Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1877)
- Date
- 1877-05-22
- Page
- Seite 330 (sequence 6)
- Language
- German
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330 sagt er, „bieten einen so authentischen Charakter, sind so durch \ sich selbst bestätigt, so fest auf ihre Basen durch innere Gründe : gestellt, vaß Niemand daran gedacht haben würde, ernsthaft ihre ' Richtigkeit zu bezweifeln, ohne die Schlüffe, die man aus den! assyrischen Texten ziehen zu müffen glaubte. Aber die assyrischen Texte sind bisher unrichtig verwerthet worden. Vor Allem die Eponymenlisten sind unvollständig, wie sich ja ähnliche Lücken in den egyptischen Listen und selbst in den Consularfasten finden". Wir können hier auf den Nachweis dieser Unvollständigkeit, wie ihn Herr Oppert S. 57—60 völlig überzeugend für jeden Unbefangenen giebt, nicht näher eingehen und verweisen auf das Werkchen selbst. Und noch viel weniger vollständig, als die Eponymenlisten, sind die Texte der Keilinschriften. Sprechen sie doch weder von der ganz zweifellosen zweiten, noch von der ersten Einnahme von Ninive,, nnb doch ist auch diese durch den Umstand hinreichend erhärtet, daß sich in Ninive kein Denkmal aus der Zeit vor Affurnirar und Sanherib findet! So trägt denn Herr Oppert kein Bedenken, den in der Bibel erwähnten assyrischen König Phul, der von Schräder und seinen Anhängern entthront worden war, weil er durch keine Keilschrift-Urkunde bezeugt wird, wieder in seine Rechte einzusetzen. Zunächst gebührt der biblischen Chronologie der Vorzug vor der lückenhaften assyrischen. Zweitens wird Phul außer in der Bibel und bei Josephus auch bei Berosus erwähnt, der doch außerhalb jedes jüdischen Einflusses schrieb. Drittens läßt sich gerade dieses Todtschweigen Phul's in den assyrischen Denkmälern sehr wohl erklären: Phul war ein chaldäischer Eroberer. Denn nicht nur ist der Name Phul ein öfters vorkommender chaldäischer. sondern Berosus sagt auch ausdrücklich: Phul der Chaldäer. Da nun aber die babylonischen Könige nach Regierungsjahren und nicht nach Eponymen zählten, so ist auch die Lücke in Liesen Listen sehr erklärlich, ja nothwendig. Es ist dies nur ein dürres Skelett von Oppert's mit bewunderungswürdiger Umsicht, Gelehrsamkeit und eindringender Schärfe geführten Untersuchung, aus der jede Hypothese durchaus verbannt ist. Er hat nicht Unrecht, wenn er am Schluffe „die Leichtfertigkeit verurtheilt, mit der Herr Schräder und Alle, welche ihm unglücklicher Weise gefolgt sind, nach ihrem Belieben Geschichte gemacht haben, ohne sich um die Dokumente selbst zu kümmern! Nichts in den assyrischen Texten ist der biblischen Zeitrechnung zuwider, nur muß man jene verstehen." Von den so gewonnenen sichern Grundlagen ausgeheuv, untersucht Herr Oppert dann noch die chronologischen Fragen „der letzten Regierungen in Juda und der Zerstörung des Tempels", des Alters König Salomon's", „der syrischen Annalen"; „der Epoche und der Regierungszeit Salomon's". In riese verhältnißmäßig nebensächlichen Erörterungen wollen wir dem bewährten und geistreichen Forscher nicht folgen und machen nur auf die chronologische Liste der jüdisch-israelitischen Könige aufmerksam, die er am Schluffe feines Werkchens (S. 96—lüüj giebt. Einzelne seiner Daten mögen noch Anfechtung erleiden, im Großen und Ganzen aber hat er, nach Meinung res Referenten, die Chronologie dieser Periode sicher begründet. Seine Arbeit wird zukünftig der Ausgangspunkt für jeden Theologen; und Historiker, der sich mit der vorderasiatischen Geschichte jenes > Zeitraumes beschäftigt, sein müssen. M. P. 2o&ibLLU/Cj 6acxcfaU/C&teit. Deutschland. ♦ Frankfurt am Main, im Mai. (Privatmitth.) Unter den vielen Wohlthätigkeiisanstalten in der hiesigen israelitischen Gemeinde, die bekanntlich sehr reich daran ist, wirkt auch seit mehr als vier Decennien „der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen in Fr." auf's Beste. Er hat eben seinen 39. Bericht über die Jahre 1875 und 1876 herausgegeben, welcher aus dem Jahre 1875 40 und 187 6 47 Lehrlinge ausweist. Ueberhaupt waren bereits vom Vereine 119 Lehrlinge ausgenommen und 112 Gesellen und Meister unterstützt. Es versteht sich, daß diese den verschiedensten Handwerken angehören. Die Einnahmen im Jahre 1875 betrugen 10,488 Mark, von welchen 2358 Mark zum Fond geschlagen wurden. Für die Lehrlinge werden jährlich circa 6000 Gulden verwendet. Die Zahl der Vereinsmitglieder hat sich nicht nach dem Maßstabe des Wachsthums der jüdischen Bevölkerung vermehrt und ist es bei dem besonders gemeinnützigen Zwecke des Vereins wünschenswerlh, daß sich recht Viele in dessen Liste einzeichnen lassen. Frankfurt am Main, 13. Mai. (Privatm.) Ich hatte Recht, als ich in meiner jüngsten Correfpondenz sagte, daß Herr Hirsch neben dem Thatsächlichen auch ein literarisches und, wenn ich so sagen darf, ein rabbinisches Fiasco gemacht hat. Soeben ist eine „Offene Antwort" von Rabbiner Bamberger in Würzburg erschienen, welche dem Ansehen des Herrn Hirsch den letzten Stoß versetzt. Bamberger erweist, alle Behauptungen, welche Hirsch gegen ihn, die hiesige Cultusgemeinve und die Mitglieder der Religionsgesellschaft, welche aus der Gemeinde nicht austreten wollen, geschleudert hat, als gesetzwidrig und auf Unkenntniß der talmudischen und rabbinischen Literatur beruhend. Wer dabei die ruhige und milde Weise, in welcher B. sich ausspricht, mit der, gelinde gesagt, krassen, rücksichtslosen und dabei doch nur hohlen Manier des Herrn Hirsch vergleicht, muß anerkennen, daß der letztere nur um so tiefer getroffen worden. Als Erweis will ich