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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-08 · Heft 19 (8.5.1877) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 19 (8.5.1877)
Date
1877-05-08
Page
Seite 297 (sequence 5)
Language
German
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297 etwa in der Nahe des heutigen B!r Machdal, dessen alter Name Migdol, wie das egyptische Chetam (Etham) eine Burg und einen Festungsthurm bedeutet, ließ sie Mose die syrische Straße verlassen und sich gen Süden wenden. Ihm selbst waren während seines langen Aufenthalts in der Wüste nach der Ermordung des Egypters alle Wege in dieser Gegend bekannt geworden und sobald er die Schwache der ihm anvertrauten Schaaren erkannt hatte, blieb ihm kaum noch etwas anderes übrig, als sie die Bastionen umgehen zu lassen und sie zunächst nach Süden um die nördliche Spitze des heutigen Golfs von Sues herum und endlich durch die Wüste der Arabia Petraea nach Kanaan zu führen. Das doppelte Ziel, erstens das Volk mit möglichst geringen Verlusten aus Egypten heraus zu retten, und zweitens es an einer geeigneten Stelle zu discipliniren, an Ordnung, Gehorsam und edlere Lebenszwecke zu gewöhnen, muß ihm von Anfang an vorgeschwebt haben. Bei Etham (den Bastionen) änderten also die Wanderer die Richtung ihres Weges und zogen gen Mittag zwischen dem westlichen User der Bitterseen und dem östl. Abhange des Gebe! Ahmed Taher hindurch und lagerten nach einem starkem Eilmärsche bei Pi-Hachiroth, dessen Name sich kenntlich in dem des heutigen Agrüd >Pi ist egyptisch „Ort" erhalten hat. In der Nähe des rolhen Meeres zwischen Migdol, einem Grenzsort, das in der Nähe des alten Kambysu, wo sich unter den Römern eine Quarantaineanstalt für kranke Soldaten befand (kaum zwei Meilen nkrdl. von der Spitze des Golfs und den spärlichen Resten des alten Arsinoi-) gelegen war, und dem AtLka - Gebirge, schlugen die Juden zum letzten Male ein Lager in Egypten auf. Das Atäka-Gebirge ist Baal Zephon, eine alte Cultusstätte, auf dessen imposanter Höhe die phönizischen Seefahrer dem Baal Zephon oder rem Nordwinde, der ihre Schisse gen Süden führte, Opfer darbrachten." — Als dies dem Pharao berichtet ward, mußte er zu den Ansichten kommen, welche 2 Mos. 14, 3. 5 ausgedrückl sind und die Verfolgung beginnt. „Bei der Annäherung des egyptischen Heeres brechen die Juden eilig von Pi-Hachiroth auf und gelangen an die Spitze des Golfs, den sie, wie das vor der Anlage des maritimen Canals, manche Karavane gethan, überschreiten. Die heftig nachsetzenden Egypter betreten die Furt, ehe die Fluch zu steigen begonnen. Da erhebt sich von Südwesten her ein heftiger Sturm, in jähem Wachsen hebt sich die See, und bedeckte die Wagen und Reiter vom ganzen Heere Pharao's, die hinter ihnen in's Meer gekommen waren: es blieb von ihnen übrig auch nicht Einer."" lieber die Trümmerstätte des jüdisch - egyptischen Tempels, welchen der Priester Onias gebaut, bringt das vorliegende Buch (S. 423) Folgendes: „Eine halbe Stunde S.-O. von Schileni el-Kanütir (einer Eisenbahnstation von Kairo nach Sues) die Trümmerstätte Tell el-Aehüvlge (Hügel der Juden). Onia, der Hohepriester der Juden, Sohn Onia's IN., ließ mit Beihülfe res Ptolomäus Philometor einen Tempel für seine durch die syrische Partei aus Palästina vertriebenen Landsleute, welche in Egypten gastliche Aufnahme gefunden halten, bauen. Dem Einwande, daß nur in Jerusalem ein Tempel sein dürfe, begegnet er mit den Jesajas 19, 18 rc. zu findenden Worten: Jedenfalls wurde der Zweck erreicht und der Tempel gebaut. Nach alten Nachrichten soll er an der Stelle eines verfallenen Heiligthums der Pacht (Sechet) erbaut worden sein und die jüngsten Ausgrabungen beweisen in der That, daß hier bereits in der Zeit Ramses II. eine Stadt gestanden, die namentlich unter Ramses Hl., dem reichen Rhanpfinit des Herodot, einen hohen Glanz erreicht haben muß. Der Vor- und Zuname dieses Pharao (Ramses hak Aan) kommt hier häufig vor. Ihm verdankt wohl auch das ganze zertrümmerte ältere Heiligthum seine Entstehung. Lange war jede Spur des letzteren und des nach dem Muster des Salomonischen Tempels von Onia erbauten Heiligthume, durch welches die Spaltung zwischen den palästinensischen und egyptischen Juden wesentlich gefördert ward, verloren, und erst 1871 fand E. Brugsch hier unter den Schutthaufen großartig angelegte Substructionen von orientalischem Alabaster und merkwürdige Faiencemosaiken, welche die Wände eines großen Bauwerks bekleidet und nicht nur Rosetten und ornamentale Figuren, sondern auch bildliche Darstellungen von Schlachten, Huldigungen, Darbringungen rc. gebildet harten. Sehr häufig kehrte an den Köpfen der bekannte von den egyptischen Künstlern scharf aufgefaßte orientalische Typus wieder. Auch Ramses' III. Namensschilder in Faience und sein leicht kenntliches Portrait in Alabaster sind mehrfach gefunden worden. Im Museum zu Bulak (S. 314) werden einige der besseren Gegenstände aufbewahrl. Von den Fundamenten ist wenig mehr zu sehen und ein Besuch trotz des angenehmen Weges und der hübschen Aussicht von den Ruinenhügeln, namentlich des Abends, nicht lohnend." — Wir bemerken hierzu, daß der Oniastempel 160 v. d. gew. Zeitr. erbaut und 73 nach der gewöhnl. Zeitr. durch Titus geschlossen wurde, baß er übrigens zu einer tiefgehenden Spaltung zwischen den palästlnensischen und egypüschen Juden nicht geführt hat, da die letzteren alle Verpflichtungen gegen den Tempel von Jerusalem erfüllten und die elfteren den Oniastempel duldeten, dessen Priester nicht einmal ihrer Priesterrechte entkleideten. Was Bädeker über die ausgegrabeuen Alterthümer berichtet, bezeugt nur die Stätte des alten egyptischen Tempels, spricht aber dagegen, daß es diejenigen Substructionen waren, auf welchen der Oniastempel gestanden. Die äußere Gestalt desselben war zwar nicht ganz die des salomonischen, sondern khurmähulich, die innere Einrichtung und die Geräthe nach dem Muster des jerusalemitischen. Abbildungen von Schlachten, Huldigungen u. dgl. Ramsesbilder, konnten in diesem Tempel aber keinenfalls angebracht sein. Dagegen sprach sich das Gesetz zu bestimmt aus. Andererseits läßt sich auch nicht voraussetzen, daß solche Reste der Vorzeit an einem Platze sich erhalten konnten, wo 233 Jahre lang ein viel besuchter, bewallsahrteter jüdischer Tempel bestanden. Es kann daher von allem Dem nichts als Zeugniß dafür angesehen werben, daß der Oniastempel

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