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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-22 · Heft 21 (22.5.1877) · p. Seite 335

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 21 (22.5.1877)
Date
1877-05-22
Page
Seite 335 (sequence 11)
Language
German
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335 haben. Dieselben wurden von Fabriker Glaubensgenoffen provi- > gebildet und die Staatsprüfung erstanden hatte, gründete er die sorisch untergebracht. Die Leute sehen sehr herabgekommen aus israelitische Volksschule. Die zahlreichen Gemeindeglieder sind fast und haben zumeist nichts als das nackte Leben gerettet. Dieselben alle seine Schüler, und diese beschlosien nach seinem Tode ihm erzählen schauerliche Dinge über die heutigen Zustande in der Walachei, da nicht blos die Juden, sondern Alles was nur kann, aus Rumänien entflieht und alle Straßen buchstäblich mir Flüchtlingen bedeckt sind. —. Dem Daily Telegraph wird aus Bukarest gemeldet, daß in Offy mehrere russische Derserteure erschoffen worden seien, meist Juden. Die Rabbiner in ganz Rumänien seien von dem Großrabbiner in Konstantinopel angewiesen worden, in den Synagogen für den Erfolg der türkischen Waffen zu beten. «Der Daily Telegraph ist bekanntlich ein Blatt, welchem seine Sucht nach Sensationsnachrichten und sein Gefallen an sg. Enten jedes Vertrauen entzogen hat. Der zweite Theil der Nachricht bezeugt auch die geringe Glaubwürdigkeit der ersteren. Denn die rumänischen Rabbiner stehen in gar keiner Verbinrung mit dem Cbacham-Baschi in Konftantinopel. Vielleicht ist es auch eine Erfindung eines Rumänen, der den Haß gegen die rortigen Italiener aufstacheln will. Redaction). Bonn, 13. Mai. (Notizen.) Man theilr uns aus Laupheim (Württemberg) unterm 7. d. mit: Gestern wurde aus dem hiesigen israelitischen Friedhofe eine würdige Gedächtnißfeier für den am 10. Mai v. I. verstorbenen israelitischen Schullehrer Simon Tannenbaum abgehalten. Derselbe begründete 1821 hier die erste israelitische Volksschule; 1862 schied er, decorirt mit der Civilverdienstmedaille, aus dem Amte, aber nicht aus der Thätigkeit, denn er lehrte noch bis zu seinem Tode. Geboren im August 1790 in Mergentheim, genoß er Unterricht mit seinem Vetter Ludwig Börne, der, sechs Jahre älter, im gleichen Hause beim Großvater lebte. Später kam Tannenbaum zu seiner Fortbildung nach Frankfurt, und weilte bei Börne's Eltern. 1817 kam er nach Laupheim, verehelichte sich, und nachdem er sich bei dem katholischen Pfarrer Hugger in Dellmensingen, einem Jünger Pestalozzi's, für den praktischen Schulstand ausein ehrendes Anoenken zu stiften. Dem Ccmitö stoffen reichliche Gaben, besonders auch von Amerika, zu. Gestern wurde nun das Grabdenkmal aus dem israelitischen Friedhöfe der Gemeindeobhut übergeben. Der Rabbiner hielt eine sinnige Gedächtnißrede und gab kund, daß zum Andenken an den verdienstvollen Lehrer eine Tanncnbaumstistung für Armen- und Schulzwecke gegründet worden, die das Gedächlniß für denselben für alle Zeiten wach erhalten wird. — Aus Wien schreibt die N. fr. Pr.: Am 10. d. wurde in dem israelitischen Taubstummen- Jnstitute auf der Landstraße die Jahresprüfung der Zöglinge vorgenommen. Die pädagogischen Resultate, welche da vcrgesührt wurden, sind wahrhaft überraschend. Die Zöglinge beiderlei Geschlechts verstanden nicht nur — das Auge unverwandt aus die Lippen des Lehrers gerichtet — die ihnen in der Tonsprache ohne irgend welche erklärende Zeichen vorgelegten Fragen, sondern beantworteten dieselben auch mit Sicherheit, Verständniß, Geläufigkeit und in einer laut tönenden, allgemein verständlichen Sprache, die sich nur wenig von derjenigen anderer, normal gebildeter Kinder unterschied. Die Gegenstände der Prüfung umfaßten die Religion, biblische Geschichte, deutsche Sprachlehre, Geographie, vaterländische Geschichte, Physik und in den unteren Claffen auch Gegenstände des Anschauungsunterrichtes. In allen diesen Gebieten bewiesen die Zöglinge eine Kenntniß und Fertigkeit, welche das zahlreich versammelte Auditorium von Menschenfreunden in Erstaunen setzte. Unter den Letzteren bemerkte man den Polizei- Präsidenten Marx, Hofrath Hermann, die Gräfin O'Sullivan, Dr. Kuranda, den Landesschulrath vr. Kompert und zahlreiche andere Freunde der Jugendbildung. Das freundliche Haus des Taubstummen-Jnstitutes, gegenüber dem Rudolphplatze, war anläßlich der Prüfung festlich geschmückt. Allgemein lobte man deffen Reinlichkeit und zweckmäßige Anlage. Das Institut zählt derzeit 109 Zöglinge und steht unter der Leitung des verdienstvollen DirectorS Deutsch. Feuilleton. David Haes. Im März d. I. gab Prof. v. Holtzendorff in den Beilagen zur A. Allg. Ztg. „Social-politische Skizzen aus dem englischen Landleben". In einer derselben!s. Beil, vom 1. Marz) berichtet er über eine Muster-Besserungsanstalt für jugendliche Verbrecher, die vorzugsweise in der Anlernung und Verwendung der unglücklichen Knaben zu landwirthschaftlicher Beschäftigung besteht. England hat sich in den letzten fünf Jahren mir Besserungsanstalten für jugendliche Verbrecher bedeckt. Die Wirkung ist aber auch eine außerordentlich günstige. Denn im gedachten Zeitraum hat sich die Zahl der jugendliche Verbrecher betreffenden Untersuchungen um mehr als 6000 vermindert! Allein in England enffpringen solche großartigen Einrichtungen nicht aus einer theoretischen Idee, sondern gewöhnlich geht eine lange und wechselvolle Geschichte des praktischen Experimentirens vorher, und dies ist auch mit diesen Besserungsanstalten der Fall. Hier ist es auch, wo der in der Ueberschrift genannte David Haes, ein einfacher jüdischer Handelsmakler eine Rolle spielte, über welche wir hier um so eher berichten können, als wir unS nur der 21 *

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