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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-04-03 · Heft 14 (3.4.1877) · p. Seite 217

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 14 (3.4.1877)
Date
1877-04-03
Page
Seite 217 (sequence 7)
Language
German
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217 Bor demselben Senate fand noch eine zweite Verhandlung in derselben Wahlangelegenheit statt, die das gleiche Schicksal hatte. Es wurde nämlich von Ignaz Gemeiner und Genoffen als Beschwerdeführer gegen die auf Reclamation in die Wählerliste erfolgte Eintragung geltend gemacht, daß die Liste mit den nachträglich aufgenommenen Wählern unter neuerlicher Bestimmung der achttägigen Reclamationsfrist wiederholt aufzulegen sei, und daß, nachdem dieser Vorgang nicht eingehalten wurde, die vorcitirte Entscheidung der Bezirkshauptmannschaft in Gaya als gesetzwidrig aufzuheben sei. Auch diese Beschwerde wurde, als gegen den Geist des § 17 der mährischen Gemeindewahlordnung verstoßend, zurückgewiesen. Wien, 20. März. Hofrath Dr. Karl Ritter v. Weil (Schwiegervater des kürzlich verstorbenen Mosenthal) feiert am 29. d. M. sein fünfzigjähriges Doctorjubiläum. Wie wir den uns vorliegenden Daten entnehmen, erwarb der Jubilar am 29. März 1827 an der Universität Freiburg den philosophischen Doctorgrad. Bald darauf wendete er sich der publizistischen Thätigkeit zu, ging nach Ausbruch der Juli-Revolution nach Paris, wo er als Corresponvent der Allgemeinen Augsburger Zeitung thätig war, redigirte 1832 die Württemberg'sche Zeitung, welche 1834 sich in den „Deutschen Courier" umwandelte, später die „Constitutionellen Jahrbücher". Im Jahre 1848 wurde Weil nach Berlin berufen, wo unter seiner Leitung die „Constitutionelle Zeitung in's Leben trat. Als sich später besondere Einflüffe auf die Leitung dieses Blattes geltend machten, verließ Weil die Redaction deffelben und kehrte über Wien nach Stuttgart zurück. In Wien'war er mit dem Fürsten Felix Schwarzenberg in Verbindung getreten, der ihn im Jahre 1851 in den österreichischen Staatsdienst berief, in dem er dann 22 Jahre lang verblieb. Im Jahre 1864 erhielt Weil das Ritterkreuz des Ordens der Erseruen Krone und wurde in den Adelsstand erhoben; im Jahre 1873, bei seiner Versetzung in den Ruhestand, wurde ihm das Comthurkreuz des Franz-Josephs-Ordens mit dem Sterne verliehen. Bei der Feier feines siebzigsten Geburtstages erhielt der Jubilar zahlreiche Beweise allseiliger Theilnahme. Seine Stellung als Beamter des Ministeriums des Aeußern bot ihm vielfach Anlaß, seine schriftstellerische Thätigkeit fortzusetzen, und sind von ihm neben zahlreichen journalistischen Arbeiten in der „Kölnischen Zeitung", der „Times", der „Neuen Freien Preffe" u. s. w. auch viele selbstständige Arbeiten erschienen, welche zumeist Fragen des Völkerrechts behandeln. Zum Leidwesen feiner Verehrer ist der Jubilar nun seit mehr als Jahresfrist an das Krankenbett gefesselt. Wien, 22. März. (Privatmitth.) In Galizien galt bis jetzt bezüglich der jüdischen Gemeindeverhältniffe das Statut Joseph II. Dieser perhorrescirte das jüd. Gemeindewesen überhaupt und specieü in Galizien, da er die Kahale, wie sie in der Amtssprache heißen, gewissermaßen als geheime Gesellschaften betrachtete, welche conspiriren. Selbstverständlich war dieses Statut mit unseren jetzigen Zuständen unverträglich. Wie ich höre, hat das Cultusministerium ein neues Elaborat ausgearbeitet, und da es sich um ein ganzes Kronland handelte, wurde es vom Ge- 'ammtministerium berathen und genehmigt, und steht die Publication deffelben in Aussicht. Es darf angenommen werben, daß es unfern Zeitverhaltniffen entsprechen wird. Der Vorstand der hiesigen Gemeinde soll demnächst 60.000 fl. als Krufschillingsrate für den Begräbnißplatz am Centralfriebhofe erlegen. Doch ist jetzt Ebbe in den Caffen. Da erbot sich Herr Baron Moritz Königswarter, die Summe vorläufig zu erlegen. Frankreich. Paris, 18. Marz. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde und die ganze Judenheil hat einen herben Verlust erlitten. Der allgemein bekannte und verehrte Herr Albert Cohn ist nach langem Leiden am 16. d. verschieden. Diese Trauernachricht wird bis in den fernen Orient hinein eine schmerzliche Theilnahme erwecken. Albert Cohn war zu Preßburg geboren, kam frühzeitig nach Paris, wurde Erzieher im Hause des Barons James Rothschild, und später Almosenier deffelben. Er hat als solcher nicht bloß an der Gründung der Rothschild'schen Stiftungen zu Paris und Jerusalem den thaligsten Antheil gehabt, sondern auch zahllosen Individuen Hülfe geleistet. Lange Zeit Vorsitzender der Consistorial-Commission für Wohlthätigkeit, wurde er auch in das israelitische Consistorium gewählt und zum Ruter der Ehrenlegion ernannt. Wiederholt unternahm er Reisen nach Algerien und Jerusalem, und hielt auf diesen Reisen an den verschiedenen Orten Reden in den Synagogen. Hierzu befähigte ihn sein bedeutendes Sprachtalent, das ihn mehrerer moderner und orientalischer Sprachen mächtig machte. So war er auch dem seligen erblindeten Munk zur Correctur des arabischen Textes des Moreh Nebuchim sehr nützlich. Oft hielt er Vorträge in den Chebrolh zu Paris und war an dem dortigen Rabbinerseminar als (unbesoldeter) Lehrer thätig. Diesem Institute schenkte er auch vor Jahren seine bedeutende Bibliothek. Sein Verlust ist daher für die Israeliten in Paris geradezu unersetzlich. Nicht allein, daß er aus seinem Eifer für das Judenthum heraus auch in den Herzen Vieler die Begeisterung für dasselbe und dessen humanitäre Anstalten weckte, sondern er trat auch überall mit seinen eigenen Mitteln und seiner Person unterstützend, berathend, beaufsichtigend ein. Veröffentlicht hat er, so viel wir wissen, nur eine Reihe Erinnerungsblätrer, an seinen Sohn gerichtet, deren Hauptstellen zur Zeit auch in dieser Zeitung übersetzt mitgetheilt wurden. In hohem Grade beredt, besaß er doch keine Gewandtheit im schriftlichen Ausdruck. Er gehörte auch zum Centralcomitö der Alliance, nahm an der jüngsten Versammlung zu Paris noch Theil, und ergriff mehrere Male das Wort. Einer seiner Söhne, ' Herr Leo Cohn, ist gegenwärtig Chef des Secretariats im Mini-

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