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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-04-24 · Heft 17 (24.4.1877) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 17 (24.4.1877)
Date
1877-04-24
Page
Seite 269 (sequence 9)
Language
German
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269 talmudischem, noch auf evangelischem Gebiete, und von wisseni schädlicher Strenge kann bei ihm nicht die Rede sein. Was : wir aus seinem Buche als nützlich ansehen, ist, daß er den christ- 1 lichen Lesern eine Menge Citate aus dem Talmud zuführt, die ' ihnen eine Vorstellung von der Weisheit, Sittlichkeit und Gottessurcht der Talmudisten bereiten werden, die sie den gewöhnlichen christlichen Schmähungen des Talmuds gegenüber in Erstaunen setzen und Aehnliches bei vielen Kirchenlehrern älterer und neuerer Zeit entbehren lasten wird. Im ersten Theile stellt er die 13 Glaubensartikel des Maimonides voran, und versucht zu zeigen, daß mit ihnen sowohl der Talmud als das Evangelium übereinstimmt, daß er dabei hinsichtlich der Unveränderlichkeit des Gesetzes Moses nur die sie bestätigenden Stellen des N. T. anführt, dagegen mit Stillschweigen übergeht, wie Jesus selbst gegen das Gesetz handelte und schon die Apostel das ganze Gesetz aushoben, zeigt die Schwäche der Beweisführung. Hielten wir den Autor beim Worte, so wäre die erste Bedingung des Ausgleichs, daß sämmtliche Christen zum Gesetze Mosis zurückkehrten. Dann wäre aber wohl der Ausgleich schon von vornherein unmöglich. Gleich schwach fällt das Capitel über den Messias aus, wo der Autor darüber hinwegschlüpft, daß Jesus selbst für den Messias erklärt wird, und sich nur zu zeigen bemüht, daß der zu erwartende Messias ein ganz gewöhnlicher Mensch fein solle. Von der Idee der eigentlichen messianischen Zeit hat er keine Ahnung. Das Dogma der Dreieinigkeit konnte der Vers, nicht übergehen, und er erklärt es als eine heidnische Entartung der metaphysischen Begriffe von Gott, besten Leben und besten Wissen. Wahrhaft kindlich ist seine Freude über diese Erklärung, die er selbstverständlich als die allein richtige ansieht. Man sieht, daß auf diesem Wege auch das Verschiedenste für gleichartig ausgegeben werden kann, daß aber der Verf. Recht hatte, wenn er meinte, seine Schrift werde geringen Erfolg haben. Der größere Theil des Buches wird von einer Uebersetzunz und einem Commentar des Evangeliums Matthäi ausgefüllt, ohne daß wir den Bemerkungen des Autors großen Werth beilegen können. — Von S. Meyer ist erschienen: „Völkerrecht und Humanität in der orientalischen Frage und die Israeliten in der Türkei, Serbien und Rumänien. Berlin, 1877." Die Broschüre enthält nichts Neues, und ist zum Theil von den Ereignissen schon überholt. — Wir haben bereits in Nr. 38 des Jahrg. 1875 den ersten Theil der vom Lehrer H. Goldstein zu Gleiwitz begonnenen Bearbeitung des 1 B. Moses für die israelitische Jugend besprochen. Es liegt jetzt der zweite Theil (67 Seiten. Gleiwitz, Jäger, 1876) vor, welcher Texlauszüge aus dem Leben der Patriarchen in schönem, großem Druck mit Präparation und „den grammatischen Ergebnisien", enthält, und soll noch ein NI. Theil, das Leben Jcseph's folgen. — Versuch einer neuen Uebersetzunz der letzten Capitel 30 und 31 der Proverbien des Königs Salomo von H. Koref. Pest, Tettey, 1876. Herr Koref ist noch aus der guten alten Schule der Biuristen, und das Büchlein recht lesenswerlh. Aber die Exegese ist seitdem fortgeschritten und will von der Willkürlichkeil nichts mehr wissen, mit welcher man die grammatikalischen Formen behandeln möchte. Agur haben schon Raschi und Ralbag „Sammler" erklärt, aber tws ist nicht Ts»; ferner bas* und Vnvpk für eine und dieselbe Person : erklären, während doch in der Rede Gottesleugner und Gottesverehrer sich gegenüberstehen, heißt dieselbe nicht klären, sondern : verwirren. — Ieui 1 Einige Züge aus Johann Jacoby's Leben. Dem gegenwärtigen Geschlechte entschwinden bald die Erinnerungen aus der Zeit vor drei oder vier Jahrzehnten. Es ist deshalb angemeffen, sie durch die Schrift festzuhallen. Am 2. April wurde in Frankfurt a. M. eine Todtenfeier für Johann Äacoby veranstaltet. In ihr hielt vr. Guido Weiß, der vertraute Freund des Verstorbenen, die Gedenkrede. Dieselbe machte einen ergreifenden Eindruck nicht blos durch die rhetorische Meisterschaft, mit der sie entworfen und durchgeführt war, sondern auch durch ihre eindringende Charakteristik. Guido Weiß begann mit der Darstellung der ärztlichen Verdienste, welche sich Jacoby erwarb, als von Polen her die Cholera sich zum erstenmale über den Continent verbreitete. Minister v. Schön, der Oberpräsident der Provinz Preußen, sagte: „Schicken wir nur erst einmal Aerzte hinüber, die uns sagen mögen, was daran ist." Der Erste, der diesem Ruf entsprach, war Johann Jacoby. Schön empfing l e t o «. ihn, als er zurückgekehrt war, mit Lobsprüchen: er freute sich herzlich des tüchtigen eifervollen Arztes und dessen, was der Mann unter den schwierigsten Umständen vollführt hatte. „Ich werde auch nach Berlin darüber berichten", sagte er, „aber einen Orden, eine Auszeichnung, wissen Sie, können Sie nicht bekommen. Sie sind Jude." „Nun, an Orden und Auszeichnungen", setzte Guido Weiß diese Erzählung fort, „lag dem Manne nichts. Ein paar Jahre später hat er es seinem Könige in's Gesicht gesagt, indem er ihn daran erinnerte, daß äußere Auszeichnungen für ihn keinen Werth Härten. Aber es brachte ihn zum Sinnen: Wie kommt es, daß ein Staatsbürger, der Gelegenheit gehabt hat, sich auszuzeichnen, unter einem Banne liegt, der ihn unter jeden Andern, mag er thätig sein oder nicht, hinunterstellt? In dieser Zeit fiel ihm eine Broschüre in die Hand von dem Geheimen Regierungsrath Strecksuß, einem feingebildeten Mann, als Uebersetzer von italienischen Dichtern heute noch in gutem Ruf, in Allem der besten 17

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