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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-04-24 · Heft 17 (24.4.1877) · p. Seite 268

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 17 (24.4.1877)
Date
1877-04-24
Page
Seite 268 (sequence 8)
Language
German
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268 Rumänien. Bukarest» 8. April. Der Senat ist einmal wieder aufgelöst worden, weil er sich dem Willen des Herrn Bratianu nicht fügen wollte. Der Senat hat noch vor seinem Hinscheiden ein gutes Werk vollzogen. Die vertriebenen Juden aus Vaslui, hatten sich, wie Sie wissen, an diesen Körper gewendet und um Abhülfe gebeten. Es ist nun officiell festgestellt, daß die Vertreibungen factisch stattgefunden haben. Der erste Delegirte des Ministers Vernescu, ein Advocat Namens Protopvpescu Pache, der fast ausschließlich von jüdischer Clientel lebt, war nach Vaslui gegangen und hatte die Stirne, Alles rundweg wegzuleugnen. Eine zweite Untersuchung des Herrn Pencovici bestätigte jedoch die Thatsachen und gab die Schuldigen an, darunter Herrn Lupascu und seine amtlichen Helfershelfer. Der Bericht Pencovici wurde jedoch verheimlicht, und Herr Bratianu ließ officiell in London und Paris durch seine diplomatischen Agenten Schendrea die Thatsache leugnen. Nun hat der Senat den Bericht an's Licht gezogen und der officiellen Lüge die Maske abgerissen. Zum Glück für die Würde des Landes fanden sich im Senate einige Männer, welche die Petition der Juden befürworteten. Der schließlich angenommene Antrag des Senators Casimir lautet: „Da der Senat aus de» Acten des Ministeriums des Innern erfahren hat, daß eine Untersuchung stattgefunden und die Schuldigen eruirt worden sind, so fordert er, daß die Regierung die Schuldigen zur Verantwortung ziehe und geht zur Tagesordnung über?' Es versteht sich so gut wie von selbst, daß Bratianu, gerade als rumänischer Ministerpräsident weder nach seiner Blamage, vor ganz Europa Lögen gestraft zu werden, noch nach der Forderung des oppositionellen Senates etwas frägt. Wie bereits berichtet worden, hat unterdeß Lupascu die Unverletzlichkeit eines Kammerabgeordneten durch Hülfe Bratianus erlangt. Es zeigt sich abermals, daß die schwächlichen Einreden der europäischen Großmächte hier nicht das Geringste bewirken, mit Ausnahme, daß sie wenigstens für den Augenblick den Verfolgungen immer wieder Einhalt thuen, ohne jedoch, daß die Rumänen ihren Ausrottungsplan aufgeben, welchen sie nach einiger Zeit immer wieder weiter ausführen. Bonn, 15. April. (Notizen.) In der Sitzung des Gemeinderathes der Stadt Wien vom 11. wurde Folgendes verlesen: „Hochwohlgeborner Herr Bürgermeister! In der Absicht, den freudigen Gefühlen, welche die Geburt eines Sohnes in meinem Herzen augeregt hat, einen materiellen Ausdruck zu verleihen, sehe ich mich veranlaßt, für das Kinderspital in der Leopoldstadt eine Bettstiftung zu errichten. Dieselbe soll auf den Namen meines Sohnes, Georges Anselm Alphonse Freiherr v. Rotschild, lauten, und knüpfe ich hieran die einzige Bedingung, daß der Genuß der Beltstiftung armen Kindern ohne Unterschied der Confession zugewendet werden soll. Ich doüre die Stiftung mit dem Betrage von 3000 fl., welche ich mich beehre, in der Anlage Ihnen, hochgeehrter Herr Bürgermeister, zu überreichen, und ersuche ich Sie, gefälligst das Weitere in dieser Angelegenheit veranlassen zu wollen. Indem ich Ihnen für die hierbei erwachsende Mühewaltung, die Sie zu wiederholtenmalen in so liebenswürdiger Weise zu bethätigen die Güte hatten, meinen verbindlichsten Dank ausspreche, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ganz ergebener Albert Freiherr v. Rothschild na. p. Wien, 9. April 1877." Die Versammlung drückt durch Erheben von den Sitzen den Dank aus. — Zur Veröffentlichung geht uns aus Wien unterm 12. d. zu: („Prediger-Mannheimer-Stiftung".) Am 17. October d. I. gelangen die Zinsen der „Prediger-Mannheimer-Stiftung" zur Bertheilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben Rabbinen, Prediger und Lehrer in Oesterreich, welche dienstunfähig geworden sind, oder deren Wittwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde, welche mindestens fünfzig Mitglieder zählt, wenigstens durch zehn Jahre das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Die Würdigkeit der betreffenden Beamten, sowie die Dienstunfähigkeit sinv nachzuweisen. Gesuche sind längstens bis am 10. Juli d. I. an die israelitische Gemeindekanzlei in Wien unter der Adresse: „Curatorium der Prediger- Mannheimer-Stiftung" zu übersenden. Bonn, 16. April. (Literarische Notizen.) In diesen Tagen kam uns ein, für unsere Zeit etwas curioses Buch zu: „Die Bibel, der Talmud und das Evangelium von Rabbiner Elias Soloweyczyk. Aus dem Französischen von Prof. Moritz Grünwald, kibliotliecaire de Ia soci£l£ philologique a Paris. Leipzig, Brockhaus, 1877." Uns ist der Name sowohl des Ueberfetzers, der oft ein mangelhaftes Deutsch schreibt, als auch des Verfassers unbekannt. Der letztere ist ein Pole, wie er selbst sagt, ein Greis, von tüchtiger Bibel- und Talmud kenntniß, ein Autodidakt, der zwar die Tugend der Bescheidenheit in Anspruch nimmt, doch aber überall jene Selbstüberschätzung verräth, welcher gewöhnlich die Autodidaktie nicht zu entgehen vermag. Er halt seine Meinung auch in den zweifelhaftesten Gegenständen für die allein richtige. Sein Zweck ist, zwischen dem Judenthum und Christenthum, zwischen Juden und Christen eine Ausgleichung herzustellen; indem er nachzuweisen sucht, daß sie überall übereinstimmen. Die Juden werden glauben, daß der Verfasser ein Missionär sei, und sie zum Christenthum bekehren wolle. Es scheint uns aber, als ob die Christen mit noch größerem Rechte sagen könnten, der- Autor wolle sie zum Judenthum bekehren. Denn schließlich bleibt er doch nur bei den Grundsätzen des Judenrhums stehen, geht entweder an den christlichen Dogmen leise vorüber, oder sucht sie abzuschwächen und künstlich auszulegen. Von Kritik weiß er nichts, weder auf biblischem und

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