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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-15 · Heft 20 (15.5.1877) · p. Seite 311

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 20 (15.5.1877)
Date
1877-05-15
Page
Seite 311 (sequence 3)
Language
German
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311 Wir brauchen nicht erst zu bemerken, wie dieser Begriff im ganzen nachbiblischen Iuvenchume unbedingt obherrschenv geblieben, und wie nicht minder das Christenthum und der Islam nicht davon abgewichen find. Gehen wir nunmehr zum Beginne zurück. Hier müffen wir eine Bemerkung voranschicken, welche aus die Urzeit selbst zurückweist. Die hebräischen Ausdrücke für Seele und Geist bedeuten sämmtlich ursprünglich Hauch, Odem, Athem, Wind. So rrn, so rrra:, so j). Dasselbe ist im Griechischen mit yjvxVß im Lateinischen mit auima der Fallwohingegen wir im Sanskrit und Deutschen es nicht finden.') Wir haben hieraus den Schluß zu ziehen, daß die alten Hebräer inr Athmen das belebende Princip fanden, das Element, welches dem Körper das Leben einslößte. Wir sehen weiterhin, daß das Blur als das eigentliche thierische Wesen, die 22: des Thieres (2 Mos. 17, 11.5 Mos. 12, 23) angesehen wurde, so raß dem Menschen der Genuß des Blutes verboten ward, um das Wesen des Thieres mit dem seinigen nicht zu vermischen. Das belebende Agens aber war der Odem, der im Athmen eingezogen und ausgestoßen wird. Es hatte dies feinen natürlichen Grund in der Wahrnehmung, daß das Leben des Kindes, sowie es den Mutterschoß verlaßen, mit dem ersten Alhemzuge beginnt, daß während des ganzen Lebens im Schlafen wie im Wachen, das Athmen nicht aufhört und daß mit dem letzten Athemzuge das Leben stockt und zu Ende ist. Die feinere Natur der Luft, die zwar fühlbar aber nicht sichtbar ist, also für den damaligen Beobachter keine Gestalt hatte und annehmen konnte, ließ dann leicht den Uebergang zu, die Seele, den Geist mit dem belebenden Ovem zu idenlificiren, so daß dieselben Worte auch für Seele und Geist verwendet wurden, wenn auch später der Begriff jener vielmehr auf die geistige Thätigkeit beschränkt wurde. — Hieraus erklärt sich nun die sind also interr. und haben die Punktation des Artikels angenommen, oder sind von den Masorethen verwandelt, weil ihnen die Frage anstößig schien (Ewald). Allein die vorhergehenden zwei Verse, namentlich das „Ein Geist ist Allen" machen jede andere Auffassung unmöglich). 5) mTP wird bisweilen mit 22: parallel für Seele, Leben gebraucht. Ps. 21, 22. 35, 17. Ebenso nr Ps. 103, 5. 6) Wv/ü) hauchen, blasen. Weniger klar ist es bei &vu6g, das jedoch oft den Geist in heftiger Bewegung bedeutet, wie &v«> oft vom dahinbrausenden Winde gebraucht wird. Gleicher Weise werben to fxtvog, lat. mens im Sinne von impetus von stürmischer Bewegung gebraucht. Im Griech. heißt uviuog Wehen, Hauch, Wind, nicht aber Seele, Geist, während animns nur Seele, anima ebenfalls Wind und Seele bedeutet. Das griech. vovg giebt keinen derartigen Anhalt. 