Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1877)
- Date
- 1877-03-27
- Page
- Seite 204 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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204 der Herr Correspoudent, dessen Religion und Abstammung uns unbekannt ist. Ja, daß der Jude die größte Zahl von Stimmen auf sich vereinte, beweist doch wohl, daß wir es hier mit einem allgemein anerkannten Manne zu thun haben. Wohlan, mögen derartige Herren Correspondenten am goldenen Horn noch recht vieles Herzeleid erfahren! Redact.) Bonn, 18. März. (Notizen.) Aus Pest theilt man uns mit: Herr Adolf Sternthal, Gutsbesitzer in Nagy-Szalonta, hat dem „Ungar, israel. Landes-Slipendienverein" 2000 fl. zu dem Zwecke zugeführt, daß dieselben zum Andenken an seinen früh verstorbenen Sohn Arthur als „Arthur-Sternthal-Stiftung" verwahrt und deren Jahresertragniß, das I vv fl. ausmacht, alljährlich als ein den Namen des Stifters tragendes Stipendium statutenmäßig verliehen werde, hierbei jedoch bei gleicher Qualification die aus Nagy-Szalonta oder dem Biharer Comitat gebürtigen Bewerber bevorzugt werden mögen. — Aus Altona theilt man uns mit: Dem Altonaer Oberrabbiner, Herrn vr. E. Löb, wurde von einer Anzahl Altonaer und Hamburger jungen Leuten zur Feier des Purimfestes und als Dankgabe für das Halten belehrender Vorträge ein besonders prachtvolles Geschenk am Montag Abend überreicht. Dasselbe ist ein Thoraschmuck, bestehend aus einem Thoraschilde, einer Thorakrone, beides getriebene Silberarbeit, und einem Deutstab aus Silber. Das Geschenk war von einer in Prachtlettern ausgeführten Widmung begleitet, welche in einer äußerst geschmackvollen Mappe lag, die das in Silber hergestellte Monogramm des Herrn Dr. Löb schmückte. — In Hamburg besteht unter den zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten der jüdischen Gemeinde auch ein „Israelitischer Verein zur Unterstützung armer Greise". Das Vermögen desselben besteht gegenwärtig aus 50,231 Mark, bei 2904 Mark Saldo für 1877. Im Jahre 1876 wurden 5464 Mark Unterstützungen an arme Greise gezahlt. — In Czarnikau, einer der größten Gemeinden der Provinz Posen, hatten jüngst die sämmtlichen jüdischen Fleischer Stteike angesagt, wenn die Gemeinde nicht den zur allgemeinen Zufriedenheit amtirenden Schächter entferne. Die Gemeindevertretung faßte den einstimmigen Beschluß, ihren gewissenhaften Schächter nicht zu entfernen und einige auswärtige Fleischer zu berufen, um sich hier niederzulassen. Die hiesigen Fleischer gaben auf die charaktervolle Kundgebung hin ihren Widerstand auf. — Aus Pest vom 13. d. wird uns geschrieben: Heute wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, dessen Namen auch in weiteren Kreisen bekannt ist: es ist dies der ftühere Lehrer I. H. Kohn, der Verfasser des Familienbuches der „Bibelschatz". Dasselbe wurde, freilich durch den Verfasser selbst, in vielen Tausend Exemplaren verbreitet, und erwarb sich Kohn mit seinem „Bibelschatze" ein ziemlich bedeutendes Vermögen; man spricht von 30,000 fl. Er starb in einem Alter von 73 Jahren, kinderlos. — Am Freitag Abend ist in Nizza die Baronin Mayer de Rothschild auf ihrer A)acht gestorben, nachdem sie sich seit September vorigen Jahres behufs Herstellung ihrer Gesundheit im Mittelmeere aufgehalten hatte. Die verschiedenen jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten in London verlieren in der Verstorbenen eine ihrer edelmüthigsten Beschützerinnen. Die Baronin war seit drei Jahren Wittwe und hinterläßt eine Tochter, Hannah de Rothschild. Bonn, 18. März. (Literarische Notizen.) Von der in Nr. 26 und 27. v. I. besprochenen Schrift: G. Maspero, Geschichte der orientalischen Völker im Alterthume, ist eine deutsche Uebersetzung von Dr. Richard Pietfchmann mit mehrfachen Verbesserungen und Zusätzen (Leipzig, Evgelmann) erschienen. — Der „Jahres-Bericht über die Religious-Unterrichts-Anstalt der Synagogengemeinde" zu Breslau bringt einen beachtenswerthen Aufsatz des 1)r.Samuelsohn, „Ueber den Namen -na:?", der nicht bloß die Israeliten, sondern auch andere zahlreiche Bölkerstämme bezeichnet haben soll, zu denen die Israeliten als eine besondere Völkerschaft gehört habe. — Der jetzt in Detroit (Nordamerika) bei der Gemeinde Beth-El angestellte Prediger Di\ H. Zirndorf hat (Cincinnati, Bloch, 1877) in englischer Sprache eine bei dem allgemeinen Dankfeste am 30. November gehaltene Predigt „the Thanksgiving of the Patriot“ erscheinen lassen. Ieuil Rede, gehalten am Grabe Joh. Iacoby's (11. März 1877) von vr. Lamberger, Rabbiner u. Prediger der israel. Gemeinde in Königsberg. *) „Es sterben die Könige und lassen die Krone ihren Söhnen; „es sterben die Reichen und lassen den Kindern die Reichthümer; „dieser Weise ist gestorben und hat seinen ganzen Schatz mit sich 1) In einigen öffentlichen Blattern sind betreffs der Beerdignng Jacoby's zweifache Angriffe laut geworden; zuerst gegen den Magistrat, die Stadtverordnetenversammlung und die Universität Königsberg, weil diese Corporationen beschlossen hatten, sich als solche bei der Beerdigung l e t o n. „genommen — und hat uns zurückgelassen." Hochgeehrte Trauerverfammtung! Dieser AuSruf ertönte einst am Grabe eines großen Mannes, der kinderlos und schätzelos aus dem Leben gegangen nicht vertreten zu lassen. Es wohnten derselben jedoch der Oberbürgermeister, mehrere Stadtverordneten und Profefforen bei. Alsdann gegen den Vorstand der Synagogengemeinde, weil er untersagt hatte, daß am Grabe selbst Reden gehalten würden, außer der des Rabbiners. Trotz dieses Verbotes hielten zehn Socialdemokraten und Demokraten Reden, wobei sie Lorbeerkranze aus das Grab niederlegten. Der Inhalt mehrerer dieser Reden, welche selbstverständlich nur Verherrlichungen der Socialdemokratie anssprachen, nnd zum Theil höchst tactlos und widerwärtig waren, rechtfertigte das Verbot des Vorstandes, der ans diese Weise für diese Reden keine Verantwortlichkeit tragt. Den Be-