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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-05-01 · Heft 18 (1.5.1877) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 18 (1.5.1877)
Date
1877-05-01
Page
Seite 283 (sequence 7)
Language
German
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283 zeitweilig in Tanis und scheint den semitischen Deltabewohnern! freiere Bewegung gegönnt zu haben wie der erfiere. Weniger kräftig und fest wie dieser hatte er auch von den asiatischen Nachj barreichen mehr zu fürchten als Ramses, der sie nicht nur tribut-! pflichtig gemacht, sondern auch durch Heirathen und Friedensver- J träge, von denen wichtige Proben erhalten blieben, an sich gefesielt! hatte. Ueberdem war schon vor seinem Regierungsantritte die! Befestigung der Ostgrenze des Reichs vollendet worden. Die Frohnarbeiter in Gosen wurden nichtsdestoweniger auch unter ihm ausgenutzt und überwacht, denn es lag nahe, daß sie in dem Augenblicke außerordentlich gefährlich werden konnten, in welchem es ihnen gelang, sich zu vereinen und als compacte Maffe gegen das eigentliche Egypten zu wenden. Als Mose nun vor den Pharao trat, um ihn zu ersuchen, sein Volk in die Wüste führen zu dürfen, konnte Menephta seinem Verlangen nicht willfahren, denn gerade die Bereinigung der Stammgenosien des Bittstellers mußte unter allen Umständen verhindert werden. Die Geschichte von den Landplagen ist bekannt. Als historischer Kern ergiebt sich der auch von egyptischen und griechischen Berichterstattern bestätigte Umstand, daß Menephta die Fremden, von verhängnisvollen Unglücksfällen gezwungen, ziehen lasten mußte." (Schluß folgt.) Deutschland. 2belfcuucj 6ii(xc&txc&bea. Breölau, 22. April. (Privatmitth.) Die Petition über den Religionsunterricht an den öffentl. Lehranstalten in Preußen ist mit der Unterschrift von 146 Gemeinden an das Unterrichtsministerium abgegangen. Bei dem Comile hatten sich außer den in dieser Zeitung aufgeführten Gemeinden die zu Kurnik, Trachenberg, Fraustadt, Krotoschin, Hirschberg in Schlesien und Uscht gemeldet. Berlin, im April. (Privatmitth.) Es ist immer, wenn heiße Kämpfe zu einem gewissen Abschluß gekommen, nützlich, dieses letzteren sich bewußt zu machen und einige Rückschau zu halten. Wir wollen dies heute nach zweien Seiten hin thun. Seit Jahren, bald hier bald dort, gaben die Ultramontanen eine gereizte und feindliche Gesinnung gegen die Juden kund, ohne daß man den Schlüffe! zu ihren Motiven anders, als in dem turbulenten Charakter ihrer Zeitungsschreiber finden konnte. Da geschah es vor ungefähr 2 Jahren, als sich mit einem Male aus dem ultramontanen Lager eine Fluth von Angriffen, Beschuldigungen und Schmähungen über die Juden ergoß, zahllose Zeitungsartikel, viele Pamphlete und selbst dicke Bücher wider sie geschleudert wurden, und ein allgemeiner Kampf durch alle Länder hindurch gegen sie in Scene gesetzt ward. Bald erhielt jene Partei Succurs von den protestantischen Reactionären und Pietisten, von den Agrariern und selbst von den Socialdemokralen. Man glaubte die Zeitverhältniffe günstig, indem man die finanzielle und industrielle Calamität zur Aufregung der Gemüther benutzte und die Juden als die Urheber alles Unheils brandmarkte. Ganz unverhohlen reizte man das Volk zu Judenhetzen auf, suchte Coalitionen zu Stande zu bringen, um den Juden allen gewerblichen Betrieb zu entziehen, und verlangte von den Regierungen und Parlamenten Ausnahmegesetze. Man constituirte sich sogar zu Jnguisitionsttibunalen, und forderte auf, irgend welche schlimme Händel, bei denen Juden die Hände im Spiel hätten, zu sammeln und zu veröffentlichen .... Nun, die Fluth hat sich verlaufen. Nachdem man das Aergste vorgebracht und oft genug wiederholt hatte, blieb nichts mehr übrig.') In einem Punkte zeigten sich unsere Gegner schwach. Sie übergingen alle Widerlegungen mit Stillschweigen, und glaubten sie dadurch wirkungslos zu machen. Dies war ein Jrrthum ihrerseits, und sie entzogen sich dadurch die Mittel, den Kampf fortzusetzen und zu vermannigfaltigen. Sie haben nichts erreicht. Es sind keine Aufläufe erfolgt; Handel und Wandel ist nirgends gestört worden; in den Parlamenten ist kein Anttag auf Beschränkungen, selbst nicht von der Centrumspartei eingebracht worden, und die Regierungen haben keine Veranlaffungen gefunden, den Wünschen der Judenfreffer zu genügen. Der Charakter einer Zeit spricht sich nicht blos in dem aus, was geschieht, sondern auch in dem, was nicht geschieht. Kann man aus jenen erbitterten Angriffen schließen, daß es in der Gegenwart noch Kreise giebt, in welchen der alte Judenhaß noch fortlebt, so beweist doch das gänzliche Fiasco, welches unsere Gegner mit aller ihrer Wuth und Anstrengung erfuhren, noch mehr, daß jener seine reale Energie verloren hat und Gerechtigkeit und Humanität in allen Schichten des Volkes feste Wurzel geschlagen. Dies ist eine Ueberzeugung, die, zwar schwer erkauft, doch einen hohen 1) Hiermit ist nicht gesagt, daß nicht immer noch einzelne Artikel und Broschüren erscheinen, wie sich etwa nach einer Schlacht einzelne Geschütze noch entladen, so z. B. die jüngste Broschüre des ehemaligen Bischofs Konrad oder die bei Niendorf in Berlin erscheinenden „Bolkswirthschastlichen Broschüren." Bei den meisten genügt schon der Titel, um den Geist zu erkennen, von welchem diese Pamphlete durchtränkl sind. „Die Juden und der deutsche Staat"'» „Die Fremdlinge in unserem Heim", „Zur Frage des Zollschutzes für die nationale Gesammt- Arbeit", „Denkschrift über die vier Jnvalidensonds des deutschen Reiches",, „Die sogenannte Deutsche RcichSbank, eine privilegirte Actien- Gesellschaft von und für Juden, nebst Betrachtungen über lasterhafte und bambergerliche Politik"". Die „N. ft. Pr."" bemerkt zu diesen Machwerken: Es ist nicht überflüssig, sich mit diesen Auswüchsen einer! Reactionsepoche bekannt zu machen, die in naturgemäßer Consequen; des wirthschastlichen Niederganges stets weitere und weitere Kreise zu erfasien droht. DaS Unglück äußert eben auf verschiedene Leute verschiedenartige Wirkungen: die Einen spornt es zu verdoppelten Anstrengungen, zu vermehrter Geistesarbeit, die Anderen macht cs abergläubisch und läßt sie zu Altweibermitteln ihre Zuflucht nehmen.

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