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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-15 · Heft 20 (15.5.1877) · p. Seite 313

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 20 (15.5.1877)
Date
1877-05-15
Page
Seite 313 (sequence 5)
Language
German
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313 Schrift und Thal aufzutreten, und er gehörte hierbei zu den ersten jüdischen Männern, die dies mit Nachdruck und Erfolg thaten. Daß ein solcher Charakter uns im Besondern angehörte, gereicht uns Allen zur Ehre! Auch aus dem Schooße der israel. Gemeinde Königsbergs selbst sind wir ersucht worden, uns diesem Werke anzuschließen. Die Kosten für die Büste sind bereits gedeckt. Es handelt sich also insonders um die wohlrhatige Stiftung, welche Johann Jacoby's Andenken gewidmet sei. Wir bitten daher dringend um Einsendung von Beiträgen, deren Empfang in dieser Zeitung angezeigt werden soll. Die Redaeliou. Dr. Ludwig Philippson. Literarischer Wochenbericht. Pest, 25. April. Bon Herren Frederic David Mocatta in London, einem jener heute seltenen Männer, welche, der baute finance angehörend, für Judenthum und jüvische Wiffenschaft ein warmes Interesse hegen, erschien soeben: tbe Jews of Spain and Portugal and ihe Inquisition (London, Longtnans, Green & Co., IST7). Die Schrift bezeichnet sich bescheiden als einen Vortrag, welchen der Verfasser, selbst spanisch-portugiesischer Abkunft, in einem jüdischen Vereine gehalten. Herr Mocatta entwirft mit Benutzung der größeren Geschichtswerke, welche diesen Gegenstand behandeln, ein prägnantes Bilv der Erlebnisse der Juden auf der pyrenäischen Halbinsel von der frühesten Einwanderung bis auf die Gegenwart. Ob die Juden in Spanien, selbst wenn, wie der Verfasser meint, sie mehr der Pflege der Wiffenschaft als der Anhäufung von Reichthümern gelebt hätten, dem traurigem Schicksale, das sie betroffen, Verfolgung, Verbannung und Feuertod, entgangen wären, bezweifeln wir sehr; an Fanatismus hat es im christlichen Spanien nie gefehlt. Wir möchten diese interessante Schrift unseren Glaubensbrüdern, besonders denen englischer Zunge, bestens empfehlen. Kayserling. Sbetfcau^j Deutschland. Berlin, im April. (Privatmitth.) Auf die Aufforderung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, hat das Curatorium des seit bald fünf Jahren bestehenden „Reichenheim'd'chen Gemeindewaisenhauses" durch den Director der Anstalt, Dr. Jutrosinski, einen Bericht über die Wirksamkeit und die Grundsätze der Anstalt erstattet. Was die erstere betrifft, so besteht die Anstalt noch eine zu kurze Zeit, um schon von bedeutenden Resultaten melden zu können, noch dazu, da die meisten der 73 Zöglinge (45 Knaben und 28 Mädchen) in schon verhältnißmäßig vorgerücktem Kindesalter ausgenommen werden konnten, bei Lenen es in vielen Fällen zunächst darauf ankam, bereits eingesogene üble Angewöhnungen zu beseitigen. Anders verhält es sich mit der Darlegung der Grundsätze, deren Verwirklichung auch durch die angeführten Einrichtungen gesichert erscheint. Wir gestehen gern, daß uns der vorliegende Bericht sehr befriedigt hat, da er sich von dem frömmelnden Tone völlig ftei erhält, den die meisten Waisenhausberichte anzuschlagen sich gewöhnt haben, und aus welchem man noch lange nicht die Ueberzeugung zu ziehen vermag, daß in den betreffenden Anstalten eine wahre und richtige sittliche und religiöse Erziehung stattfindet. Einfach und klar stellt der Bericht den Grundsatz der Anstalt dar, „daß das Waisenhaus annähernd das Leben einer großen Familie führe", und zeigt dann, wie derselbe im Speise- und Schlafsaale, in Schule und Häuslichkeit, auf dem Spielplätze und in Festen, in der 6it<xcßiocßteu/. Beaufsichtigung seitens des Directors und der Erzieher, in der Untereinanderordnung der Zöglinge und in der Einwirkung des Curaloriums, der Ehrenmütter und Freunde der Anstalt durchgeführt wird. Wir müssen hierüber auf den Bericht selbst verweisen, wollen jedoch hier den ganzen Passus wörtlich anführen, welcher über den Religionsunterricht im Waisenhause handelt, da hiernach auch der Gemeindevorstand besonders geftagt hatte. „Bei den Kindern, welche die Gemeindeschule besuchen, ist für den Religionsunterricht und die Erlernung der hebräischen Sprache auf's Beste gesorgt; in der Sophienschule wird ebenfalls jüdischer Religionsunterricht ertheilt, und die Gymnasiasten besuchen die Gemeinde-Religionsschule. Im Hause selbst werden diese Wissenszweige wie die anderen Lehrgegenstänee behandelt: die Kinder müssen ihre Aufgaben sorgfältig anfertigen und lernen, die schwächeren werden gestützt und gefördert. Eine Anzahl Knaben verrichten ihr Morgengebet in hebräischer Sprache. Allgemein aber werden alle Gebete im Waisenhaufe in der, für Alle verständlichen deutschen Sprache gehalten. Des Morgens um 7 Uhr versammeln sich di« Knaben und Mädchen in ihren Speisezimmern. Dort spricht der Reihe nach ein Knabe, beziehungsweise ein Mädchen, in Gegenwart der Erzieher, resp. der Erzieherin und in der Regel des Directors mit lauter, deutlicher Stimme ein von diesem bestimmtes Gebet vor. Dasselbe geschieht Abends um 9 Uhr vor dem Schlafengehen. Mittags nach Tische wird ebensfalls von einem Waisenkinde ein kurzes Gebet gesprochen. Im Uebrigen ist es das Bestreben der Anstalt, die Kinder zur Uebung im Rechtthun und zur Vollziehung

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