Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1877)
- Date
- 1877-05-08
- Page
- Seite 300 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227123-3227143--35339-3305287- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rawicz 1× ep/1048078
- Wieleń 1× ep/1047900
OCR text
300 Charakters des jüdischen Religionsunterrichts uns eine baldige günstige Entscheidung bringen! Heilbronu, im April. (Privatmitth.) Die Verwirklichung neuer Ideen, auch wenn deren Nützlichkeit, ja Nothwendigkest noch so erkennbar ist, bedarf einer langen Zeit, da die Bequemlichkeit des Schlendrians vielen Menschen gar zu süß ist. Deshalb dürfen wir uns auch gar nicht wundern, daß die Verminderung der Wanderbettelei durch Vereinigung der Gemeiden in einer Provinz, oder wenigstens in einem Bezirke zu gemeinsamem Handeln nur überaus langsam vor sich geht. Erfreulich ist eS daher, daß am 1. April d. I. in Heilbronn eine Versammlung von Delegirten württembergischer Gemeinden und Vereine stattgefunden, welche „Statuten des Bezirks-Vereins zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten" berathen und beschlosien hat. Die 14 Paragraphen dieser Statuten sind durchaus einfach und praktisch, und heben wir hier die wichtigsten hervor. „§. 1. Der Verein hat die Aufgabe, auswärtigen nach dem Vorort kommenden würdigen jüdischen Armen aus der durch die Beiträge der Genoffen dieser Gemeinden gebildeten Kaffe eine Unterstützung zu reichen, um hierdurch einerseits den demoralisirenven und lästigen Wander- und Hausbettel zu beseitigen, und andererseits für die Armen die Bürden und Kosten der Wanderung zu vermindern. Es verfolgt der Verein auch zugleich Len Zweck, durch Entziehung und Schmälerung der Gaben auf Beschränkung des Zuzugs jüdischer Armen aus dem AuSlande und insbesondere unwürdiger Bettelprofessionisten hinzmvirken. §. 2. Die beigetretenen Gemeinden und Vereine verabreichen, abgesehen von wirklich unverschieblichen Nothfällen, nur am Vorort Unterstützungen an durchreisende Israeliten. §. 4. Die Wahl des Vororts gilt je auf die Dauer Eines Jahres. Es ist dahin zu wirken, daß in jedem Kreise Württembergs ein Vorort bestimmt wird und diesem die Nachbargemeinden zu gleichem Zwecke sich anschließen, tz. 5. Diejenigen Vereine und Gemeinden, welche dem Vororte zu einem Verbände sich angeschloffen haben oder später sich anschließen werden, senden an den Cassier res Vororts nach den mir dem Ausschuß des BorortsvereinS zu treffenden Vereinbarungen ihre regelmäßigen Jahresbeiträge zur Unterstützung der Durchreisenden in halbjährigen Raten pünktlich voraus je auf den 1. Juli und 1. Januar (erstmals auf 1. Juli 1877). §. 7. Die Größe der gemäß einer vom Ausschuß entworfenen Skala zu verabreichenden Unterstützung aus den verfügbaren Mitteln ist in einzelnen Fällen, unter genauer Prüfung der Legitimationen und Zeugniffe, sowie der Würdigkeit und Bedürftigkeit des Armen zu ermeffen. Auf schriftliche Bitten und Empfehlungen werden keine Gaben verabreicht. §. 9. Inländer dürfen innerhalb Jahresfrist nicht mehr als zweimal, Ausländer nur einmal unterstützt werden. Unbedingt von jeder Unterstützung auSgeschloffen sind: 1) kräftige, aber arbeitsscheue Personen; 2) solche, die deS HauSbettels in einer dem Verbände beigetretenen Gemeinde überführt sind; 3) solche, die sich irgend welcher Betrügereien oder einer Fälschung rücksichtlich ihrer Legitimationspapiere schuldig gemacht haben." Man sieht leicht ein, daß der gute Zweck dieses Vereins nur durch die consequente Durchführung des Statuts und durch den Beitritt recht vieler Gemeinden erreicht werden kann. Aus der Provinz Pose», 23. April. iPrivatmilth.) In dem vom Vereine für Wiffenschast und Geselligkeit bereitwilligst hergegebenen Saale des Keiler'fchen Hotels tagte in Posen am 15. und 16. c. die Conferenz der Rabbinen der Provinz Posen. Der von dem Ausschüsse der Gnesener Rabbinenversammlung erlassenen Einladung halten von den 33 zur Zeit in der Provinz Posen amtirenden Rabbinen 19 Folge geleistet'), während 9 durch Unwohlsein daran behindert, ihr lebhaftes Interesse an den Bestrebungen der Conferenz in Zuschriften bezeugten. Alle Schulen, alle Richtungen waren vertreten und deutlicher konnte der Beweis nicht geliefert werden, daß die gemeinsamen Jntereffen der Judenheit mächtig genug seien, um die für unüberwindlich gehaltenen Spaltungen zu überbrücken. Mit einer seltenen Uebereinstimmung wurden Beschlüffe, deren Jnslebentreten gedeihliche Förderung unseres Gemeindelebens verheißt, gefaßt. I) Das Büreau wurde gebildet aus den Herren vvr. Feilchenfeld, Bloch (Posen) und Joel. Da der Erster« wegen Unwohlseins ablehnte, übernahm Dr. Joel das Präsidium, Dr. Bloch das Bicepräsivium. Das Referat über die Nothwendigkeit eines jüdischen Lehrerseminars in unserer Provinz, erstattet von den Herren vvr. Horowitz und Bloch (Jarotschiu), führte zu einstimmigem Beschlüffe. Da die Gründung eines Seminars durch die Ungunst der Zeitverhaltniffe leider vorerst nicht zu ermöglichen ist, soll ein Verein gegründet werden, der sich die Aufgabe stellt, die Eröffnung eines jüdischen Religionscursus an einem bestehenden Seminare der Provinz zu ermöglichen, und »ach Entscheidung einer Fachcommission jüdische Seminaristen und solche jüdische Jünglinge, die sich — sei es privatim oder auf Präparandien — zum Lehramt vorbereiten, zu unterstützen und eventuell die erforderlichen Religionslehrer zu besolden, und damit die Ausbildung allseitig tüchtiger jüdischer Religionslehrer anzustreben.2) 2. Zum Feststellen der Statuten dieses Vereins wird ein Comitö von 7 Mitgliedern gewählt, (vvr. Baeck, Bloch (Posen), Feilchenfeld, Horowitz, Joel, Koref, Levin), welches aus seiner Mitte 3 Mitglieder mit der Ausführung des obigen Beschlusses betraut. Das Referat über die Stellung der Rabbinen, erstattet von Or. Levin, resultirte in den Beschlüffe«: I) Und zwar: Die Herren l>vr. Baeck «Lissa), Bloch (Jarotschim, Bloch (Kobylin), Bloch (Posen), Feilchenfeld (Posen), Holländer tWreschen), Horowitz lGnesen), Jaffe (Korniki, Joel (Krotofchin), Kahn <Samtcr>, Koress (Rawitsch), Levin (Koschmin), Münz (Kempen), Nager (Wrouke), Pleßner iRogasen), Rosenzweig «Birnbaum), Stiebet (Filehne), Wäldler (Schonlanke), Wassertrilling (Bojarowo). 2i Man wird sich erinnern, daß wir diesem Gedanken schon wiederholt das Wort geredet haben. Red actio n.