7) Es ist hierbei wohl hervorzuheben, daß, während die griechische und lateinische Sprache in der oben bezeichnelen Weise mit der hebräischen übereinstimmt, also zwei Zweige der arischen Sprachenfamilie mit der semitischen, die anderen arischen Sprachen sich von ihren Schwestern darin unterscheiden. Es bietet dies einen Beweis mehr, daß in der Wirklichkeit zwischen den Ariern und Semiten nicht jene Geistesverschiedenheit vorhanden ist, welche die „Racenschwinvler" finden wollen und behaupten. Schöpfungsgeschichte des Menschen 1 Mos. 2, 7 auf's Deutlichste. „Unv der Ewige Gott bildete den Menschen, Staub vom Erdboden n^n n?323 -rasta nan da ward der Mensch zu belebtem Wesen." Die Schlußworte rrn 22:2 aisn -<m hat darum keine, für den Menschen besondere Bedeutung, da auch bei der Schöpfung der Thiere rrn bs: „belebtes Wesen" gebraucht ward (1 Mos. 1, 21. 24). Es stellt sich hierin heraus, baß zur Bezeichnung des Wesens der Pflanzen 2-77 r-nra und *"12 rraiy „das Samen trägt" und „der Frucht bringt, worin sein Samen", hingegen zur Bezeichnung des Wesens der Thiere rrn *22: „belebtes Wesen" gebraucht wird. Das für den Menschen Bezeichnende liegt also in den Worten „und Gott blies in seine Nase a^n nn®: Odem des Lebens". Diese n;:®:, dieser Odem, getragen durch das Athmen, wird zum Begriff der menschlichen Seele von Gott eingehaucht, nicht zu der körperlichen Natur res Menschen gehörend, die ja bereits aus „Staub vom Erdboden" von Gott gebildet war. Allerdings ist selbst der Ausdruck a^n nass: an sich für den Menschen noch nicht bezeichnend, da a^n r.T-i unv a^n rrn n?ra: 1 Mos. 6, 17. 7, 15. 22 allen Thieren zugesprochen wird. Es kommt also an unserer Stelle aus den besonvern Act, von Gon unmittelbar so ausgehend, an, und dies wird nun durch den Schöpfungsbericht im ersten Capitel unterstützt, ja festgestellr. Dieser trennt zwar den Menschen durchaus nicht von der Reihe der übrigen Wesen der 'Natur, aber er stellt ihn in der Reihenfolge dieser Wesen als letzte und höchste Schöpfung dar, und bezeichnet dessen Vorzug, abgesehen von der feierlichen Einleitung durch 772?:, durch zwei Momente: zuerst ein äußerliches, d. t. die ihm zuertheilte Herrschaft über die Erde und alle Wesen aus ihr, v. h. durch die Befähigung, sie nach seinem Willen bemeistern und zu seinem Nutzen verwenden zu können, ein Moment, welches auch in Psalm 8 gefeiert und dem Selbstbewußtsein der menschlichen schwäche und Kleinheit (B. 4. 5) gegenüber geltend gemacht wird. Dann aber als innerliches Moment, ausgesprochen in den Worten i:mma 1:22x2 „in unsrem Ebenbilds nach unsrer Aehnlichkeit" (B. 2b) und „Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde, im Ebenbilde Gottes schuf er ihn" (B. 27). Die außerordentliche Bedeutsamkeit dieses Ausspruches, der schon so vielfach ventilirt worden, braucht an dieser Stelle nicht ausführlich erörtert zu werden. Wir betonen nur, daß er unmöglich in eine körperliche Sphäre herabgezogen werden könne, sondern daß diese Gottähnlichkeit und Gottebenbildlichkeit, die auch 1 Mos. 5, 1 hervorgehoben wird, nur im Geiste des Menschen zu suchen ist. Dies wird auch durch 1 Mos. 3, 22 bestätigt, wo es heißt: „Siehe, der Mensch ist worden wie Einer von uns, erkennend Gutes unv Böses." Das „wie" besieht also in der Erkenntniß, und zwar in der Erkenntniß des Guten und Bösen, also im Denken, im Selbstbewußtsein, im Bewußtsein der Sittlichkeit und seines Verhaltens zu ihr. Dies ist es also auch, was wir unter der a^n n?22:, die „Gott dem Menschen eingehaucht", 20*

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