Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1877)
- Date
- 1877-05-08
- Page
- Seite 302 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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genommen haben. So aber waren die Rumänen nur schlau in ihrem persönlichen Egoismus, nicht aber staatsklug; im Inneren herrschten Anarchie unv Willkühr, die feilste Bestechlichkeit und grobe Sittenlosigkeit. Jetzt ernten sie die Frucht solcher Saat. Man sage nicht, daß dies Worte aus der Feder eines rachsüchtigen Juden seien. Unter den Leiden, welchen Rumänien entgegengeht, werden unsere dortigen 250,000 Glaubensgenosien ebenso schwer wie ihre christlichen Mitbürger gebeugt werden. Aber die Thatsachen und deren Ursachen müssen uns doch bewußt werden und Jedem fein ihm gebührendes Theil zukommen. Bukarest, im April. (Privatmitth.) Bom 18. bis 22. Jan. (6. bis 10. alten Styls) hielt der „Bund Zion" seine jährliche General-Versammlung Hierselbst. Es war eigentlich Galatz hierzu bestimmt; aber die Zeilumstände nölhigten zur Veränderung des Versammlungsortes. Wie die Leser dieser Zeitung sich erinnern werden, ist „Zion" ein Verein, der sich über das ganze Land erstreckt und möglichst an vielen Orten Localvereine hat. Sein Zweck ist: Bolksunterricht und Wohlthärigkeit; jede politische Bestrebung ist ausgeschlossen. Die Anregung zu diesem Vereine ging von Peixolto aus, und daher kam es, daß der Verein freimaurerische Formen nach amerikanischem Vorbilde angenommen. Man muß da von mancherlei pompösen Formeln und Würdenzeichen absehen, die im westlichen Europa einiges Lächeln erregen würden. Dafür entschädigt reichlich der Verein durch seine ausgezeichnete segensreiche Wirksamkeit. Seine Hauptanstrengungen sind auf die Errichtung und Erhaltung von Schulen gewendet, und die Hindernisse, mit denen er da zu kämpfen hat, beweisen seine Nothwendigkeil. Am besten wird dies aus folgenden kurzen Notizen hervorgehen. In Bukarest war im vorigen Jahre die Schule geschlossen; durch die Herbeischaffung von Mitteln ist sie durch den Verein am l 1. April wieder eröffnet worden (mit 350 Schülern», und eine Mädchenschule soll folgen. In Fokschani wurde der Friede in der Gemeinde hergestelll und die Schule mit 200 Schülern erhallen. In Crajova wurden beide Schulen geschlossen. In Plösti, wo ein Luca Moses 23,000 Francs zum Bau eines Schulhauses hinterlaffen und der Verein 27,000 Francs zur Vollendung desselben beschafft hat, ist die Schule mit 200 Schülern in Gang gebracht. In Verlad ist die Schule eingegangen; in Bakau hatte der Verein einen großen Kampf zu bestehen, um die Schule zu erhalten. In Roman gelang es nicht eine Schule zu gründen; dagegen blüht sie in Braila mit 1 l 5 Schülern. Sehr erfreulich ist der Fortgang der Schule in Galatz, welche 300 Schüler mit 8 Lehrern hat. Man denkt an die Errichtung einer Realschule. Sollte man es wohl denken, in Jassy, dieser von Juden so zahlreich besuchten Stadt, ist die einzige bis dahin bestandene Schule eingegangen. Das größte Lob verdient aber dauernd die Schule in Botuschan unter der Leitung des Directors Hillel Kahane. Sie besteht seit 1866, und hat bereits 072 Kinder ausgebildet, von denen 489 Handwerker, 392 Kaufleute und 45 Gymnasiasten geworden; sie ist jetzt von 429 Schülern mit 14 Lehrern besucht. In Buzeu ist die Schule mühsam erhalten worden. In Vaslui besteht die Schule mit 52 Schülern, ebenso in Pitest Knaben- und Mädchenschule. So bestehen jetzt 10 Schulen und 4 stehen in Aussicht. Wir übergehen hier, was der Verein auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit gethan. Auch die Verhandlungen der General-Versammlung sind nicht uninteressant. Sie betreffen meist Veränderungen im Statut; wir heben den Beschluß hervor, eine rumänische Uebersetzung des Pentateuchs binnen 5 Jahren zu veröffentlichen. Man beliebte hierzu den Weg des Concurses und der Preiskrönung einzuschlagen. Jedes Mitglied soll jährlich 4 Frcs. entrichten, wofür jedem Mitglieds ein Exemplar geliefert wird. Mindestens 3000 Exemplare sollen gedruckt werden, und die von diesen nach der Bertheilung übrig bleibenden unentgeltlich an die jüdischen Schulen verabreicht werden. Ueberhaupt strebt der Verein darnach, in den Schulen das Rumänische zur Unterrichtssprache zu machen, wenn auch nicht das Deutsche ganz zu beseitigen. Ich will schließen mit der Bemerkung, wie erhebend es ist, was sich auch hier bestätigt, daß die Juden nirgends bloß nach der Erlangung der äußeren Gleichberechtigung strebten, sondern sich immer zugleich um die Hebung der innern Volksbildung auf das allgemeine Niveau bemühten. Bonn, 29. April. (Notizen.) Aus Paris schreibt man der „K. Z>", als sie von einer Berathung der protestantischen Senatoren und Deputirten gesprochen: „Bei dieser Gelegenheit fei bemerkt, daß es in den beitzen Kammern nur sechs Juden giebt, im Senat einen, Crsmieux, und in der Kammer fünf: Lisbonne, Millaud, Bamberger, Camille Sse und A. Naquet." Der Corresponvent der „K. Z." scheint nicht za wissen, daß nach der Abtrennung von Elsaß-Lothringen von Frankreich in letzterem noch nicht 50,000 Juden wohnen, so daß die Zahl von 1 Senator und 5 Depuürten im Berhältniß jener geringen jüdischen Bevölkerung zu den 38 Millionen Franzosen sehr bedeutend und für die Juden ein höchst günstiges Zeugniß ist.— Man schreibt uns aus Fürth vom 23. April: Gestern, als am Todestage Gabriel Rießer's, hielt die Collatur der Gabriel Rießer'schen Slipendienstiftung dahier wieder ihre ordentliche Jahressitzung ab. Sie war in der Lage, den Betrag von 882 M. als Stipendien zu vertheilen, und nahm die Bertheilung folgendermaßen vor: Zwei Studirende der Jurisprudenz und ein Studirender der Medicin erhielten je 150 M., zusammen 450 M., drei Studirende der Jurisprudenz und ein Studirender der Medicin je 108 M., zusammen 432 M., in Summa: 882 M. Diese sämmtlichen Studirenden waren sehr gut qualificirt. Das rentirende Vermögen der Stiftung ist im Vorjahre von 5571 M. 42 Pf. auf 5814 M. 31 Pf., demnach um 242 M. 89 Pf. gestiegen. An diese Veröffentlichung über die heurige Wirksamkeit der Stiftung knüpfen wir wieder die Bitte an die Mitglieder der hiesigen israelitischen Cultusgemeinve, der Stiftung ihr rhätiges