Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1877)
- Date
- 1877-04-10
- Page
- Seite 235 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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235 Ursprungs sind, doch in ihren Grundgesetzen viele Punkte der! Uebereinstimmung haben. Rabbinowicz ist wesentlich autodidakt, und hat sich, wie die von ihm veröffentlichten Schriften aus sehr I entlegenen Gebieten erweisen, ein bewundernswerth umfaffendes 1 Wissen erworben. Dazu kommt die Originalität, die sich ihm : bei feinen Selbstforfchungen erhielt und welche ihn weniger an , den hergebrachten Weg und die Autorität fesselt. Der Verfasser meint daher auch in dieser polnischen Grammatik ein neues System von sehr fruchtbarer Tragweite aufgestellt zu haben, und führt wenigstens in seinem Vorwort eine lange Reihe neuer Gesichtspunkte auf, welche er für die polnische Grammatik gegeben und verfolgt habe. Wir sind leider der slavischen Sprachen zu unkundig, um beurtheilen zu können, wie weit sich dies wirklich so verhalte, und ob R. in der Thal Neues und Bedeutendes für seinen Gegenstand geleistet habe. Was hierfür spricht, ist, daß, wie wir hören, mehrere polnische Blätter sich überaus anerkennend über dieses Werk ausgesprochen haben. Es ist unser lebhafter Wunsch, daß dem Verfasser endlich sein unermüdliches und aufopferungsvolles Streben und Ringen eine ihn befriedigende Stellung in der Wissenschaft und im Leben verschaffe, und glauben nur die Mahnung hinzufügen zu sollen, daß Herr Rabbinowicz sich doch nicht allzusehr zerstreue, hindern er fast zu gleicher Zeit zu viele verschiedene Ziele anfirebe. Es bleiben dann aüzuviele Studien und Arbeiten in der Mitte des Weges stehen. — rjM *nnbn *,72 «V-L» 833 nsor. Talmud Babylonicum, Tractat Baba Mezia. Mit deutscher Uebersetzung und Erklärung von Dr. A. Sammler, Rabbiner. Lieferung I. Berlin, Verlag von Julius Benzian, 1876. Abgesehen von der Uebersetzung der Mischna, theils vollständig, theils einzelner Tractate in's Lateinische, Deutsche und einige andere moderne Sprachen, hat man in der neueren Zeit auch an die Uebersetzung des ganzen Talmuds, oder wenigstens des babylonischen gedacht, ohne bis jetzt darin weit gekommen zu sein. Bekannt ist die Uebersetzung von Berachoth von Dr. E. M. Pirrner, Berlin, 1842, eine Fortsetzung ist nicht erschienen. Auch Herr M. Schwab in Paris hat einen oder zwei Tractate in's Französische übertragen, die uns augenblicklich nicht vorliegen. In den Jahren 1873 und 1876 gab Dr. I. M. Rabbinowicz unter dem Titel begislaüoo civil« et criminelle du Talmud eine auszügliche Uebersetzung und Commentirung der Tractate Kethuboth, Sanheddrin und Maccoth in französischer Sprache heraus, wir sagen auszüglich, weil er nur diejenigen größeren und kleineren Stellen rer angeführten Tractate übersetzte, die sich in ihnen auf den angegebenen Gegenstand beziehen. Die Fortsetzung dieser Arbeit ist unter der Presse. Jetzt geht von Herrn Rabb. Dr. Sammler in der vorliegenden ersten Lieferung ein neuer Versuch aus. In Großfolio mit sehr schönem Drucke wird nach einer umfänglichen Einleitung der talmudifche Text in der Mitte jeder Seite, zu beiden Seiten desselben die Uebersetzung und die Erklärung in deutscher Sprache gegeben. Diese erste Lieferung bringt 7 Blätter, die zweite und dritte sollen, wie uns mitgetheilt wird, in diesen Tagen erscheinen. Wir gestehen offen, es für unmöglich zu halten, daß ein Mann den ganzen Talmud übersetze und so ausführlich erkläre wie Herr Dr. Sammler es begonnen. Jndeß ist schon die Bearbeitung einiger Theile verdienstvoll und wurde dazu anregen, daß anderweitig andere Tractate in Angriff genommen würden. Vielleicht wäre es von materieller Seite eine Erleichterung gewesen, wenn der Text nicht mit geliefert worden, da dieser denen, welche ihn einfehen wollen, doch leicht zugänglich wäre, während dieser Text die Herstellungskosten bedeutend erhöht. Die Arbeit deS Dr. S., soweit sie bis jetzt vorliegt, ist sehr anerkennenSwerth. Die Uebersetzung ist verständlich und ziemlich ungezwungen, die Erklärung sprachlich und sachlich für das einfache Studium genügend. Die Einleitung behandelt die Entstehung, Zusammensetzung und Ordnung der Mischnah und Gemara in anschaulicher Weise. Wir wünschen daher aufrichtig, daß das Werk recht viele Abnehmer finde, um die Fortsetzung zu sichern. Es käme ganz besonders den wohlhabenden Israeliten : zu, das Werk anzuschaffen, indem sie die Pietät ihrer Väter , nachahmten, auch wenn sie persönlich keinen unmittelbaren Ge- . brauch davon machten. Wenn uns erst ein größerer Theil des : Werkes vorliegt, werden wir noch näher auf dasselbe eingehen. ^etfctuuj 6it<xcßiöclateM,. Deutschland. BvUN, 1. April. (Privatmittheilung.) Die Gemeinde zu Diez hat ihre Zustimmung zu der beabsichtigten Petition bei uns eingesandt. Frankfurt a. M., 27. März. (Privatmitth.) Bon hier ist kein neuer Austritt aus der Gemeinde zu vermelden; im Gegentheil haben mehrere von denen, welche den Compromiß unterzeichnet hatten, freiwillig ihre vollen Beiträge gezahlt, und ein andrer seine Umlage freiwillig erhöht. Dies stachelt die Leidenschaftlichkeit des Herrn Hirsch immer mehr auf, und in seinen! Predigten sucht er besonders die Frauen aufzuhetzen, ein Manöver, vaS auf dem jüdischen Gebiete keine Wirkung übt. Wie weit dies geht, ersah man dieser Tage auS einem Inserate im hiesigen Generalanzeiger, das in großen Lettern gedruckt, und „Preisaufga&e" überschrieben, folgendermaßen lautete: „Wenn der von einer Gesellschaft angefieüte und bezahlte Rabbiner die Majorität dieser Gesellschaft, weil sie ihm nicht wie Schafe folgen will, von rer Kanzel herab „einfältige Genossen" und dergleichen zu