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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-04-03 · Heft 14 (3.4.1877) · p. Seite 222

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 14 (3.4.1877)
Date
1877-04-03
Page
Seite 222 (sequence 12)
Language
German
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222 Präs, (einfallend): Wir sind noch nicht so weit. — Angekl.: Nicht so weit? Werd' ich warten, wenn's Euer Gnoden befehlen. Präs.: Wie lange sind Sie schon in Wien? — Angekl.: Wie lange ich bin in Wien? Werde ich sein in Wien sagen Sie drei Wochen. Just habe ich wollen hamreisen, wie mir geschieht das Malheur von einem Unglück. Präs.: Was haben Sie hier in Wien gemacht? — Angekl.: Was ich Hab hier in Wien gemacht? Was soll ich haben hier gemacht? Werd ich nix haben hier eingekauft Sachen bei den Trödlers? Präs.: Wie wurden Sie mit dem jungen Burschen (auf den Angeklagten zeigend) bekannt? — Angekl.: Ich und bekannt? Hab' ich ihn denn gor gekannt? Präs.: Sind Sie nicht mit ihm im Lazzenhof gewesen und haben dort Gegenstände verkauft? — Angekl.: Ich und verkauft? Nicht schwarz unter'm Nagel. Gestanden bin ich in der Jüvengasse, ist er gekummen aus mich zu und Hot gesogt, ich soll gehen mit ihm verkaufen a Stücke! Silber, weil er hat nix kein Geld. Präs.: Haben Sie ihn gefragt, woher er das Silber hat? — Angekl.: Warum soll ich ihn nix fragen? Hat er mir gesogt von sein Vater, was er hat nix kein Geld, hat er ihm gegeben ein Biffel Silber, er soll 's machen zu Geld. Präs.: Hat er ihnen gesagt, wer sein Vater ist? — Angekl.: Ob er mir gesagt hat? Gewiß hat er mir müssen sagen, sein Vater ist ein Uhrmacher, im Spital und ist krank und hat kein Geld, habe ich doch gemußt haben Mitleid, nicht? Präs.: Sie sind also mit ihm gegangen?— Angekl.: Warum soll ich mit ihm nicht gehen, hob ich denn gewußt, daß es ist gestohlen? Präs.: Haben Sie für Ihre Mühewaltung von ihm etwas bekommen? — Ange kl.: Er hat mir wollen geben 20 kr., Hab' ich's nix angenommen; als er aber mir hat geschenkt ein Stücke! Silber, Hab' ich's angenommen. Warum soll ich's nicht nehmen, wenn er mir 's freiwillig schenken lhut? Präs.: Der Rothenberg sagt. Sie hätten ihm gerathen, er soll stehlen. — Angekl.: Dos hat er gesogt? Wie derf er das sagen? Präs.: Er behauptet. Sie hätten ihn mit dem gestohlenen Gute in die Judengasse bestellt. — Angekl.: Ich ihn bestellt? Bin ich nix immer in der Judengasse? Wo soll ich sein denn sonst? Präs.: Sie haben ihm also Hülfe geleistet beim Verkaufe des gestohlenen Gutes, das geben Sie selbst zu? — Angekl.: Was soll ich ihm haben geleistet? Ich bin mit ihm gegangen herein in das Gewölb', und man hat ihm abgekauft ein silbernes Käutl (Kette); mehr ich weiß nix. Nachmittag wie ich schon will fahren zu Haus» holt man mich, sogt mir, er hat gestohlen, und sperrt mich ein. Was gehr 's mich an? Stehlt er was, sperrt man mich ein. Ich bin ein ehrlicher Mensch. Richter Ober-Landesgerichtsrath Gernerth: Hat Ihnen der Knabe gesagt, daß er die Gegenstände gestohlen hat? — Angekl.: Hab' ich ihn nix vielleicht tausendmal gefragt, unv er hat alleweil gesogt: Vom Tate (Vater) Hab' ich's kriegt. Richter Ober-Landesgerichtsrath Gernerth: Aber den Gegenständen mußten Sie doch ankennen, daß sie aus einem Tempel herrühren? — Angekl.: Warum habe ich gemußt? Richter Ober-Landesgerichtsrath Gernerth: Sie als Jude werden doch viese Gegenstände gekannt haben? — Angekl.: Gekennt Hab' ich's nix, aber gedenkt Hab' ich mir's. Präs.: Der Knabe behauptet, Sie haben ihn zum Stehlen verleitet. — Angekl.: Verzeihen Sie, meine guten Herren, Sie sind gewiß gescheiter wie ich; wenn ich ihn sollt' haben wirklich angestift, wos brauch ich hier zu verkaufen die Sachen, nehm' ich's mit nach Rzeszow, und es kräht kein Hahn d'rum; wie? Präs.: Wie kommt aber der Knabe dazu, eine solche Beschuldigung vorzubringen? — Angekl.: Das frag' ich. auch. Wenn ich hätte wollen sein ein schlechter Mensch, hatte ich ihm Alles abgenonunen. Richter Ober-Landesgerichtsrath Gernerth: Das Stück Silber, welches er Ihnen geschenkt hat, war mehr als 20 kr. werlh. — Angekl.: Hab' ich ihm uix ein Zehnerl bar hinausgezahlt? Wenn ich hätt' gewollt sein ein schlechter Meusch, nehm' ich Alles, wie es geht und steht mit nach Haus, hat Niemand »ix gesehen, nix gesagt, nix gethan. So hat er mich gebeten um einen Gefallen, ich hab's ihm gethan, und für das soll ich sein eingesperrt. Präs.: Warum hat er denn die Sachen nicht allein verkauft? — Angekl.: Wo hat er gewußt, was die Sachen sind werth? Präs.: Wußten Sie, was die Gegenstände werth sind? — Angekl.: Ha! Bin denn ich ein Juwelier, ich handle mit Kleider, nix mit Silber. Präs.: Sie haben sich aber doch, ohne etwas zu verstehen, Provision zahlen lassen.— Angekl.: Was heißen Sie Provision, wenn er mir will schenken 20 kr., ich nehm's not. Er sagt, no do schenk' ich dir ein Stücket Silber, ich nimm's und geb' ihm noch 10 kr. heraus. Richter Ober-Landesgerichtsrath Gernerth: Wenn Ihnen der junge Mensch ganz fremv war, wie kommt es, daß er Sie mit „Du" anredete? —Angekl.: Es ist wahr, wie kommt er dazu, 's ist nicht schön von so einem jungen Menschen. Verzeihen Sie ihm's, er hat halt nix gelernt. Tempelvorsteher Isaak Leon Freistadl bewerthet die Gegenstände auf 6 fl. 20 kr. und meint, der junge Bursche werde sich zum Zwecke des Stehlens haben einsperren lassen. Wilhelm Epstein, Silberhandler, erklärt, eS feien ihm

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