Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1877)
- Date
- 1877-04-24
- Page
- Seite 264 (sequence 4)
- Language
- German
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264 welcher der erste Bericht der Bibel über das Nilthal erzählt, auf dieselbe Wanderungsschicht bezieht, welche den Abscha in das Pharaonenland führte. Als Joseph (S. 103) nach Egypten kam, herrschten noch die Hyksos (semitische Hirtenkönige oder Beduinen-Häupter), die jedoch die ganze Weise der alten Pharaonen angenommen hatten. „Vielleicht findet fich die die Söhne Jakobs nach Egypten führende Hungersnoth in einem Grabe zu el-Ka'b erwähnt. Dieses gehörte dem Vater des Schiffsobersten Ahmes, der an der Vertreibung der Hyksoskönige theilnahm, etwa 400 Jahre vor dem Auszug der Juden gelebt haben muß und den Nachkommen Folgendes mittheilt: „Als eine Hungersnoth in vielen Jahren herrschte, da gab ich der Stadt Getreide bei jeder Hungersnoth." In der 19. Dynastie fällt in die Regierung Seti I. (1443—1392) die Jugend von Moses. Im Delta und in TaniS errichtete dieser König große Bauten „mit Hülfe der Semiten, zu denen auch die Juden gerechnet werden müssen." Ramses ll. (1392—1326) ist der Pharao der Bedrückung (2 Mos. 1, 11), der eine gewaltige Bauthärigkeit entwickelte. Ihm folgte Menephta!. (1326—1306). „Bei einem unter seiner Regierung ausbrechenden Conflict mit den in Gosen heimischen Hebräern unterliegt er. Bei der Verfolgung der ausziehenden Juden soll er rühmlos zu Grunde gegangen fein. Aus der 22. Dynastie ist Schefcheuk I., der Schifchak der Bibel zu erwähnen, der 949 dem Jerobeam gegen Rehabeam hilft und Jerusalem belagert und erobert. ,FDsarkon (der Serach der Bibel, 2 Chron. 14, 9; 16, 8) fällt in Palästina ein, wird aber von Affa bis zur Vernichtung geschlagen." Taharka, der Tirhaka der Bibel, aus der 25. Dynastie, schlägt den König der Affyrer Sanherib bei Altaku, entsetzt Jerusalem, und befreit den König Hiskia. Necho aus der 26. Dynastie (616—600) schlägt den ihm entgegentretenden Bundesgenossen der Affyrer, König JosiaS von Juda, bei Megiddo, wird aber selbst von Nebukadnezar bei Karkemisch 604 geschlagen. Uaphris (594—570), der Hophra der Bibel, „entsetzt den in Jerusalem durch Nebukadnezar belagerten Zedekia, König von Juda, den Bewohnern Jerusalems, das nach einer zweiten Belagerung durch Nebukadnezar erobert wird, öffnet er die Grenzen seines Reiches." (Jeremias). — AuS der römischen Zeit verzeichnet die chronologische Ueberficht nur die Judenverfolgung in Alexandrien unter Caligula (37—41 nach der gewöhnt. Zeitr.), „der wir die in historischer Hinficht wichtige Schutzschrift des Josephus (gegen Apion) verdanken;" ferner, daß vom Kaiser Claudius (41—54) den Juden die (ihnen schon von Alexander d. Gr. gewährten) Bürgerrechte garantirt wurden, endlich die Empörung der Juden in Alexandrien unter Trajan 116. — An Moses erinnert noch in Egypten die Ain Musa, Moses-Quelle bei Kairo, einige Tropfen salzig bitteren Wassers, welche in einem Spalt eines Seitenthals des Mokattam ausschwitzen, diesen Namen aber sehr mit Unrecht führen, da Moses nichts mit viesem Wasser zu thun gehabt; dann aber die eigentlichen Mosesquellen, circa 12 Meilen südsüdost von Suez auf der östlichen Seite des Golfes. Der Landweg dahin führt durch Wüstensand, unfern des grünlich schimmernden Meeres, das zur Rechten bleibt. Ain Musa ist eine von mehreren Quellen bewässerte Oase von etwa 1 Kilom. Umfang mit stattlicher Vegetation. Hochstämmige Dattelpalmen und wild aufwachseudes Palmengebüsch, Tamarisken, Akazien u. s. w. gedeihen gut. Die Brunnen sind trübe Lachen mit keineswegs wohlschmeckendem, etwas salzigem Wasser. Was die Araber über sie sagen, ist unrichtig. „Dagegen läßt sich die Oase der Mofesbrunnen sehr wohl für diejenigen Stätte halten, an welcher Moses und die Kinder Israel nach dem Untergange des Pharao dem Herrn jenes wunderbare Loblied sangen, das im Munde des Volkes fortlebte und 2 Mos. 25, 1 verzeichnet steht." — (Fortsetzung folgt.) Soeituocj 6u/<xcßu/cßbeM/. Deutschland. Berlin, 15. April. (Privalmitth.) „Ich wittre, wittre Leichenduft!" Der Genius der Humanität muß abermals sein Haupt verhüllen. Denn wieder sollen Recht und Bürgerglück durch Feuer und Schwert, über verheerte Städte und niedergetretene Bölkerstämme verbreitet werden!! Wieder sollen religiöse Duldung und Gleichberechtigung durch die Entzündung des religiösen Fanatismus, des National- und RacenhaffeS, durch die Anfachung der scheußlichsten Leidenschaften, der Raub- und Mordgier unter halbcivilisirten Völkern herbeigefuhrt werden!! Es ist nicht mehr zweifelhaft, daß der Krieg zwischen den Staaten des europäischen Orients ausbrechen wird. Nachdem die Diplomatie der Großmächte sich nur dienstbar gemacht hat, den Krieg bis zu einer günstigen Jahreszeit hinauszuschieben, bricht er los, ohne daß die geringste Bürgschaft vorhanden ist, wie bald Mittel¬ und Westeuropa mit hineingezogen werden. Und dies zu einer Zeit, wo die gesammte Menschenwelt gesicherter friedlicher Verhältnisse auf's Tiefste bedürfte, um sich aus einer beispiellosen finanziellen und industriellen Krise aufzuraffen und die empfangenen Wunden zu heilen! — Es wäre an dieser Stelle wider unsren Beruf, über die Motive zum Kriege und deren politische und moralische Bedeutung Betrachtungen anzustellen. Es scheint, als ob das letzte Viertel dieses Jahrhunderts so blutig verlaufen werde, wie dessen erstes Viertel, dessen größere Hälfte von nichts als Kriegsgetümmel erfüllt gewesen — jedenfalls ein Druck aus die Selbstüberschätzung, an welcher unser Säculum so vielfach