran, es verzeihen und nicht als Kränkung meinerseits ansehen, wenn ich Ihnen die Bitte ausspreche, die Aufnahme Ihres kleinen Töchterchens nicht von mir zu erwarten.! Ich stehe mit meinen Grundsätzen entschieden auf dem Stand-! punkt der christl. Kleinkinderschule, mit Benutzung der Fröbel'schen Methode und Spiele. Es würde mich zu sehr bedrücken und mich in dem herzlichen Verhältniß zu den Kindern stören,;wüßte ich, daß der Same des christlichen Glaubens, den ich mit Gottes Hülfe in kindlichster, einfachster Weise in die jungen Herzen legen möchte, den Ansichten ihrer Eltern entgegenliefe. Ich bin mit mir ernst in der Sache zu Rathe gegangen und komme zu keinem andern Schluß, und bin überzeugt, daß Sie, geehrte Frau vr.. in demselben Falle ebenso handeln würden. In der Hoffnung rc. Anna von Brauchitsch. Potsdam, den 23. April 1877. Gnädiges Fräulein! Durch eine Reise wurde ich verhindert, auf Ihr geehrtes Schreiben vom 7. April früher zu antworten. Ich würde dies überhaupt unterlaßen, wenn Sie in demselben nicht irrthümliche Voraussetzungen über mein eigenes Handeln im gegebenen Falle ausgesprochen hätten. Ich war selbst lange Zeit Lehrerin und Erzieherin; mein Streben ging aber vor Allem dahin, meine Zöglinge zu wahrer Menschenwürde zu erziehen, ihnen reine Humanität, edle Liebe zu allen Menschenbrüdern ohne Unterschied der Verhältniffe und der Confessio« einzuflößen. In die jungen Seelen bereits den Samen der Zwietracht streuen durch hochmüthige Abschließung und Ausschließung gehörte nie zu meinem Erziehungsprogramm und liegt, verzeihen Sie, gnädiges Fräulein, meiner Ansicht nach nicht im Geisteswehen unseres Jahrhunderts, sondern wird von allen erleuchteten, edelschaffenden Geistern mehr und mehr auf den Kehrichthaufen der Geschichte geworfen. Ob es im Sinne der Institution des Kindergartens, kann ich nicht beurtheilen, da seine Voraussetzungen mir zu wenig bekannt sind, aber es will mir nicht recht einleuchten, daß schon in drei- und vierjährigen Kindern das Christenthum derart wirken sollte, daß es undenkbar wäre, das Kind Andersgläubiger neben ihnen gedeihlich zu erziehen. Mir ist nur bekannt, daß in den Vororten deutscher Bildung, in Berlin und Leipzig, es neben andern geschätzten Damen vornehmlich zwei Jüdinnen sind, die die Fröbel'schen Kindergärten einführen und mit edler Hingabe fördern, die Ihnen auch sicher bekannten Frau Lina Morgenstern und Frau vr. H. Goldschmidt. | Ich persönlich kann Ihnen für die Zurückweisung meines; Kindes nach Kenntnisnahme Ihrer Grundsätze nur dankbar sein,! da ich doch nicht hätte dulden können, daß die reine ideale Weltl anschauung, die ich mich bemühe in seine junge Seele zu pflanzen, 'so frühzeitig verkümmert würde. Mit Ergebenheit Frau vr. Johanna Cohn-Philippson. j Bem. d. Red. der D. Hausfrauen-Zeitung. Die Fröbel'schen! Kindergärten sind frei von jedem Confessionalismus, sie haben die j Aufgabe, in das Kind die Keime alles Guten und Schönen zu : legen, ohne Berücksichtigung irgend eines Dogma's, das für Kinder! unter sechs Jahren ebenso unverständlich, als schädigend wäre.!Zwei der blühendsten und größten Kindergärten Berlins, die zu 2/z von christlichen Kindern besucht wurden, waren Jahre lang | mit bestem Erfolg von zwei Jüdinnen geleitet. Der verstorbene ' große Pädagoge Diesterweg sagte, als dies Frau M. als Vorsitzende des Berk. Vereins durchsetzte: „Würden Sie nichts, als ' dies durchgesetzt haben, so hätten Sie sich rühmen können, einen; riesigen Fortschritt in der Humanität angebahnt zu haben. % n $ e i g e n. Lehrergesuch. Zur Uebernahme der Privalschule einer kleineren Stabt der Provinz Posen wird ein pro facultate docendi geprüfter jüdischer, verheiratheter Lehrer gesucht. Garantirtes Fixum Dreitausend Mark. Meldungen an / Zadeck Salonion, Strelno. Ein pro rectoratu gehobener Stadffchulen geprüfter Lehrer, mos. Glaubens, mit vorzüglichen Zeugniffen, wünscht eine Anstellung. Adressen su1> E. M. nimmt die Expedition dieser Zeitung entgegen. Zum 1. October d. I. ist die Cantor-, Schächter- und Religionslehrersteile in hiesiger Gemeinde zu besetzen. Gehalt 100V Mark und Sporteln. Reflectanten wollen ihre Zeugniffe baldigst einreichen. Kiel, den 14. Mai 1877. Der Vorstand der jüd. Gemeinde: J. Lask. Ein Sohn achtbarer Eltern» mosaischer Religion, mit genügender Bildung, findet als Lehrling in unserm lUauukactur- Waareu-Lesckätl. sofort Placement. Dt. Crone. Heimann <f* Edel,

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