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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-04-03 · Heft 14 (3.4.1877) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 14 (3.4.1877)
Date
1877-04-03
Page
Seite 215 (sequence 5)
Language
German
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215 steht der englische so fern, daß dieser jenen gerade auf dem relij giösen Gebiete nicht versteht (wie wir nächstens ein Beispiel an-! znbringen haben werden). Hierzu endlich der mächtige Einfluß, den der jüdische Stamm auf die europäischen Arier vermittelst des Ehristenthums und der heiligen Schrift übte und dauernd übt, sowie umgekehrt die umgestaltende Wirkung, welche die europäische Cultur auf die Juden gehabt, seitdem diesen die Bahnen des allgemeinen Lebens geöffnet worden, wie wäre er erklärlich, wenn zwischen beiden eine naturgesetzliche, also gar nicht überwindbare Verschiedenheit vorhanden wäre? Es wäre also an der Zeit, diesen „Racenschwindel" von allen Seilen aufzugeben, und eben so wenig den gehässigen Photographien der Semiten gegenüber, welche von Ariern aufgestellt werden, verzerrte Bilder der Arier seitens der Semiten (wie z. B. Chwolson und Grätz gethan) zu entwerfen. Einst warf uns Burnouf in einer Besprechung unserer Vorlesungen „über die Entwickelung der religiösen Idee" in der „Revue des deux mondes“ vor, keine Notiz von dem Unterschiede der Arier und Semiten genommen zu haben: möge es bald ein Borwurf werden, dem veralteten Racenunterfchiede Raum gegeben zu haben, wo schließlich überall doch nur von Verschiedenheiten der Nationalitäten die Rede sein kann, wie sie genetisch, geographisch und historisch sich entwickelt haben. Immer aber weise man eine Methode zurück, durch welche der Menschengeist theoretisch in Bande geschlagen wird, welche ihm glücklicher Weise die Wirklichkeit nicht angelegt hall Rumänien. Wir haben in voriger Nummer die Auslassungen des österreichischen Ministerpräsidenten im Reichsrathe auf die Interpellation wegen der Judenverfolgung in Rumänien mitgetheilt. In ein nicht geringes Erstaunen muß daher eine Mittheilung des Bukarester Correspondenten der „N. fr. Pr." versetzen, welche folgendermaßen lautet: „In einem Telegramme aus Wien lese ich von der Interpellation im Reichsrathe rücksichtlich der Judenverfolgung in Vaslui. Der Ministerpräsident antwortet, daß der in die Angelegenheit verwickelte Präfect und feine Beamten in Anklagezustand versetzt würden. Der Präfect Lupaschcu ist jedoch nicht nur nicht angeklagt, sondern sogar von seinen dortigen Anhängern unter Beihülfe wahrscheinlich auch regierungsfreundlicher Kreise im zweiten Collegium zum Abgeordneten erwählt worden." Der Ministerpräsident Fürst Auersperg hatte die officiösen Wiener Blätter dementirt, welche die Nachrichten über die grausame Austreibung der Juden aus Vaslui für „aus der Luft gegriffen" erklärt hatten. Jetzt wird wieder der Herr Ministerpräsident durch die Nachricht aus Bukarest dementirt, daß der schändliche Urheber jener Verfolgungen nicht in Anklagezustand versetzt, sondern zum Deputirten gewählt worden, und zwar durch den Einfluß der rumänischen Regierung selbst. Als Deputirter kann der abgesetzte Präfect nicht angeklagt werden, ohne eine vorangegangene Ermächtigung der Deputirtenkammer, die schwerlich gefordert, noch schwerlicher ertheilt wird. Die rumänische Regierung ist also auf lange Zeit diesen Theil der ganzen Angelegenheit los. Mit welcher Stirn hätte aber auch ein Johann Bratiano, der gegenwärtige rumänische Ministerpräsident, der! eigentliche Urheber aller rumänischen Judenverfolgungen, einen > Lupaschcu anklagen können! Welchen Eindruck muß es aber in Europa machen, wenn ein Volk ein Subject, das eben seines i Amtes wegen schändlichen Mißbrauchs deffelben entsetzt worden, zu seinem Deputinen wählt! Wie mißachtet endlich erscheint der! Einfluß Oesterreichs, wie compromittirt deffen Autorität! o&etbimcj 6U/(xe&iac&beu/. Deutschland. Leipzig, 22. März. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen die schmerzliche Mittheilung zu machen, daß gestern 4 Uhr Nachmittag Herr Stadtrath Moritz Kohner, Vorsteher der hiesigen Gemeinde und Präsident des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, nach langen Leiden verschieden ist. Der Verstorbene, deffen große Verdienste um die hiesige Gemeinde sowohl, wie um das deutsche Judenthum überhaupt gekannt sein dürsten, war zu Neumark in Mähren geboren und hatte im nächsten Monat das neunundfünfzigste Lebensjahr zurückgelegt. Ausführliches werde ich Ihnen demnächst mittheilen.! "rsV'sVn (Diese Trauerkunde hat auch uns auf das Schmerzlichste bettoffen. Der Eifer und die Thatkraft für das Jubenlhum und deffen Bekenner, sowie für alle gemeinnützige Zwecke, die der Verewigte, mit scharfem Blick, zutteffender Rede und großer Ausdauer gepaart, durch sein ganzes Leben erwies, laffen seinen Verlust tief empfinden. Rcdaction.) Bon», 25. März. (Privatmittheilung.) Ihre Zustimmung zu der Petition über den jüdischen Religionsunterricht in den höheren Lehranstalten sandten ferner bei uns ein: die Gemeinden zu Köln, Elberfeld, Cassel, Meseritz, Euskirchen, Limburg a. d. Lahn. Königsberg, 22. März. Die „Hart. Ztg." zu Königsberg veröffentlicht folgenden Aufruf: „Die Unterzeichneten haben sich am Tage der Beerdigung Johann Jacoby's vereinigt, um deffen Andenken durch eine würdige Gedächtnißfeier zu ehren und seine Züge der Nachwelt in einer Marmvrbüste zu vergegenwärtigen, welche dem hiesigen Stadtmuseum einverleibt werden

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