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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-22 · Heft 21 (22.5.1877) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 21 (22.5.1877)
Date
1877-05-22
Page
Seite 329 (sequence 5)
Language
German
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329 Schräder im Gegensätze zu der biblischen Chronologie aus den assyrischen Monumenten ziehen zu dürfen geglaubt hatte, die Rede gewesen. Nun tritt ein Assyriologe von Fach, und zwar gerade der bewährteste und in jüngster Zeit wegen seines Scharfsinns und seiner Besonnenheit am meisten anerkannte, unser Glaubensgenosse Prof. Julius Oppert in Paris auf, um die biblische Chronologie in sich fester zu begründen und sie wider die mannigfachen Sturmversuche der Hyperkritik zu vertheidigen. Sein Buch: 8alowo» et ses successeurs, solution d’un probleme chronologique (Paris, Maissonneuve et Cie., 1877), wird dem schon erschütterten Ansehen der Smith-Schrader'schen Hypothesen in der Gelehrtenwelt den letzten Stoß geben. Der eindringlichen und unerbittlichen, mehr negativen Arbeit Gutschmidt's tritt dieses Werkchen Oppert's als die positive Ergänzung würdig zur Seite. Wie richtig sind die Grundsätze historischer Kritik, die er in der Einleitung ausspricht: „Die Achtung vor den Urkunden, aus denen allein man Geschichte lernt und lernen kann, ist die erste Pflicht des Geschichtsforschers; die Autorität der Urkunden darf nur durch eine vorsichtige und auf unbestreitbare Thatsachen begründete Kritik erschüttert werden." Bitter geißelt er jene sich unaufhörlich folgenden und verdrängenden Gebäude einer fälschlich sogenannten Kritik, die nur auf persönlichen Borurtheilen fußt und die innere Gebrechlichkeit durch lärmende Anmaßung übertüncht (S. 2). Um für die biblische Zeitrechnung endlich einmal einen festen Boden zu gewinnen, will Herr Oppert auf dieselbe die mathematische Methode anwenden. Es ist das in der That eine ganz neue und originelle Idee, und er hat gezeigt, daß man mit derselben zu achtungswerthen und befriedigenden Ergebnissen gelangen kann. Freilich ist in der profanen Geschichte Aehnliches schon versucht worden, aber nicht mit der Consequenz und Scharfe der Oppert'schen Methode, und der Bibel gegenüber hat man vollends stets der persönlichen Willkür den Zaum schießen lassen zu können geglaubt. Um sich einen festen Boden für seine Untersuchung zu schaffen, zahlt Herr Oppert zunächst die 171 chronologischen Angaben auf, die sich über die Herrscher Juda's und Israel's in Len Büchern der Könige und der Chronik besinden. Dann weist er überzeugend nach, daß die Bibel einmal die Regierungsjahre eines Herrschers stets von dem Tage seiner Thronbesteigung — nicht von dem Neujahrslage des damals laufenden Kalenderjahres — zählt; und dann, daß die jüdische Aera des Auszuges aus Egypten wirklich eine nationale und auf alter Ueberlieferung beruhende war. Seitdem Niebuhr in den Daten der altern römischen Geschichte allerorten spätere systematische Anordnung finden wollte, hat man auch in der biblischen Zeitrechnung solche gesucht, und zumal das Jahr 480 des Auszuges als Datum der Tempelgründung für eine „cyklische Zahl" erklärt, weil 480 — 12 X 40 sei. Mit Recht weist Oppert darauf hin, daß die römische Republik, das Reich der Parther gleichfalls 480 Jahre dauerten; daß drei preußische Fürsten (der große Kurfürst, Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I.) zusammen hundert Jahre, und deren drei Nachfolger «Friedrich ll., Friedrich Wilhelm II. und UI.) zusammen wieder hundert Jahre regierten; daß gerade lausend Jahre zwischen dem Ende von Karl's des Großen und Napoleon's I. Kaiserherrschaft verstrichen sind: alles Zahlen, die gewiß nicht systematisch angeordnet sind!'. So vorsichtig muß man in derlei Hypothesen sein! Der Verfasser constatirt, daß die chronologischen Angaben der Bibel entweder lauten: im uJahre; oder: nach »Jahren. Der letztere Ausdruck kann bedeuten: gerade »Jahre, oder etwas mehr als »Jahre, oder weniger als »Jahre. Für alle diese Fälle werden Beispiele aus den biblischen Büchern gegeben, und dann werden sie durch algebraische Formeln fixirt. Es ist dies keine Spielerei, denn durch die Schärfe und Klarheit, die solchen Formeln innewohnt, gelingt dem Vers, in der That die Beseitigung mannigfacher Schwierigkeiten. Ein nur untergeordnetes, aber kurzes Beispiel für viele. Hosias regierte (Kön. II. 13, 2; Chron. II. 26, 3) 52 Jahre; in seinem 52. Jahre kommt Pekah von Israel zur Herrschaft, und Loch soll er selbst im 2. Jahre des Pekah gestorben sein. Das scheint sich zu widersprechen. Doch gebrauchen wir Herrn Opper's Formeln: Jahre Wochen Regierung Hosias vor Pekah 51 -}- x Regierung Hosias mit Pekah 1 -{- y Summe 52 -j- (x + y). Wenn wir nun annehmen, daß (x -fy) weniger als ein halbes Jahr ist, so sind die biblischen Angaben in allen Punkten gerechrfertigt: im 52. Jahre des Hosias kommt Pekah zur Herrschaft; im 2. Jahre des Pekah stirbt Hosias; derselbe hat 52 Jahre (nämlich nebst einem Bruchtheile mehr) geherrscht. Herr Oppert kommt nach Durchführung dieser Methode zu dem sichern Schlüsse, daß unter den mehr als 200 chronologischen Angaben der Bücher der Könige und der Chronik nur wenige irrig sind (acht), und auch hier sucht er der Quelle der Fehler auf den Grund zu kommen. Mit Recht fragt er, wie man einer so bewunderungswürdigen, gegenseitig übereinstimmenden und in sich zusammenhängenden Chronologie die Glaubwürdigkeit versagen will? Die Verknüpfllngspunkte zwischen der biblischen und der außerbiblischen Chronologie will er vor Allem in den allerdings an sich zweifellosen astronomischen Ereignissen, zumal Len Verfinsterungen suchen. Freilich giebt es deren mehrere in verhältnißmäßig kurzen Zeiträumen, und es fragt sich, ob man sich bei der Auswahl unter denselben durch die assyrischen oder die biblischen Texte, die miteinander sonst um ein halbes Jahrhundert in Widerspruch stehen, leiten lassen soll. Oppert stimmt unbedingt für die Bibel: gewiß von Seiten eines Assyriologen eine große Selbstaufopferung! Folgen wir kurz seiner Beweisführung. „Die Synchronismen der Könige von Juda und Israel,"

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