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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-03-27 · Heft 13 (27.3.1877) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 13 (27.3.1877)
Date
1877-03-27
Page
Seite 196 (sequence 2)
Language
German
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196 die Juden Jerusalems die nachtheiligsten Urtheile verbreitet; sieltigen Brüder, und er hat nun nicht blos seine Ansicht, sondern werden besonders des Müssiggangs und der Arbeitsscheu, der auch die Gründe für diese mit Gewissenhaftigkeit und sittlicher Bettelhafligkeit und des Zelotismus beschuldigt. Die Quellen Strenge auszusprechen. Er lhut dies, und wir haben auf sein dieser Urtheile sind oft verdächtig, doch scheinen sie durch die that- Urtheil um so mehr zu geben, da er bei tiefem Gefühle doch sächlichen Berhältniffe bestätigt zu werden. Es muß uns daher jene klare Verständigkeit besitzt, welche dem Arzte unentbehrlich viel daran gelegen sein, einmal ein vorurtheilsloses und gründist. Nicht Phantasie, nicht Geistesschwung, nicht Sucht nach liches Urtheil, sowie eine sorgfältige Beschreibung der dortigen glänzender Darstellung sind ihm eigen, wohl aber die einsichts- Berhältnisie nach allen Richtungen hin zu erhallen. Sonderbarer vollste Beobachtung, die leidenschaftslose Beschauung und die be- Weise aber ist von jüdischer Seite sehr wenig, man kann sagen, sonnene Erwägung der Umstände und ihrer Resultate. So ist fast gar nichts geschehen, während die christliche Literatur über auch seine Darstellung und Auseinandersetzung beschaffen, einfach das h. Land ganze Bibliotheken füllt. Millionen Thaler wan- und klar, aber auch gründlich und gemüthlich. Er schwärmt derten aus den Taschen der europäischen Juden im Laufe der nicht, aber er fühlt mit warmen Herzen den Pulsschlag des Zeit nach Jerusalem, und nur wenige und gefärbte Nachrichten Kranken und Leidenden, die Kraft, die dieser besitzt, und die kamen von dort zu uns. Da ist das hebräisch geschriebene und »Schwächen und Nöthen, an denen er leidet. Geben wir zuvörmehrfach in's Deutsche, auch Englische übersetzte Werk des sel. derst eine Uebersicht dessen, was in diesem 512 Seiten starken Josep Schwarz z'nxn und r^rrL'!.-'und die bekannte! Buche enthalten ist. Reisebeschreibung res Herrn Ludw. Aug. Frankl; dies ist! Der Verfasser behandelt zuerst die physische und historische außer kleineren Aufsätzen und Berichten das, was in neuerer I Geographie der Umgegend von Jerusalem. Wir durchwandern Zeit aus jüdischer Feder geflossen. Schwarz giebt aber nur mit ihin die Centralberge von . Judäa, die nördlichen Gegenden Ausschluß über die geographische und physische Beschaffenheit des bis Zaphel, das südliche Bergland bis Hebron, das Küstenland Landes mit Rücksicht auf Bibel und Talmud, und Frankl's Mitam Mittelmeere, das Jordangebiet bis zum todten Meere, wo theilungen, so anziehend in der Schilderung, geben schließlich doch! er mit den Niveau-Messungen endet. Es folgt die Klimatologie nur Beobachtungen eines Touristen. Die gelehrten Untersuchungen (Licht und Wärme, Luftdruck, Feuchtigkeit, Winde, Electricität von Munk, Deremburg u. Neubauer gehören nicht hierher.Iund Magnetismus), woran sich die Flora, die Fauna und die Um so willkommener ist uns die eben erschienene Schrift, auf! allgemeine Geschichte der Stadt anschließen. Im sechsten Abwelche wir die Aufmerksamkeit unsrer Leser lenken wollten: Die schnitte nun giebt er uns auf 108 Seilen eine anziehende und heilige Stadt und deren Bewohner in ihren natur-Iausführliche Topographie, besonders auch von der Tempelstätte, historischen, culturgeschichtlichen, socialen und me-!den Thalern und Hügeln in der Umgebung, dem Gewässer, den cicinischen Verhältnissen geschildert von vr. Bern- Begräbnißplätzen und Gräbern, den altjüdischen Gräbern und hard Neumann, ehemaligem Chefarzte des Kranken- Grabmälern. Bon hier ab geht er auf die Bevölkerung ein. Hauses „Mayer Rothschild" zu Jerusalem. Hamburg. Die allgemeine Statistik unterrichtet uns über die Volkszahl und Im Selbstverläge des Verfassers 1877. Herr Dr. Neumann Nationalitäten, die Stadtviertel und den Grundbesitz, Handel und war 15 Jahre Gemeindearzt und ärztlicher Dirigent des Roth-1 Gewerbe, Regierung, Gerichte, Steuern und Consulate. Der schild'schen Krankenhauses zu Jerusalem, bis ihn eigene Kränk-1 Verfasser behandelt dann zuerst die Moslemin nach ihren verlichkeit zwang, den Schauplatz seiner segensreichen Wirksamkeit l schiedenen Bestandtheilen, sowie deren Moscheen, Schulen, Hospice zu verlassen und nach Europa zurückzukehren, wo er sich in Ham-1 unv Hospitäler; alsdann die Christen, besonders auch die englische bürg (Holstenstraße 3) niedergelassen hat. Zeit und Gelegenheit! Mission, und hierauf die Israeliten. In diesem Abschnitt giebt fehlten ihm daher nicht, gründliche Beobachtungen in allen Kreisen! er uns ihre Geschichte, bespricht dann die einzelnen Gemeinden, rer jüdischen wie nichtjüdischen Bevölkerung zu machen, die ge-1 die politischen und socialen Verhältnisse derselben, das religiöse naue Kenntniß aller Verhältnisse sich zu verschaffen und über Leben, die Synagogen und Schulen, die Rothschilv'schen und die Land und Leute sich sorgfältig zu unterrichten. Da er jetzt Montefiore'schen Wohlthätigkeitseinrichtungen, die Armenwohnungen wieder von Jerusalem fern und auf den europäischen Standpunkt und Pilgerhäuser, die Spenden für die Armen des heil. Landes zurückgekehrt ist, so kann ihm auch die Objectivität nicht mangeln, und schließt mit allgemeinen Betrachtungen. In dem interessanten die nothwenvig ist, um inmitten entgegengesetzter Strömungen ein 11. Abschnitte beschreibt er uns noch die Lebensweise und Sitten unparteiisches und richtiges Urtheil zu fällen. Auf der einen der Orientalen überhaupt, woran sich das Schlußcapitel über die „ Seite steht ihm der Mißbrauch, der mit der Wohlthätigkeit und medicinischen Berhältniffe in Jerusalem, die verschiedenen Krank- Pietät der außerpalästinensischen Glaubensgenossen getrieben werden kann, und auf der anderen Seite die unsägliche Bedürftigkeit und gewissermaßen der Rechtsanspruch der palästinensischen Juden auf diese Mildthätigkeit unv den frommen Sinn ihrer auSwärheiten und die Acclimatifalion der Fremden reiht. Dies ist der reiche Inhalt des vorliegenden Werkes, und wir gehen nun in einige Einzelnheiten ein, die uns vom Standpunkte dieser Zeitung besonders interessiren.

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