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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-03-27 · Heft 13 (27.3.1877) · p. Seite 200

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 13 (27.3.1877)
Date
1877-03-27
Page
Seite 200 (sequence 6)
Language
German
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200 einen Delegirten an Ort und Stelle entsendet hatte, um den Sachverhalt in zuverlässiger Weise zu constatiren, die sürstlich rumänische Regierung bereitwillig darauf ein, eine neue umfassende Enquete zu veranlassen, welch' letztere noch im Zuge ist. Uebrigens sind sowohl der Präfect, welcher es gerathen fand, freiwillig zu Lemissioniren, als seine Uuterbeamten, welche sich Ueberschreitungen zu Schulden kommen ließen, inzwischen bereits durch andere Beamte ersetzt worden. Unter den von den erwähnten Ausweisungsmaßregeln Betroffenen befinden sich allerdings auch einige österr. - ungar. Familien, deren Zahl bisher noch nicht endgiltig constatirt ist, was in Folge der bezüglichen Erhebungen geschehen wird, welche das k. und k. Ministerium des Aeußern sofort eingeleitet hat, nachdem Reclamationen mit den erforderlichen Ausweisen über die von denselben erlittenen Schäden dem k. u. k. Ministerium des Aeußern noch nicht zugekommen sind. Das k. u. k. Ministerium des Aeußern wird sicherlich nicht unterlassen, die berechtigten Ansprüche ver österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen gebührend zu vertreten und unsere Vertragsrechte für jetzt und für die Folge wie bisher mit aller Entschiedenheit zu wahren. Das Haus geht zur Tagesordnung über. 2&>etfcuacj 6iKxc&txc&tcw/. Deutschland. Bonn, 18. März. (Privatmittheil.) Auch die Gemeinde zu Görlitz hat ihre Vollmacht zu der Petition (Nr. 5—12) bei uns eingesandt. Schippenbeil (Ostpreußen), im März. (Privatmittheil.) Der soeben erschienene siebente Rechenschaftsbericht des „Israelitischen Provinzial-Waisen-Jnstituts für Knaben und Mädchen" giebt uns kein erfteulicheS Bild von dem Standpunkte, den diese Anstalt gegenwärtig einnimmt. Denn während dieselbe Anfangs 1876 18 Zöglinge hatte, verließen 1 l im Laufe des Jahres die Anstalt, und aus Mangel an hinreichenden Mitteln konnte die Zahl 7 der zurückgebliebenen Zöglinge nicht wieder überschritten werden. Bekanntlich hat die Anstalt mit obrigkeitlicher Erlaubniß eine Lotterie zu ihrem Besten abgehalten. Sie hat nicht den gewünschten Erfolg gehabt und wird das endgültige Ergebniß erst im Monat April constatirt werden. Die Einnahmen beliefen sich auf 6960 Mark, die Ausgaben auf 5582 Mark. Das Vermögen auf 38,827 Mark, wovon 18,060 Mark angezahlte Gelder auf das Jnfiitutsgebäude und 3000 Mark ein Geschenk des Sanilätsraths Dr. Bamberger sind. Um diese Waisenanstalt, die doch einmal besteht und segensreich zu wirken vermöchte, diesem Ziele näher zu führen, müßte die Provinz in Gemeinden und Privaten sich bei Weitem opferfähiger erweisen, andererseits allerdings müßte die Anstalt so eingerichtet werden, daß ein geringeres Ausgabeverhaltniß eintrete, da jetzt offenbar bei der geringen Zahl von Zöglingen die Summe der Ausgaben sehr hoch ist; man vergleiche den Bericht aus Pest in voriger Nummer. Königsberg i. Pr., ll. März. Das Begräbniß von Johann Jacoby hat heute unter der allgemeinsten Betheiligung der Bevölkerung stattgefunden. Um die Mittagszeit hatte sich vor dem Trauerhause in der Gartenstraße eine dicht gedrängte Menschenmenge versammelt, die sich weithin über den Platz an der Universität erstreckte. Gegen 1 Uhr wurde der über und über mit Kränzen behangene Sarg auf den Leichenwagen gebracht, und nun entfaltete sich ein endloser Zug von Leidtragenden, wie ihn Königsberg wohl nur selten gesehen hat. Hinter der Leiche, die von sechs schwarzgekleideten Trägern begleitet wurde, schritten zunächst zwei Verwandte des Verstorbenen, dann die von auswärts gekommenen Deputationen, worauf die Theilnehmer aus allen Ständen und Berufsclassen, Bürger und Beamten, Professoren und Studenten folgten. In den Straßen, durch welche der Zug sich nach dem Königschore zu bewegte, waren die Fenster ver Häuser mit Menschen besetzt und auf den Seitenwegen die Zuschauer so zahlreich, daß es oft der Mahnung zum Ausweichen bedurfte, um dem Zuge Raum zu verschaffen. Es war fteilich Sonntag, aber die Witterung war keineswegs so freundlich, daß sie zum langen Stehen auf der Straße einlud; es schneite unaufhörlich, unv ein ziemlich schneidender Wind trieb sein Spiel mit den fallenden Flocken. Auf dem jüdischen Friedhöfe angekommen, mußte der Zug eine Zeit lang Halt machen, da sich jetzt erst die Zugänge öffneten und die begleitende Menge sich ungestüm hindurchpreßte, um einen Platz vor der Leichenhalle zu gewinnen, wo die Einsegnung der Leiche vorgenommen werden sollte. Nach einer Recitation des Vorsängers in hebr. Sprache nahm der Rabbiner, Herr Bamberger, das Wort zur Trauerrede. Er schilderte in einem sehr ansprechenden, würdevollen Vortrage den Verlust, den die Stadt, der Staat und die ganze gesittete Welt durch den Tod Johann Jacoby's erlitten; er bezeichnete mit treffenden Zügen den Charakter res Dahingeschievenen, seine unbeugsame Festigkeit, seine Selbstlosigkeit, seine unvergleichliche Selbstbherrschung. Nach der Rede folgte die Ceremonie der Leichenweihe, und als die Deputation der deutschen Fortschrittspartei, bestehend aus den Herren Abgeordneten Dickert, Bürgers und Derichlet, ihren Kranz mit der Aufschrift: „Deni Kämpfer für Freiheit und Recht die deutsche Fortschrittspartei", niedergelegt hatte, wurde der Sarg dem Grabe zugetragen und eindesenkt. An dem Grabe erfolgten die letzten Gebetssprüche, wie es der jüdische Ritus vorschreibt, und dann nahmen einige Redner von social - demokratischen Deputationen, zuletzt Herr

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