Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1877)
- Date
- 1877-04-24
- Page
- Seite 266 (sequence 6)
- Language
- German
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266 dem Herrn Statthalter als Herrn Otto für die zweckentsprechende i stelle sofort der telegraphische Befehl nach Effek abging, Fräulein Durchführung der Ministerialverordnung den besonderen Dank auszusprechev. Wien, im April. Folgende Notizen ans den hief. Blättern geben mancherlei Einsicht in die Verhältnisse. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hat den Beschluß gefaßt, sowohl an der städtischen Bürgerschule, II. Bezirk, Leopoldsgaffe Nr. 3, als auch an der städtischen Bürgerschule, II. Bezirk, Czerningaffe Nr. 11», die Religionslehrer zu belassen, für die Brigittenau aber eigene Religionslehrer zu entsenden, da die Zahl der jud. Kinder, welche die verschiedenen Schulen in der Leopoldstadt besuchen, stets im Zunehmen begriffen ist. Bemerkenswerth ist es, das viele israelitische Kinder, und zwar zumeist aus den besseren Häusern, den jüdischen Religionsunterricht gar nicht oder doch nur höchst unregelmäßig besuchen. In Wien und in den an grenzenden Vororten leben gegenwärtig nahezu 55,000 Israelitn. Seit dem Jahre 1873 sind deren mehr als 5000 von Wien weggezogen. Als ein Zeichen der Zeit mag noch bemerkt werden, daß nicht selten bei der Cultusgemeinde Ansuchen um Unterstützungen von Männern eingeheu, die bis zum Jahre 1873 60 st. bis 80 st. allein an Cultussteuer gezahlt haben und die jetzt — mitunter obdachlos sind. Wien, 13. April. (Privatmitth.) Wir sind hier doch in manchen Beziehungen noch recht kleinstädtisch. Die Frau Baronin Rothschild gebar jüngst einen Knaben, und derselbe wurde am achten Tage beschnitten. Da wird darüber gesprochen und ge schrieben, als wenn sich ein außerordentliches Ereigniß vollzogen hätte. Es ist übrigens bekannt, daß die Familie Rothschild aller Orten nach dieser Richtung hin ganz auf jüdischem Boden be steht. Es mag auch bemerkt werden, daß überhaupt die Zahl der jüdischen Kinder, welche nicht beschnitten werden, verhaltniß mäßig sehr gering ist. Da Sie mit vieler Theilnahme der Wirksamkeit des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirenven folgen, so N. wieder zu reactiviren, was auch geschah. Heinrich Hirsch. Regens -Chori am hiesigen israelitischen Tempel. Frankreich. Paris, 15. April. (Nach den „Arch. is.“) Der Gemeinderath von Paris, in seiner Mehrheit radikal gesinnt und dem Klerikalismus feindlich gestimmt, bethätigt seine Ansichten auch gegen durchaus harmlose Institute, wenn sie religiöse Zwecke haben. Der „Verein für talmudffche Studien" erbat die Anerkennung als „Einrichtung von öffentlichem Nutzen, weil ohne diese Eigenschaft ein Verein keine Geschenke oder Legate u. s. w. empfangen kann. Der Gemeinderath beschied abschlägig, obschon ein genugsam vorgeschrittenes Mitglied auf den völlig inoffensiven Charakter des Vereins aufmerksam gemacht hatte. — Bei dem Leichenbegängnisse des Herrn Albert Cohn hielten außer den beiden Consistorialrabbinen noch Reden die Herren G. Bedarides im Namen des Centralcousistoriums, Baron Gustav v. Rothschild im Namen der Gemeinde, Picart, im Namen der Wohlchätigkeitscommission, Großrabbiner Tremel, im Namen des Rabbinerseminars und Rosenfeld im Namen des Vereins zur Förderung der Handwerker unter den Israeliten. Das Conslstorium von Paris hat beschlossen, um den Verstorbenen zu ehren, die Kosten der Beerdigung zu tragen und eine Trauerfeier im Tempel der rue de la Victoire am Ende der Schloschim zu veranstalten. Italien. Rom, im April. (Privatmitth.) Wer das römische Ghetto betritt, wird zwar von den eugen und düstern Gaffen bettoffen, aber er findet doch darin weit mehr Sauberkeit, wie er, wenn erlaube ich mir, Ihnen mitzutheilen, daß die Direction der erstert^man italienische Städte überhaupt in Betracht zieht und was so österreichischen Sparcaffe hier demselben 100 fl. spendete. Agram (Kroatien), 10. April. (Privatm.) In Nr. 13 Ihrer gesch. Zeitung befindet sich eine Notiz, laut welcher eine Lehrerin, die an einer hiesigen katholischen Volksschule angestellt war, wieder entlassen wurde, als Bischof Stroßmaier die so schreckliche Thatsache erfuhr, daß die Lehrerin — eine Jüdin sei. Ich erlaube mir, diese Nachricht, welche in jedem Falle auf die Toleranz des bekannten Kirchenfürsten ein sonderbares Licht wirft, dahin zu ergänzen, daß sich die Geschichte nicht hier, sondern in der flavonischen Hauptstadt Effek zutrug. Uebrigens hatte auch Bischof Stroßmaier die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Als nämlich der wackere hiesige Oberrabbiner, Herr Dr. Jacobi, von der Sache hörte, wußte er bei den höchsten Behörden, namentlich bei dem Sectionchef Muhie derartig wirksam zu intecvenireu, daß von der hiesigen Centralviele Reisende schon über dieses Ghetto berichteten, erwartet. Viel mehr wird man von der Vorstellung schmerzlich ergriffen, daß zahlreiche Geschlechter so viele Jahrhunderte hindurch in diesen engen düstern Wohnungen auf's Aeußerste zusammengedrängt, zugebracht haben. Der sehr belebte Verkehr in diesen schmalen Gäßchen läßt uns natürlich die Zahl der Bewohner sehr hoch anschlagen, so daß der Gedanke sie allesammt in diesen Hausern unterzubringen, die Brust fast zusammenschnürt. Die Zeit, fei! welcher es den römischen Juden gestattet ist, auch in den anderen Theilen der Stadt zu wohnen, nämlich seit 1870, ist noch zu kurz, als daß eine große Anzahl davon Gebrauch hätte machen können. Wenn in einem gewissen Viettel einer Stadt sich ein bestimmter Verkehr seit vielen Jahrhunderten angesiedelt hat, so kann der letztere ebenso schwer von seiner alten Heimstätte entfernt werden, wie diejenigen, welche ihn betteiben, sich nach anderen