Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1877)
- Date
- 1877-05-15
- Page
- Seite 312 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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312 zu verstehen haben. Aber auch hier können wir nicht unbeachtet lassen, daß, wie wir an dem Endsatze Pred. 12, 7 bemerkten, nicht ausdrücklich gesagt ist, daß der Menschengeist ein unmittelbarer Theil GotteS selbst sei. (Fortsetzung folgt). Rumänien. Zu den ersten Opfern des russisch-türkischen Krieges gehören — Juden. Die „Köln. Zeitung" wie der „Pester Lloyv" und die „N. fr. Pr." berichten über eine Schandthat, die zu Giurgewo verübt worden. Die erstere schreibt: „Aus Giurgewo in Rumänien wird berichtet, daß dort acht Juden erschlagen und elf verwundet worden; die Leichname der elfteren liegen noch auf der Straße am Argisflufse. Es ist dies eine schöne Illustration zu dem Borwurfe, welchen die rumänische Regierung in den Motiven zu der den Kammern vorgelegten Convention gegen die türkische Regierung wiederholte, daß von der Türkei keine Berbesierung des Loses der Christen zu erwarten sei. Der Jude ist doch auch wohl ein Mensch, der in civilisirten Staaten nicht todtgeschlagen werden soll." Die „N. fr. Pr." berichtet: „Kaum sind die heimischen Truppen abgezogen und die Russen ihnen gefolgt, so haben sich „einige Räuberbanden gebildet, welche einige Districte raubend durchziehen". Die „Lateiner" in der Walachei endlich haben, einem Rustschuker Telegramme des Pester Lloyd zufolge, acht aus Giurgewo flüchtige Juden umgebracht und elf verwundet! Um das Bild zu vervollständigen, sei noch einer uns zugehenden Nachricht erwähnt, wonach Banden von interessanten Schmerzenskindern aus Bulgarien, welche der türkischen Justiz ungehenkt entkommen, auf dem gastlichen Boden Rumäniens plündern und brandschatzen, sowohl in Giurgewo und Oltenitza, als auch in der Umgegend, und das dicht unter russischer Nase!" Um das Bild ganz vollständig zu machen, stellen wir noch Folgendes hierher: „Wie man nämlich aus Czernowitz vom 28. v. M. der Augsburger Allgemeinen Zeitung schreibt, hat das Bukowinaer Landesgericht am 26. aus Rumänien die telegraphische Nachricht erhalten, daß die dortigen Milizen massenhaft defertiren, in Rotten umherziehen und ganze Ortschaften überfallen und plündern. Die Landesregierung sendete noch gestern einen hierauf bezüglichen Bericht an das Ministerium ab, damit gegen den Uebertritt dieser bewaffneten Banden auf österreichisches Gebiet Vorkehrungen getroffen werden mögen. Dies ist um so nothwendiger, als biser weder in Siebenbürgen noch in der Bukowina die zum Schutze der Grenze erforderlichen Maßregeln in Angriff genommen worden sind." Auch die ungarischen Berichte geben die düstersten Schilderungen von dem Schrecken, der den friedlichen Theil der rumänischen Bevölkerung ergriffen hat. Die Familien fliehen massenhaft nach Siebenbürgen und Galizien, so daß selbst Lemberg schon überfüllt ist. Als die Gewißheit des Einmarsches der russischen Heere in Rumänien zu uns gelangte, erzitterten wir vor dem voraussichtlichen Schicksal des bessern Theils der Bevölkerung und insonders unsrer Glaubensbrüver. Der Krieg mußte in diesen halbbarbarischen Völkerschaften alle gesellschaftlichen Bande auflösen, was von Justiz und Polizei bestand, unwirksam machen, und die nur schwer gebändigte Raub- und Mordlust entfesseln! Es ist bereits eingetroffen! Daß sich die Banden zunächst auf die Juden werfen — dafür hat ihnen Regierung und Volk in der Zeit des Friedens schon das Beispiel gegeben, den Weg gezeigt! Ä.n die Freunde und Verehrer Johann Äacoby's. Wir werden von dem betreffenden Comite ersucht, folgenden Aufruf auch an dieser Stelle zu veröffentlichen: Wir Unterzeichnete haben uns am Tage der Beerdigung Johann Jacoby's vereinigt, um dessen Andenken zunächst durch eine würdige Gedächtnißfeier zu ehren, dann seine Züge der Nachwelt in einer Marmorbüste zu vergegenwärtigen, welche dem hiesigen Stadtmuseum einverleibt werden soll; endlich zur Errichtung einer Jacoby-Stiftung, aus deren Zinsen alljährlich einem strebsamen Handwerker zn seiner Ausbildung ein Reisestipendium und fleißigen Lehrlingen für hervorragende Leistungen Prämien bewilligt werden sollen. Nicht als Vertreter einer politischen Partei gehen wir an dies Unternehmen. Wir ehren in Jacoby den großen Bürger, den hochherzigen Patrioten, welcher dem ganzen deutschen Volke angehörl, ja den von echter Humanität beseelten Weltbürger! In diesem Sinne glauben wir uns allseitiger Theilnahme versichert halten zu dürfen, „so weit die deutsche Zunge klingt." Die Gedächtnißfeier hat bereits am 28. März stattgefunden. Die dabei gehaltene Rede ist im Drucke und wird zumBesten der Jacoby-Stiftung sofort durch den Buchhandel vertrieben werden, worauf wir aufmerksam zu machen uns erlauben. Die Anfertigung der Büste Jacobys hat Prof. Siemering in Berlin bereitwilligst übernommen. Beiträge zu den bezeichneten Zwecken erbitten wir unter der Adresse unseres Schatzmeisters, des Kaufmanns Rob. Graf, Borst., Sattlergasse 5A.. Königsberg, den 31. März 1877. Rob. Graf. Dr. Hay. F Michels, vr. I. Möller, vr. Roseustock. Dr. Franz Rühl. Dr. Ulrich. H. Weller." Auch wir schließen uns vom ganzen Herzen diesem Aufruf au. Wir glauben, daß die Israeliten eine solche Huldigung ihrem Stammes- und Glaubensgenossen auch als solchem schuldig sind. Es war eine der ersten Handlungen seines thatenreichen Lebens, für die Gleichberechtigung und Glaubensfteiheit durch