Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1877)
- Date
- 1877-05-08
- Page
- Seite 298 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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298 an dieser Stelle gestanden, außer dem traditionellen Namen des Ortes. — Ueber die gegenwärtig in Egypten ansässigen Juden spricht sich das vorliegende" Werk (S. 62) folgendermaßen aus: „An die christlichen, ausnahmslos als Protögös der verschiedenen europäischen Consulate vegetirenden und somit unrechtmäßiger Weise der Steuerkraft des Landes, welches sie aussaugen, vorenthaltenen Levantiner schließen sich die minder zahlreichen Armenier und Juden an, welche sich in vielen Dingen auf's vortheilhaftefie von ihnen unterscheiden . . . Die Juden Egyptens sind auf die beiden Hauptstädte (Kairo und Alexandria) beschränkt und, wie die rothen Haare beweisen, die ihnen oft eigen find, nicht als Landeskinder zu betrachten. In neuerer Zeit haben sich viele wallachische Juden ansässig gemacht, aber die Mehrzahl stammt aus Palästina. Alle Geldwechsler auf den Straßen (Sarräf) sind Juden und unter ihnen giebt es auch sehr reiche Kaufleute, welche ungeachtet der im Volke lebendigen Abneigung (angeblich ihrer Unreinlichkeit wegen) gegen dieses unverwüstliche Racenelement, sich bei Hoch und Nieder des allergrößten Ansehens erfreuen, dank den liberalen, jedem Borurtheile abholden Maximen der gegenwärtigen Regierung." Wie wir bereits bemerkt haben, ist dem Werke (S. 492— 548 „die Sinaihalbinsel" beigegeben worden, durch welche gegenwärtig eine Reise so sicher und fast so bequem, wie jede andere im Oriente gemacht werden kann. Welch' Jntereffe die sorgfältige, mit Liebe, jedoch einfach gehaltene Beschreibung einflößt, kann der Leser voraussetzen. Wir verweisen jedoch auf das Werk selbst. Ob der Serbäl oder Djebel Müfa die Stätte der Gesetzgebung gewesen, wird unentschieden gelassen, weil die Meinungen hierüber ganz auseinander gehen, und sich Gründe für und gegen die eine wie die andere anführen lassen. — Wir sehen dem zweiten Theile des Werkes mit Spannung entgegen. S&eibu itg 6ikxc ßu/cßteu/. Deutschland. Berlin, 27. April. (Privatmitth.) Am 21. d. M. hat in den Räumen der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums, Unter den Linden 4s, die erste Generalversammlung seit dem Bestehen der Anstalt unter ansehnlicher Betheiligung der Mitglieder des Vereins stattgehabt. Ihr lag vornehmlich die Berichterstattung und die Neuwahl des Curatoriums ob, ras laut Bestimmung der Statuten erst nach Verlauf von 5 Jahren seit der Begründung erneuert werden sollte. Nach herzlicher Begrüßung der Anwesenden durch den Vorsitzenden, Herrn Prof. llr. M. Lazarus, die derselbe im Namen des Jurenthums in sinniger Weise aussprach, beleuchtete der Genannte in längerer, geist- und gehaltvoller Rede Zweck und Ziele der Anstalt, insbesondere das Leben derselben in dem verflossenen Zeitraum, den er zutreffend als die Kindheit der Hochschule und die Lehrjahre der Verwaltung charakterisirte, als Momente, die für die Weiterentwicklung von eingreifender Bedeutung sein müßten. Sodann ercheilte der Vorsitzende dem Cassirer, Herrn Banquier H. B. Goldschmidt, das Wort zur Berichterstattung über die finanzielle Lage der Anstalt. Trotz der andauernden wirthschaftlichen Calamität, die auf ein Institut, das gänzlich durch private Munificen; existlrt, nicht ohne fühlbaren Einfluß bleiben könne, dürfe der Verein mit Befriedigung auf den materiellen Status blicken, der wenigstens den gleich zu Anfang gehegten Erwartungen entspreche. Freilich seien in Zukunft noch höhere Anforderungen zu befriedigen. Unter den einzelnen größeren Summen der Fundatoren der Anstalt ragen vornehmlich die Stiftungen der verstorbenen Herren Stavträlhe Meyer und Burchardt als bleibende Denkmale hochherziger Gesinnung hervor. Der Vorsitzende, in warmen Worten den Stiftern und deren Familien gerecht werdend, forderte die Versammlung auf, zum Zeichen der Dankbarkeit das Andenken dieser Männer durch Erheben von den Sitzen zu ehren. Dies geschah. Als ein erfreuliches Zeichen der Theilnahme muß es ferner gelten, daß neben den Berliner Mitgliedern auch die einzelner Gemeinden, wie Leipzig, Frankfurt a. M., Aachen rc. durch Beiträge die Hochschule subventioniren. Darf somit der materielle Bestand derselben als gesichert gelten, so treten sicherlich die geistigen Aufgaben in den Vordergrund; zu ihnen gehört vor allem die Gewinnung geeigneter Lehrkräfte, ein Punkt, bei welchem sich gerade, wie der Vorsitzende hervorhob, die Zweckberechtigung einer Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums deutlich zeige. Einen höchst schmerzlichen, unersetzbaren Verlust hat die Hochschule durch den Tod des l»r. Abraham Geiger erlitten, eines Mannes, der nicht nur eine der allerersten Koryphäen der Wissenschaft und ein vorzüglicher Lehrer gewesen ist, sondern der auch der Hochschule mit Leib und Seele zugethan war. ja der in der Bergründunz derselben geradezu seinen Lebenszweck, sein Ideal erreicht sah. — Was den Lehrplan anbetrifft, so lege derselbe Zeugniß dafür ab, daß die Wissenschaft des Juvenlhums in allen Zweigen in ganz vollständiger Weise vertreten wird. Die talmudischen Disciplinen werden nach moderner, streng wissenschaftlicher Methode gelehrt, alle Zweige jüdischer Geschichte, Literatur rc. sind berücksichtigt. Man ging dabei von dem Gesichtspunkt aus, vornehmlich die sogenannten Grenzwissenschaften des Judenthums zu pflegen; zu einer erschöpfenden Behandlung des letzteren bedürfe es nicht allein der eigentlich jüdisch - theologischen Disciplinen, da das Judenthum nicht nur eine Religion, sondern vornehmlich eine eigenartige