Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1877)
- Date
- 1877-03-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Jntereffe. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Lndroig Philippsou m Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung iu Leipzig. Beilagen werden mit 1 Marl 50 Pf. pro Hundert berechnet. On redactiouelleu Auaelegeuheite» wende man sich an I>r. £. Philippso» in Bon»; liinfichürch deS Bezug« und der Jnieralean Sanmgärtner'i Lachl»a«dln»g iuLcivzig. Inserntr. welch,: bi« Donntr*- Ug cingeben. finden in der carnnsfolgeu» deu Nummer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal i» 2 di» 2'/, Bogen. Preis Bierteliähria 3 Mart. Inserate werde» mit *2« Pf. für die Petitzeile oder deren Rau« berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung«-Expeditione» nehmen Bestellungen an. 41. Jahrgang. Leipzig, den 27. Marz 1877. J\? 13. Inhalt. Leitende Artikel: Aus Jerusalem. I. — Der Racenschwindel. I. — Das scheinheilige Serbien. — Die rumänischen Verfolgungen im österreichischen Reichsrathe. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn. Schippcnveil (Ostpreußen). Königsberg i. Pr.— Oesterreich-Ungarn: Brünn. Teplitz. Prag, Agram. — Frankreich: Paris.— Schweiz: St. Gallen. — Türkei: Konstantinopel.— Bonn (Notizen). — Feuilleton: Rede gehalten am Grabe Johann Jacoby's (11. Mär; 1877) von Dr. Bamberger. —Vermischtes. £elteuD& ÖCthJUf. Bonn, den 21. März. Aus Jerusalem. I. Es ist unsre Absicht, das Buch, über welches wir sprechen wollen, unsren Lesern aufs Dringendste zu empfehlen. Wir brauchen nicht erst auseinanderzusetzen, welch' hohes Interesse Jerusalem zu aller Zeit für das Herz jedes aufrichtigen Juden besitzt, welchen tiefe» Anklang in unsrer Seele stets die Statten des h. Landes erwecken. Wir wiederholen noch heule, so oft die Rollen der Thora aus ihrem Schrein gehoben werden, das alte, uns von den Propheten Jesajas (2, 3) und Michah (4, 2) überlieferte Prophelenwort: a^bo-ra 'rr -an nnr fitatn irrca -s. „Denn von Zion geht die Lehre aus, und des Ewigen Wort von Jerusalem!" Wenn auch in einem großen Theile unsrer Glaubensgenossen die naiv-religiöse Pietät schwächer geworden, so erstarkte doch gerade in diesem das geschichtliche Bewußtsein, und die Geschichte lehrt, daß von Jerusalem die Lehre ausging, nicht blos mit den über die Oberfläche der Erde wandernden Juden, sondern auch in den Töchterreligionen für das Abendland und Morgenland, wenn auch in diesen beiden nach den Geistesrichtungen und Bedürfnissen der Völker vielfach anders gestaltet. Vermochte daher doch selbst der Islam, obschon seine Geburtsstätte in Arabien, nicht, sich von Jerusalem loszusagen, sondern fühlte sich gedrungen, eine ihm heilige Weihe über diese Stadt und ihre Trümmer auszugießen. Es ist ein Jrrthum, wenn man glaubt, daß die Geschichte der Inden in Jerusalem mit der Zerstörung des Tempels durch die Legionen des Titus zu Ende gegangen. Sie hob vielmehr mit diesem folgenreichen Ereigniß erst recht von Neuem an. Unsre Väter kämpften um diese ihre ehemalige Hauptstadt unaufhörlich, eroberten und verloren sie immer wiederholt, bis sie dieselbe, wie es scheint, jetzt dauernd eingenommen. Freilich war es kein Kampf mit den Waffen, wenn auch nicht selten bei dem Verluste Blut, viel Blut floß. Es galt nur für eine Anzahl Nachkommen der alten Herren des Landes das Recht des Aufenthaltes zu erlangen, die Erlaubnis, hier ein meist ärmliches Dasein zu fristen, hier beten, das Gesetz studiren und sterben zu dürfen — sterben, denn in dieser Erde zu ruhen, war die Sehnsucht vieler jüdischer Seelen. Das Recht überwindet die Macht, und so überwand das Recht der Juden immer wieder die Macht der Römer, der Kreuzfahrer und der Seldschucken und kamen sie wieder, so oft sie auch verttieben worden. Es ist dies ein reiches Blatt unsrer Geschichte. Die jüdische Bevölkerung Jerusalems und der anderen Städte des h. Landes hat noch dies eigenthümliche Jntereffe, im Unterschiede von allen übrigen Wohnplätzen der Juden im Oriente, baß sie außer den eingeborenen Mitgliedern unsres Stammes aus stets zuwandernden europäischen, jetzt auch amerikanischen Juden besteht. Die Beziehungen zu den Heimathsländern sind daher un-, mittelbare. So kommt es, daß die Kenntniß jener Geschichte und der gegenwärtigen Beschaffenheit Jerusalems und des heil. Landes, besonders auch der Lage der dortigen Glaubensgenossen für uns Alle von Beveutung ist. Seit langer Zeit werden über