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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-04-17 · Heft 16 (17.4.1877) · p. Seite 255

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 16 (17.4.1877)
Date
1877-04-17
Page
Seite 255 (sequence 11)
Language
German
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255 schäften, wodurch er von den Russen als ein außergewöhnlicher l Mensch mit übernatürlichen Kräften gehalten, und als ein | Schwarzkünstler ausgerufen wurde. I Scharja gehörte zu dem Gefolge des Fürsten Michaeli Olelkowilfch, der in der Eigenschaft eines Statthalters des Königs von Polen Casimir IV. im Jahre 1471 nach Nowgorod gekommen war. Mehr ist über ihn nicht bekannt, als daß er langer in Nowgorod sich aufhielt, als Fürst Olelkowitsch. Es ist aber keine unberechtigte Bermuthung, daß er entweder das Haupt oder ein Mitglied einer neuen religiösen Seele in Litthauen war, und daß die Beziehungen Polens zu Nowgorod ihm die Idee eingegeben, seine Lehren auch in Rußland zu verbreiten.10) Der erste Proselht in Nowgorod war der Geistliche Dionysius , der ihm auch seinen Collegen, den Protopopen (Oberpriester) Alexius, zuführte. Bald darauf kamen mehrere Juden aus Lilthauen herüber, und es bildeten sich in Nowgorod und Pskow ordentliche Gemeinden "), die zum Judenthume übertreten und sich auch beschneiden lasten wollten; doch Scharja und seine Glaubensbrüder hielten sie zurück, und riechen ihnen, äußerlich als Christen zu gelten. Als großer Eiferer für das Judenthum zeichnete sich der Geistliche Alexius aus, weshalb ihm die Gemeinde den Namen des Patriarchen Abraham und seiner Frau den Namen Sarah beilegte. Alexius wirkte unter allen Ständen und namentlich unter der Geistlichkeit mit vielem Erfolge.12) Sie zählten zu ihren Mitgliedern den Protopopen der Sophienkirche Gabriel, den Guardian Gregorius, und den Sohn des angesehenen Bojaren Tutschin. Das Glaubensbekenntniß dieser neuen jüdischen Secte gründete sich auf folgende Hauptlehren: u) 1) Gott der Vater, Allerhalter, hat weder einen Sohn, noch einen Heilgen Geist. 2) Jener Christus ist nicht der wirkliche Sohn Gottes; der in der Schrift vorhergesagte Christus, Gottes Sohn, ist noch nicht geboren, und wenn er geboren sein wird, wird er nicht nach seinem Wesen, aber nach seiner Erleuchtung gleich Moses, David und den anderen Propheten und heiligen Männern Gottes Sohn genannt werden. Daher 3) muß man das Gesetz Moses befolgen. 4) Die Erlösung des Menschengeschlechtes durch Gottes Sohn ist nicht nothwendig, auch mit der Würde Gottes nicht vereinbar. 5) Die Anbetung der Heiligenbilder und des Kreuzes ist unstatthaft. 6) Das Mönchthum ist eine menschliche und keine göttliche Einrichtung, und der Fluch der h. Schrift, dem ein Jeder unterliegt, der die Frucht in Israel nicht aufrichtet, trifft die Mönche. 7) Weder die Muttergottes, noch Johannes der Täufer, oder die Apostel und sonstigen Heiligen und Seeligen sind zu verehren. 14) (Schluß folgt.) Aus -em Volksleben mit seinen Lichtu. Schattenseiten. III. Ein Messias. Noch immer ist im Volke die Vorstellung eines Messias lebhaft genug, um Geistesschwachen, besonders solchen, die eine lebhafte Einbildungskraft besitzen, und selbst mit einer gewisten dichterischen Anlage versehen sind, den Stoff zu ihren Verirrungen herzugeben. Es kommt dies vor im christlichen, wie im jüdischen Volke. Wir erinnern uns aus der Zeit unsrer Amtsführung in Magdeburg eines kleinen verwachsenen christlichen Mannes, der mit einer großen Reisetasche voll blödsinniger Gedichte zu uns kam, sich für den Messias ausgab und von uns die 'Anerkennung als eines solchen forderte. Er werde bald, sagte er, auf die Straße hinabsteigen, und dem Bolke als der schönste Jüngling in hoher Gestalt erscheinen. Als ich ihn aufmerksam machte, daß er als Messias doch die hebräische Sprache kennen müsse, um die h. Schrift auslegen zu können, antwortete er: in dem Augenblicke, wo er als Messias erscheinen werre, würde ihm auch die Kenntniß des Hebräischen und aller menschlichen Sprachen aufgehen, und er das vollkommenste Verständniß rer h. Schrift und des Talmud besitzen. Der arme Mensch verstarb nach einigen Jahren im Jrrenhause. — Am 16. Februar zeigte der Gerichtssaal zu Wien ein anderes derartiges Beispiel an einem Inden, der dadurch mit dem Gerichtshof für Strafsachen allerdings mit einer sehr geringfügigen Schuld in Berührung gekommen. Am 5. Januar um halb 6 Uhr Morgens fand der Srcberheitswachmann Amon Winterberger"am Franz-Josephs-Kai 9) Rudnjew. My poluczajem poujatje o Scharje kak o czelowjekje uczennom choroszo znakomom s estestwennymi naukami u. f. w. Dagegen bezeichnet ihn Karamzyn glattweg als „listigen Geistes und scharfer Zunge". 10) Ibid. 11) Platon, Krat. cerk. ross, istorja. Moskau 1833. 12) Rudnjew, p. 94. Jeres bystro stata razliwatsjä i po drusim sestowjam. Jejo prynjali mnogie i iz proslich i iz znaczytelnych ludj co Nowgorodje, no osobenno ona rozprostranjtas mezdu ducbownymi. 13) Ibid. p. 110— 112; — Jos. Wolkanski, Proscqj. vor einem Brunnen Waffer schöpfend einen Mann in sehr zweifelhafter Toilette, der zu dem beim Wasserschöpfen allerlei auffällige Gesten producirte. Der Wachmann wollte sich dem Unbekannten nähern, doch dieser brach in Beschimpfungen aus, wurde arretirt und vom Bezirksgerichte wegen Wachebeleidigung zu 24 Stunden Arrests verurtheilt. Gegen dieses Urtheil führte der 14) Wir haben in diesem Glaubensbekenntniß, um keinen Anstoß zu erregen, die Ausdrücke gemildert. Die R e d a c t i o n. 16* V

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