Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-04-10 · Heft 15 (10.4.1877) · p. Seite 237

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 15 (10.4.1877)
Date
1877-04-10
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227123-3227139--35272-3305216
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

237 Hauptgegenstand der diesmaligen Versammlung berathen: es fand nämlich die Schlußberathung des Musterstatuts für die israeliti- Cultusgemeinden Mährens statt. Dieses Statut wurde bekanntlich im vorigen Jahre den einzelnen Cultusgemeinden zur Aeußerung übergeben und auf Grund der eingelangten Aeußerungen wurde das Statut einer theilweisen Amendirung unterzogen. Bei der gestrigen Schlußberathung wurde nun das amendirte Statut fast ohne jede Aenderung angenommen. Nur das Tableau des topographischen Umfanges der festzusetzenden Gebiete der israelitischen Cultusgemeinden (der streitigste Punkt der ganzen Angelegenheit) konnte in der großen Versammlung nicht zur Beralhung gelangen und wurde daher hierzu ein 12gliedriges Comite bestimmt (aus jeder Gruppe der Delegirten zwei Mitglieder). Frankreich. Paris, l. April. (Nach dem /Vrr-Ii. isr.) Am 18. Mär; fand die Beerdigung des Herrn Albert Cohn unter der Theilnahme von Tausenden aus allen Ständen und Confessicnen Statt. Der Ministerpräsident Jules Simon wohnte der Ceremonie bei. Der Trauerzug ging zunächst nach der Synagoge in der rue »1c Ia Vicioire, an deren offenem Portale er stehen blieb während aus dem Innern des Tempels Trauerchöre mit Orgelbegleitung ertönten. Am Grabe sprachen die beiden Groß- Rabbiner der Consistorien. Albert Cohn war 1S14 geboren, und erreichte also nicht ganz ein Lebensalter von 63 Jahren. — In diesen Tagen wird das Decret erscheinen. welches den ersten General-Advocaten am CasiationShose Herrn Gustave Bedarridös (Israelit) zum General-Procurator an demselben Tribunal ernennt. — Das Blatt des päpstlichen Nuntius zu Paris, l’Union, hatte einen gehässigen Artikel gegen den Profesior an der juristischen Facultat zu Rennes, Herrn Worms, gebracht. Mehr als 200 Studenten vereinigten sich, dem päpstlichen Blatte gegenüber dem Prof. Worms eine Ovation zu bringen. Bei dem Eintritt in seine Vorlesung brachten ihm die Studenten ein nicht enden wollendes Hoch aus, und ein Student überreichte ihm im Namen der Anderen eine Adresse, auf welche der Profeffor mit bewegten Worten antwortete. Großbritannien. Cambridge, im März. (Pritvatmitth.) Ich muß hier nachholen, was ich Ihnen schon früher hatte berichten müffen. Sie wissen, welche fast undurchdringliche Schranke auf den Universitäten Cambridge und Oxford die herkömmlichen Einrichtungen bilden. Diese ist vor Kurzem hinsichtlich eines Gelehrten jüdischer Religion als wirkliches Mitglied des akademischen Lehrkörpers dennoch überwunden worden. Herr vr. S. M. Schiller- Sziuessy wurde am l. December v. I. feierlich als akademischer Lehrer des talmudischen und rabbinischen Faches mit einer glänzenden lateinischen Rede des Herrn I. E. Sandy's eingeführt, nachdem er bereits 10 Jahre in diesem Fache, von 3 zu 3 Jahren angestellt, unterrichtet hatte. Er ist der erste Israelit, der eine regelmäßige Professur an einer der beiden alten Universiräten Englands, nämlich Cambridge, bekleidet. Rumänien. Bukarest, 24. März. Man telegraphirt von hier: Im Senate erklärte Bratiano in Beantwortung einer Interpellation über die Mittheilungen des englischen Unter-Staatssecretärs Bourke in Betreff der Judenverfolgungen in Rumänien, daß er vorerst den officiellen Text jener Mittheilungen abwarten müsse. Im Uebrigen meint der Minister, daß die Localgerichte allein sich darüber auszusprechen haben, ob die Israeliten, die sich in ihren Interessen geschädigt halten, Anspruch auf eine Entschädigung haben. (Der österreichische Minister-Präsident und das englische Ministerium haben gesprochen — der rumänische Minister hat ihnen geantwortet. Er hat mit dürren Worten gesagt, die Herren an der Donau und Themse hätten ihm gar nichts zu sagen, die Entscheidung läge allein in den Händen der rumänischen Ortsrichter! Man kann sich denken, welche Rehabilitirung und Entschädigung die unglücklichen Juden erhallen, wenn diejenigen, die an ihrer Plünderung Theil genommen, über ihre Ansprüche urtheilen sollen! Nun, der Tag der Vergeltung wird auch hier anbrechen, und ist vielleicht näher, als man in Bukarest glaubt. Redaktion.) Bukarest, 25. März. Ueber die oben erwähnte Verhandlung enthält die N. Fr. Pr. eine ausführlichere Mittheilung, die wir hier folgen lassen: Senator Deschliu interpellirte in der gestrigen Sitzung die Regierung bezüglich der Depesche, wonach Unter-Slaatssecretär Bourke einem Interpellanten im englischen Parlamente die Antwort gab, daß das Cabinet der rumänischen Regierung Vorstellungen über die jüngsten Judenverfolgungen in Vaslui gemacht und Entschädigung für die Vertriebenen verlangt habe. Es sind, sagte Deschliu im Laufe seiner Rede, einige Wochen schon verstrichen, seitdem die Juden von Vaslui sich gegen die Uebergriffe des Präfecten Lupaschcu beim Senat beklagt; wir haben sofort eine parlamentarische Enquöte verlangt, damit Europa nicht glaube, daß bei uns religiöse Verfolgungen Vorkommen; die Angelegenheit ist hierauf einer Commission übergeben worden, welche aber nichts gemacht hat. Dies hatte die Interpellation im englischen Parlament und die Antwort Bourke's zur Folge, worin behauptet wird, daß man unserer Regierung die nölhigen Ermahnungen zugehen ließ und Entschädigung heischte. — Der Minister-Präsirent leugnete in seiner Antwort den officiellen Charakter der Depesche. Oft, sagte er, geschieht dies, daß ein Minister Erklärungen abgibt, um die Opposition zu beschwichtigen; Bourke wird außerdem dlos gesagt haben, daß er alle möglichen 15

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.