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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-04-17 · Heft 16 (17.4.1877) · p. Seite 253

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 16 (17.4.1877)
Date
1877-04-17
Page
Seite 253 (sequence 9)
Language
German
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253 — Man schreibt uns aus Haigerloch (Hohenzollern) vom 1. April: Am ersten Peßach-Tage feierte unser Rabbiner, Herr Hilb, sein 40jähriges Dienstjubiläum. Der Vorstanv der Gemeinde überreichte dem ehrwürdigen Greise einen prächtigen silbernen Pokal und sicherte ihm eine Gehaltsaufbesserung zu, die sreilich nach den geringen Kräften der Gemeinde nur sehr mäßig ausfallen konnte. Man fragt sich bei solchen Gelegenheiten immer wieder, warum der Staat, der doch für die christliche Geistlichkeit so Vieles thut, für den jüdischen CultuS auch nicht die geringste Gabe hat. Im Jahre 1836 stellte der Fürst von Sigmaringen unseren Rabbiner definitiv an — aber zu dessen Erhaltung hat er nicht das Geringste beigetragen. — Man bemerkt aus Konstantinopel über den dortigen israelitischen Deputirten Abraham Agiman, Dirigent des Hauses Camondo, daß es ein Mann ist, der sich durch eigene Kraft heraufgearbeitet, eine Schule niemals besucht hat, und doch sehr schöne Kenntnisse besitzt; so spricht und schreibt er auch mehrere Sprachen. Herr Agiman ist von wahrem Patriotismus für die Türkei erfüllt und besitzt einen großen Freimuch. Ebenso ist er dem Judenthume ergeben, betheiligt sich an allen Werken der Wohlthätigkeit und besonders am Unterrichtswesen. Mitglied des Vorstandes der hiesigen Gemeinde, die so sehr verkommen ist, arbeitet er unaufhörlich an ihrer Wiederherstellung und Reorganisation. Unter Anderem leitet er auch eine Schuhmacherei, in welcher junge Israeliten unter fremden Meistern dieses Handwerk erlernen. Bonn, 8. April, (Literarische Notizen.) Bor Kurzem erschien: „Das Hohelied aus dem hebräischen Originaltext in's Deutsche übertragen, wie auch sprachlich und sachlich erläutert und mit einer umfassenden Einleitung versehen von Prof. Dr. S. Ä. Kaempf" (Prag, Mercy 1577). Wir werden auf das verdienstvolle Werk bald zurückkommen. — Ebenso zieht unsere Aufmerksamkeit die überaus sorgfältige und gelehrte Arbeit auf sich: Catslogue ok tlie Hebrew Manuscripts preserved in tbe University Library, Cambridge. By Dr. 8. M. Schi Her- Szincssy. Vol. I. conlaining Seel. I, the Holv Scriplures. Seel. 11. Commentaries of llie Bilde. Cambridge 187 6. — Eine weitere Besprechung verdient auch: Die Masiorah zum Targum Onkelos, enthaltend Massorah magna und Massorah parva. Nach Handschriften und unter Benutzung von seltenen Ausgaben zum ersten Male edirt und commentirt von Dr. A. Berliner. Leipzig. I. C. Hinrichs 1877. — Der Wunsch, welcher im vor. Jahrg. S. 512 ausgesprochen worden, daß Herr Dr. Zuckermandel bald im Stande sein möge, die Tosefta nach der Erfurter Handschrift zu veröffentlichen, ist bereits erfüllt, denn es liegt uns vor: Tosefta nach den Erfurter und Wiener Handschriften mit Parallelstellen und Varianten herausgegeben von Dr. M. S. Zuckermandel, Rabbiner in Pasewalk. Lieferung 1. Pasewalk 1877. — Herr Dr. A. Jellinek hat soeben bei Brüder Winter in Wien eine Broschüre erscheinen lassen, welche von bibliographischem Interesse ist: rmro bbi=> vrvop: er Erp bsbsa -ir-m n? ec: ia-2-172 erss-m "b-ra Tao a-ern, TTsbrr; pn enob naaepja nac bro 'rrass ■pno -psb iss" -io» mobr "posi niaoir mw, arovve p'roc7ib c"cr'e nrur: --innoi tsc nTre, o'vn "Ois-i p':op. Diesem fügte noch als ein sehr interessantes Spezimen der verdienstvolle Gelehrte hinzu: Tapcro bs-ic b? cepb vnoN mb irni, was bekanntlich gerade in unsrer Zeit nicht ohne praktischen Nutzen ist. — An Predigten kamen uns in der jüngsten Zeit zu: Dankbarkeit, die Erstlingssrucht des Herzens. Predigt zur Geburtstagsfeier des Großherzogs, von Dr. A. Schwarz, Karlsruhe 1876. — Predigt am 2. September 1876 in der Synagoge zu Oldenburg gehalten von Dr. I. Glück. Oldenburg 1876. — Rede am Grabe res Herrn L. Goldman in Baltimore, gehalten am 14. August 1876 von H. Hochheimer. Baltimore 1576. — Grabrede auf weil. Rabbiner David Oppenheim S. A. gesprochen am 23. Oct. 1876 auf dem Wiener israelitischen Friedhofe von seinem Sohne Joachim Heinrich. Brünn 1875. — Festrede an die Jugend, bei Gelegenheit der 50jährigen Jubelfeier des Gotteshauses in der Seirenstättengaffe, gehalten im Gotteshause in der Leopoldstadt in Wien am 26. März 1876 von Dr. G. Wolf. Feuilleton. Zur Geschichte -er Juden in polen. Bon Hermann Sternberg. Abfall vom Christenthum und Uebertritt zum Judenthume. (1520—1560.) So umfassend und detaillirt die Forschungen über die Reformation in Deutschland und England sind, so mangelhaft liegen ihre Ergebnisse noch über die Bewegung der Geister vor, welche auch in den übrigen Ländern Europas und in ungeahnt ausgedehntem Maße auch in den östlichen Ländern, in Polen und Rußland, zu derselben Zeit stattfand. Das folgende Stück, entnommen dem Manuscripte einer „Geschichte der Juden in Polen unter den Piasten und Jagiellonen", welche im Druck erscheinen soll, wirft ein neues Licht darauf. Der Berf. hat für seine Mittheilungen den Nachweis in zahlreichen Anmerkungen geliefert, von denen wir jedoch des beschränkten Raumes unsres Blattes wegen nur das Wichtigere ausziehen. Es war eben eine allgemeine Nichtbefriedigung mit den erstarrten Sätzen und Formen der Kirche und mit der drückenden und zum Theil aussaugenden Herrschaft der Priester in die Herzen der Völker gedrungen; der 16

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