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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-03-20 · Heft 12 (20.3.1877) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 12 (20.3.1877)
Date
1877-03-20
Page
Seite 186 (sequence 8)
Language
German
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186 ausgegeben. Seine Ausgaben betrugen 3586 fl., unter welchen 2350 fl. für Gehalte und Honorare, 558 fl. Miethe und 263 fl. für Abhaltung von 77 Jahrzeiten die Hauptposten ausmachen. Das Vereinsvermögen ist auf 34,350 fl. gestiegen. Vorlesungen wurden von fünf Herren während 15 Stunden wöchentlich gehalten. Dem Ausweise ist eine Abhandlung des Herrn M. Friedmann: „Die Hebräer ursprünglich ein ackerbautreibender Stamm" hinzugefügt, in welcher in kritischer Weise aus den Erzählungen über die Patriarchen, der Vorzeit vor ihnen und dem mosaischen Gesetze nachgewiesen wird, daß der Hebräerstamm ursprünglich durchaus ein ackerbautreibender, kein nomadisirender Stamm gewesen. BrÜUN, 8. März. (Privatmitth.) Die Generalversammlung der Delegirten zur Verwaltung des mährisch-jüdischen Landesmaffrfonds wird den 26. v. M. stattfinden. Auf der Tagesordnung steht diesmal auch dieSchlußberathung des Muster- Statutes für die mährisch-jüdischen Gemeinden. Die auf Grund der Begutachtungen der Gemeinden vom Curatorium daran vorgenommenen Abänderungen hat die k. k. Statthalterei bereits genehmigt. Die Wünsche des Herrn Landesrabbiners werden gleichfalls die ihnen zukommende Beachtung finden. Nur das Tableau der topographischen Abgrenzung der Gemeindegebiete bildet noch immer die Klippe, die nicht zu umschiffen ist. Die Gemeinden nämlich, die in ihren Ansprüchen auf die ihnen zuzutheilenden Gebiete miteinander collidiren — und dies ist, da dieselben meist gruppenweise recht dicht aneinander gelegen sind, bei vielen der Fall — wollen durchaus von ihren Forderungen nicht abstehen, sich und der allgemeinen Sache keine Concessionen machen und stören dadurch das Zustandekommen der ganzen Organisation. Dieselbe besteht nämlich in dem Principe 'der territorialen Zwangsangehörigkeit in Cultusdingen und hat die topographische Eintheilung des ganzen Landes nach Gemeindegebieten zur natürlichen Voraussetzung. So sehr die Regierung aus Gründen politischer Natur an der Ordnung dieser Angelegenheit ein Jnterefie hat — Sicherheit der parochialen Zuständigkeit in allen Standessachen, Ehe-Aufgeboten und Schließungen, — so soll den Gemeinden selber aus dieser Institution ein großer Nutzen erwachsen, indem die Beitragspflicht der auswärtigen Mitglieder nunmehr genau im Gesetze begründet und über die Zuständigkeit derselben kein Zweifel mehr möglich sein wird. Auch von den sonstigen Bestimmungen des Statuts erwartet man, falls dieselben strenge durchgeführt werden, eine Besserung unserer arg verfahrenen Gemeindezustände, vor allem in Bezug auf die Trennung der Cultusvon den politischen Gemeinden in Bezug auf die Budgetirung und Caffenverwaltung (bekanntlich sind die Mehrzahl der jüdischen Gemeinden Mährens zugleich auch autonome politische Gemeinden), dann in Bezug auf Ordnung in der Verwaltung, Rechnungsführung überhaupt u. s. w. Leider ziehen sich die berufenen Personen von den Vorstands- und Ehrenämtern in den Gemeinden zurück und überlassen das Terrain Leuten, die am wenigsten für solche Vertrauensposten qualificirt sind, Zank und Hader stiften und diesen auch in die Oeffentlichkeit! Presse, Gerichte) verpflanze». Alle Hoffnungen sind daher auf die endliche Regelung der Gemeindeverhältnisse durch ein gleichmäßiges, streng gehandhabtes Gemeindestatut gerichtet. Hoffen wir, daß dasselbe nicht allein zu Stande kommt, sondern auch eine segensreiche Anwendung finden möge. — Türkei. Koustantiuopel, 3. Marz. Unter den in Konfiantinopel gewählten 5 nichtmuselmännischen Deputirten befinden sich 3 Armenier, 1 Israelit und 1 Grieche. Zu unserer Kunde ist also bisher die Wahl zweier Juden in die Deputirtenkammer gelangt. Konstautiuopel, 3. März. Merkwürdiger Weise hat unter den 10 gewählten Deputirten der Israelit Abraham Agiman Effendi die meisten Stimmen, nämlich 31 von den 40 Wahlmännern, erhalten, während die anderen 9 resp. 28 bis 21 Stimmen hatten. Der genannte Israelit war auch zum Wahlmanne gewählt worden. Rumänien. Bukarest, 20. Februar. Die „Pol. Corr." enthält einen Artikel zur Charakterisirung der hiesigen Zustände, der in seinem ersten Theile eine Scene im Senate erzählt, wo der Minister, als er aufgefordert worden, einen Zeitungsredacteur gerichtlich zu verfolgen, dies mit der Bemerkung zurückwies: „die Zeitungen werden doch nur von einigen Menschen, nicht aber vom Volke gelesen, weil — dies gar nicht lesen kann!" Ferner heißt es: „Auch die wiederholt aufgetauchten Gerüchte über eine drohende Judenverfolgung stehen in innigem Konnex mit unseren leidigen Parteiverhältniffen. Anfangs dieses Monats glaubte die hiesige Judengemeinde Grund zur Besorgniß zu haben, daß ein Angriff auf ihre Synagoge geplant werde. Die Demonstration sollte aber nicht eigentlich gegen die Juden gerichtet sein, sonvern einen politischen Charakter haben. Man beabsichtigte nämlich, durch einen Angriff auf die Synagoge eine allgemeine Straßen - Revolution zu provociren, um die Regierung zu stürzen. Der hiesigen Präfectur sollen gleichfalls Andeutungen zugekommen fein, daß die Conservativen eine Straßenscene vorbereiten, um den Fürsten einzuschüchtern und zum Cabinetswechsel zu bewegen. In der That wurde die ganze Gensdarmerie in den Kasernen consignirt und wurden die Polizeiposten im jüdischen Stabwiertel verstärkt. Die Ruhe wurde aber nicht gestört. Nur einige Passanten warfen während des Gottesdienstes Steine in die Synagoge, sonst fiel gar nichts vor.

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