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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-04-17 · Heft 16 (17.4.1877) · p. Seite 249

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 16 (17.4.1877)
Date
1877-04-17
Page
Seite 249 (sequence 5)
Language
German
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249 ein ganz anderes Subject substituirl. Der Proceß, den vor 14 Jahren die Wiener Staatsanwaltschaft wegen der Auslegung des 53. Cap. das. als einer Prophezeiung seiner künftigen Verjüngung dem Herausgeber dieser Abhandlung anhängig gemacht, ist noch in unser aller Erinnerung und in den Tractaten der Missions- Gesellschaft spielt der Hinweis auf diese und ähnliche Stellen der Schrift den verläßlichsten Koder, mit dem der wortgläubige Sinn frommer Unerfahrenheil bestrickt werden soll. Und welche Rolle spielen nicht diese Citationen in den Religions-Disputationen des Mittelalters, wie wurde da nicht jeder Vers, jedes Wort vexirt, um die armen Bertheidiger des Judenthums in ihrer eigenen Schlinge zu fangen. Es kann daher nicht Wunder nehmen, daß das 52.—53. Cap. in Jef. seit jeher sowohl von den Auslegern, als den Dogmatikern und ganz besonders von Len apologetischen und den Polemischen, antichristologischen Autoren mit besonderem Nachdrucke und ausführlich behandelt wurde. Galt es doch nicht allein eine falsche Schriftauslegung, sondern die Zumuthung zurückweisen, dem verstockten Irrglauben Len Rücken zu kehren und die neue Heilsbotschaft anzuerkennen. — Solche Controversen, nicht mit jener Leidenschaft betrieben, die Heine in der Disputation mit der Lauge seines Spottes übergossen, sind heutzutage, selbst in Theologenkreisen, schon aus der More gekommen. England allein ist der letzte Zufluchtsort derartiger Untersuchungen und Verhandlungen, dort findet sich immer noch ein dankbares Publikum für den Kampf der rationalistischen und der buchstabengläubigen Theologie. Ob dabei nicht mit etwas Sportartiges unterlaufe, steht uns zu entscheiden nicht zu. Genug! gelegentlich einer öffentlichen Polemik über die messianischen und christologischen Stellen im Jesaja hat der durch seine Hinneigung zum Katholicismus weitbekannte und hochgelehrte Theologe und Hebräist vr. Puseh den Plan gefaßt, eine Sammlung sämmtlicher Erklärungen und Auslegungen des mit •'•nr beginnenden Passus im Jes., soweit sie jüdischen Ursprungs, sammeln und herausgeben zu laffen — ein Unternehmen, das in den Catenen der christl., in den Jalkuts der jüd. Literatur ja auch sein älteres Vorbild hatte. Diese Aufgabe übertrug er dem verdienstvollen Literarhistoriker und Bibliographen, Herrn Ad. Neubauer in Oxford und hätte vr. Püsey, wie der vorliegende Band lehrt, keine beffere Wahl treffen können. Mit staunenswerther Vollständigkeit hat Herr N. aus dem großen Schatze der jüdischen Literatur alles zusammengetragen, was über dieses Capitel von Juden geschrieben wurde, selbstverständlich soweit es bekannt und zugänglich, von der griech. Uebersetzung der 70 und dem Targum Jonathan angefangen bis auf die Commentatoren der Mendelssohn'schen Zeit herab. (Dies nämlich ist die äußerste Grenze). Nur wem, wie Herrn N., nahezu alle erschließbaren Sammlungen hebr. und auf Juden bezüglicher Bücher bekannt und — freilich auch oft unter großen Schwierigkeiten — zugänglich sind, konnte eine solche Aufgabe übertragen werden. Denn da es dem Urheber des Planes um die möglichste Vollständigkeit der Zusammenstellung zu thun war, konnte sich der Herausgeber mit dem Wiederabdruck der bereits gedruckten loci nicht begnügen und mußte vielmehr hauptsächlich darauf bedacht sein, aus der handschriftlichen Literatur, die auf Bibliotheken zerstreut liegt, neues Material zu holen. Diese Bemühungen ergeben denn auch eine reiche Ausbeute. — In einer ausführlichen hebr. Vorrede giebt Herr 9!. eine kurze Auskunft über jede Nr. der 55 hebräischen, 5 romanischen Texte, sowie der kürzeren Citate und Notizen, die in diesem Samwerke ausgenommen sind. Wir wollen einen kurzen Auszug derselben liefern und bemerken blos, daß die Reihenfolge chronologisch angelegt ist, daß diese jedoch, da Herr N. während des Druckes aus St. Petersburg neue, wichtige Erklärungen erhielt (Juda ibn Baläm, Tanchum Jeruschalmi u. A.) störende Zusätze erfahren mußte. Die bereits gedruckten Texte wurden durchwegs nach den besten Editionen und Handschriften richtig gestellt und mit den Varianten versehen. Wir nennen: Die Uebersetzung der LXX, des Jonathan, loci aus Talmud und Midrasch, aus dem Sohrr, die arab. Uebersetzung, Uebers. und Erklärung des Karäers Jephet b. Ali, Stellen aus midraschähnlichen Büchern 12. Jahrhunderts, die Commentare des Raschi, R. Josef Kara (Hs.), Abr. ibn Esra, R. D. Kimchi, Disputat. des R. Jac. b. Reuben des Rabbaniten, des gleichnamigen Karäers, Erklärung des R. Nathan Official aus Sens, 13. Jahrhundert, des R. Jes. de Trani I, des R. M. b. Nachman, des Karäers Ahar. b. Josef I, aus einer polem. Schrift des Schemtob b. Jsak (1385), des Mose ibn Crispin, des En Sal. Astruc, Js. Elija Kohen (14. Jahrh.), aus dem Nizzachon des R. Lipmann, Erklärung des R. Js. Abarbanel, Dav. de Rocca Martine, Saadja ibn Danän (15. Jahrh.), Sal. b. Melech, Disputat. des Abr. Fariffol aus Ferrara (1503), Erkl. d. Meir Arama, aus dem Chisuk Emuna des Abr. Troki, Commentare des Mos. Alscheikh, Sal. b. Jsak, Abraham Ha-Ger, des Sam. Lanado, die tatarische Version der Karäer, Comment. des Abr. b. Juda Chasan, Naftali Altschuler und deffen Sohnes, des Salom. de Marini (1675), aus Jsak Lopez', aus Jos. Segre's <1786) polem. Werken, Herz Hombergs, R. Jos. Pasiani's und Luzzattos Erklärungen, kurze Citate, auf die noch nachträglich folgen: aus dem anonymen, spagnolisch geschriebenen polemischen Buche Fuente Claro, aus dem Comment. des ibn Baläm (11. Jahrh.), Tanchum Jeruschalmi (13. Jahrh.), des Gersvn b. Natan (1599) und dem Cusari. Romanische Texte in lat. Typen sind folgende abgedruckt: ein Abschnitt aus dem Buche Forlaleza del Judaismoy Confusion del esirano des Abr. ha-Ger (Proselyt) aus Cordova (15. Jahrh.), aus dem Conciliador des Menaffa b. Israel, aus dem apologet. Werke krovenc. divinas contra la vana ldolalria de las Gentes des Orobio de Castro (17. Jahrh.) sammt französischer Uebertragung, endlich aus der Glaubenspforte des Jac. b. Amram, in's Latein, übersetzt <1639). — 24 der veröffentlichten Texte sind Wiederabdrücke, die überwiegende Zahl derselben.

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