Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1877)
- Date
- 1877-04-10
- Page
- Seite 236 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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236 nennen wagt, welches Verhalten sollten wohl Liese öffentlich beschimpften Herren gegen ihren schlechtgezogenen „Seelsorger" ergreifen?" — Der Gemeindevorstanv vagegen geht durchaus besonnen zu Wege, und sucht die Fehler seiner Vorgänger zu verbessern. Er führt jetzt unter Anvrem ren Bau eines Frauenbaves aus, ver allerdings vor Jahrzehnten schon hätte geschehen sollen. Seine doch nur billige Berücksichtigung des orthodoxen Theiles der Gemeinde findet sogar schon Widerspruch bei dem radikalen Theile derselben, und ein Inserat in den jüngsten Tagen warf ihm vor, „der Verdummung zu dienen". So schwierig werden die Verhältnisse, wenn nicht von vornherein der Weg der Gerechtigkeit beschritten und eingehalten worden. Gütersloh (Westphalen), 25. Marz. Der „Westphälische Merkur" schreibt: Es ist eine gerichtliche Untersuchung gegen den hiesigen protestantischen Pastor Greve im Gange. Derselbe hatte auf einer conservativen Wahlversammlung am 21. Januar die Wahl Marcard's unter Anderem damit empfohlen, daß er Lessen Bestrebungen um den Schutz des Bauernstandes gegen das Aussaugesystem des Judenthums lobend hervorhob, Bestrebungen, die Marcarv den Titel „Judenfresser" eingetragen hätten. Wegen der Art und Weise, wie der Herr Pastor in dieser Rebe die Juden behandelt hat, haben diese, wie es scheint, jetzt den Rechtsweg beschritten, wahrend anfänglich verlautete, die Juden hatten von der Anhängung eines Jnjurienproceffes Abstaud genommen, dagegen sich aber ensschlossen, den Vorfall beim Cousistorium anzumelden. (Das Letztere hätte ihnen schwerlich etwas geholfen! Ist es nicht sehr charakteristisch, daß in gegenwärtiger Zeit sowohl die ultramoutanen als die pietistisch-protestantifchen Geistlichen es sich so angelegen sein lassen, die Saat des Haffes auszustreuen, und zwischen Mitbürgern Streit und Verachtung zu wecken, und sich hierzu der rohesten Verleumdungen zu bedienen? Es ist dies kein ehrendes Zeugniß für den sittlichen Geist, der jetzt in den Kirchen herrscht! Redaction.) Leobschütz (Oberschlesien), im Marz. (Privatmittheilung.) Die feierliche Einführung des Predigers und Religionslehrers, Herrn Grunwald (früher in Ortelsburg), fand am Freitag, den 16. d. Mts. Abends nach dem Gottesdienste in der hiesigen Synagoge durch Ansprache des Vorstehers, Rathsherrn Holländer, und die gehaltvolle Rede des Predigers statt. Dem Prediger Grunwald bietet sich hier ein großes Feld für seine Thätigkeit dar. Unsere gegenwärtige Jugend hat bis jetzt wenig oder besser gar keinen Religionsunterricht genossen, weil durch die anhaltende Kränklichkeit des im verflossenen Herbst verstorbenen Religionslehrers Fuchs, der Religionsunterricht brach darniederlag. Der Religionsunterricht wird nun nicht wie bisher in einem von der jüdischen Gemeinde gemietheten Local ertheilt, sondern die jüdischen Schüler der verschiedenen hiesigen Lehranstalten (Gymnasium, Töchterschule und Stadtschule) erhallen den Religionsunterricht innerhalb der Schulzeit in den bezüglichen Anstalten, weil der jüdische Religionsunterricht auch hier vom l. April o. ab obligatorisch wird, und der Religionslehrer vom Staat, von der Stadt und von der jüdischen Gemeinde besoldet wird. Hierauf bezüglich erhielt der Synagogenvorstand vom hiesigen Gymnasialdirector folgendes Schreiben: Leobschütz, den 25. März 1577. Es gereicht mir zu großem Vergnügen, dem Wohllöblichen Vorstande der hiesigen Synagögengemeinde anzeigen zu können, daß der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten durch Rescripl vom 10. März cr. die Einführung des jüdischen Religionsunterrichts an dem hiesigen Gymnasium vom 1. April er. ab angeordnet und die au den Prediger und jüd. Religionslehrer Grunwald zu zahlende Remuneration auf die hies. Gymnasialcasse angewiesen hat. Der Königliche Gymnasialdirector An gez. Rösner. den Wohllöblichen Vorstand der Synagogengemeinde hier. Oelö (Schlesien), im März. «Privatmitth.) Vor einigen Wochen feierte die nsa'np man, welche zu einer Zeit begründet wurde, als die hiesige Gemeinde noch klein war, ihr fünfzigjähriges Jubelfest. Der mit seinem Chorpersonal hierherberufene Obercantor Deutsch aus Breslau leitete den musikalischen Theil des in der von Zuhörern dichtgefüllten Synagoge abgehaltenen Gottesdienstes,' unser Rabbiner vr. Cohn hielt die Predigt über Ruth 2, 20. Abends fanden Festtafel und Ball statt, woran mehr als zweihundert Personen theilnahmen; vorauf ging die Vorstellung lebender Bilder, zu welchen unser Rabbiner den Prolog gedichtet hatte. — In dem heute ausgegebenen Programm zu den Prüfungen im hiesigen Gymnasium finden zum ersten Male die für das zu Ende gehende Schuljahr bei dem jüdischen Religionsunterrichte festgestellt gewesenen Pensa eine entsprechende Stelle. — Die für das diesjährige Examen in der hiesigen israelitischen Religionsschule ausgegebene Einladungsschrift weist eine Frequenz von 65 Zöglingen (36 Schüler, 29 Schülerinnen) nach. Oesterreich - Ungarn. Brünn, 27. März. (Privatmitth.) Wie ich Ihnen bereits berichtet, fand am 25. d. die Generalversammlung der Delegirren des mährisch-jüdischen Landesmaffafondes statt, wobei sämmtliche Gemeinden, mit Ausnahme von vier, vertreten waren. Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde der Obmann des Curatoriums, Herr Julius Gomperz, zu Verificatoren und Scrutatoren die Herren Sigm. Tandler und Albert Blum gewählt. Als Regierungs-Commiffär erschien Herr Statthaltereirath vr. Suchanek. Der Rechenschaftsbericht wurde verlesen, der Voranschlag für 1877 genehmigt und ebenso wurden alle Anträge des Curatoriums gebilligt. Zum Schluffe wurde rer