Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-08 · Heft 19 (8.5.1877) · p. Seite 299

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 19 (8.5.1877)
Date
1877-05-08
Page
Seite 299 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227123-3227143--35338-3305286
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

299 Cultur, eine geistige Formalion menschlicher Gedankenmasse überhaupt repräsentire, kurz, ein Theil sei der allgemeinen Culturgeschichte der Menschheit. Diese zu bearbeiten, sind vor allen die Juden selbst berufen und verpflichtet, die Hochschule aber solle die Brücke bilden zwischen der alten Shstemlosigkeit des jüd. Wiffens und Srudirens und der modernen Wissenschaft. Die geistvolle Darlegung dieses Gedankengangs, den wir hier natürlich nur ganz in nuce wiedergeben können, versetzte die Anwesenden in die gehobenste Stimmung und ries stellenweise lauten Beifall hervor. — Hierauf berichteten Stadtrath Alexander Wolff und Sanitätsrath Neumann über die Localitaten der Hochschule, Inventar :c.; letzterer über die Bibliothek. Diese lege insbesondere ein redendes Zeugniß -ab für den Geist der Pietät, der über rem Institut walte. Den eigentlichen Stamm der circa 6000 Drummern zählenden (darunter sehr seltene Werke) Bibliothek, wird durch die nachgelassenen Büchersammlungen der seligen Herren Io. Geiger, Prof. Levy, s. Z. in Breslau und Prof. Dr. Julius Fürst, s. Z. in Leipzig, gebildet, deren Erwerbungen hauptsächlich den Damen Frau Prof. Sarah Lazarus, Frau B. und F. Oppenheimer in Leipzig, sowie den Bemühungen des Justizraths Mackower und Prof. Lazarus verdankt werden. Als Bibliothekar der Anstalt sungirt seit dem 1. April der 0r. Moritz Meyer. Die eigentliche Berichterstattung schloß mit dem Nachweis der Thärigkeit des Curatoriums den Schülern der Anstalt gegenüber, sowie mit einer kurzen Statistik derselben. Diese Thätigkeil ist im Wesentlichen eine materielle gewesen, zu welchem Zweck ein eigener Stipendienfond gebildet worden. Daneben sind Fonds zur Heranbildung ungenügend vorbereiteter Hörer zur Anwendung gekommen. Hier ist noch ein Punkt, wo der Wohlthätigkeit ein lohnendes Feld offen steht. — Die Frequenz der Hochschule ist hinter dev gehegten Erwartungen nicht zurügebliebeu, sie hat die Zahl von 72 Hörern, darunter freilich auch Hospitanten anderer Confessionen erreicht. Leider sind 4 gestorben, aber doch schon 7 zu festen Lebensstellungen als Prediger oder höhere Lehrer gelangt. Die Zahl der im letzten Semester Jmmatriculirten beträgt 10. Den zweiten Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Neuwahl des Curatoriums, das sich aus folgenden Personen bildete: Banquier H. B. Goldschmidt, Prof. Lazarus, Regierungs- Assessor Dr. Paul Meyer, z. Z. in Cassel, Rechtsanwalt S. Meyer, Sanitätsralh Dr. S. Neumann, Rabbiner Dr. V. Philippson in Bonn, Rentiers W. Schönlanck, C. B. Simon und Stadtrath Alexander Wolff. Die beiden früheren Mitglieder: Geh. Commerzienrath Liebermann und Schriftsteller Dr. Gumbinner hatten wegen Zeitmangels eine Wiederwahl abgelehnt. Der ganze Verlauf der Sitzung, die hauptsächlich durch die zum Herzen dringende, von großen Gesichtspunkten getragene Rede des Vorsitzenden ausgefüllt wurde, zeigte den gedeihlichen Fortgang der Hochschule. Dank dem unermüdlichen, opferbereiten Interesse des Vorstandes, sowie der einzelnen Mitglieder für das junge Institut, dessen echt humanem, aufklärendem und einem tiefgefühltem Bedürfniß veS Judenthnms entsprechendem Geist man gewiß ein günstiges Prognosticon für die Zukunft stellen darf. Leipzig, 26. April. (Privatmitth.) Nach rem Hinscheiden des verdienstvollen Leiters des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes , Herrn Moritz Kohner, ist die Führung der Angelegenheiten res Bundes auf den stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt S. Meyer in Berlin übergegangen. Der Ausschuß denkt übrigens daran, Vorschläge zur Fortentwickelung und Reorganisation des Bundes zu formulircn. Frankfurt am Main, 27. April. (Privatmittheilung.) Von Austritten aus der hiesigen israelitischen Gemeinde aus „religiösen Bedenken", habe ich Ihnen zu berichten, daß außer den bekannten 85 seit Anfang dieses Jahres noch weitere sechs hinzugekommen sind, und zwar gehört hiervon einer dem Kaufmannsstande (Commis) an. Die anderen fünf sind Lehrer — der unter dem Rectorat des Herrn Dr. M. Hirsch, Sohnes des Herrn S. R. Hirsch, stehenden Schule der israelit. Relizions-- gesellschaft. Seit dem Novbr. 1576, wo die Austrittserklärung begonnen, sind 6 Monate vergangen, welche Zeit es bedurft hat bis diese gelehrten Herren darüber klar geworden sind, daß sie — religiöse Bedenken zu haben hätten. Die Commission zur Erbauung des Frauenbades arbeitet rüstig weiter. Die mit der von Herrn H. so sehr verpönten Compromißpartei veränderten Zusatzbestimmungen zu dem Regulativ für die Verwaltung der israel. Gemeinde vom Jahre 1839 haben mittelst Verfügung vom 8. d. M. die Genehmigung der Königlichen Regierung erhalten. Laueuburg (Pommern), 24. April. (Privatmitth.) Nach langem Petilioniren bei den verschiedenen Behörden ist endlich auch am hiesigen Progymnasium der jüdische Religionsunterricht, den der hiesige Rabbiner Dr. W. Lanrsberg seit zwei Jahren ertheilr, zu größerem Rechte gelangt durch die Verfügung des Unterrichtsministers im Einverständniß mit dem Finanzminister, wonach „dem jüdischen Religionslehrer für die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichts invier wöchentlichen Stunden eine Remuneration von 150 Mark aus den, event. aus der Kämmereikasse entsprechend zu verstärkenden Mitteln der Anstalt vom 1. April d. I. ab gewahrt werde." Es scheint also, daß auch diese Seite des jüdischen Religionsunterrichts an sicheren Schulen städtischen wie staatlichen Charakters überall da, wo sie in Anregung gebracht wirr, einen günstigen Ausgang gewinnt. Es erübrigt noch in dieser Beziehung der obligatorische Charakter des betreffenden Unterrichts, ohne welchen der wahre Nutzen und die rechte Freude für Lehrer und Schüler kaum zu denken ist. Möge darum trotz der Gegenbestrebungen zelotisch gesinnter Egoisten die Maffenpetition wegen Erlangung des obligatorischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.