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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-09-06 · Heft 107 (6.9.1838) · p. Seite 433

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 107 (6.9.1838)
Date
1838-09-06
Page
Seite 433 (sequence 3)
Language
German
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433 und erhoben die Fahne eines allgemeinen Aufruhrs. Boten wurden überall hingcsandt, und noch vor der ersten Kunde gelangte Achilles, der Mörder des großen Pompejus und Oberbefehlshaber der Königlichen Heere, mit der gesammten Streitmacht nach Alexandria. Die beiden Gesandten, welche Ptolemäus auf Casars Verlangen zu dem drohenden Feldherrn sandte, wurden von diesem «iedergehaucn, ehe sie «och ihren Auftrag aussprechen konnten, und die Thore der Stadt besetzt. Ja, der kühne Achilles ging so weit, daß er unverzüglich mit dem Korne seiner Truppen, welche den Römern nicht an Kriegszucht und Uebung nachstanden, Cäsars Wohnung angriff, und nichts Geringeres im Schilde führte, als den gefürchteten Römer unter sein Richterbeil zu stellen. Allein diesmal scheiterte Alles an der eisernen Tapferkeit einiger römischen Cohocten, welche die angrenzenden Straßen mit Löwenmuth vertheidigten. Nach einem mörderischen Kampfe, zogen sich beide Partheien zurück, und verschanzten sich in den Theilen der Stadt, welche sie eben inne hatten. Die Römer tief gekrankt, daß sie nur abzuwehren, nicht zu strafen vermochten. Aber sie sollten bald noch Härteres zu dulden haben. Ueberall setzten sich die Feinde in den steinernen, festungsahnlichen Häusern fest, und wo die Römer auch wagten, vorzudringen, wurden sie von unüberwindlichem Widerstande aufgchalten. Voll Erbitterung verlangten sie, in freiem Felde dem Feinde die offene Stirn zu bieten, allein Casar, wie sehr er auch seinem Glücke und seiner Geisteskraft vertraute, sah in solchem Beginnen doch nur eine Tollkühnheit, die mit Tod oder schmachvoller Flucht enden müßte. Denn die Ueberzahl der Feinde war kaum zu berechnen, und auf römischer Seite nurgeringer Vorzug an Waffen und Uebung. Darum mußte denn der eingespercte Löwe seinen Grimm zähmen, und Boten nach Hülfe in die asiatischen Provinzen senden. Fliehen mochte und konnte der hochherzige Sieger nicht, und seiner eigenen Kraft durfte er nicht mehr allein vertraue». Aber auch die Aussicht auf Hülfe war nicht sehr groß, denn auf die nächsten Provinzen rechnete man wenig, weil sie nicht sehr geachtet, auf die entfernten nicht, weil sie eben zu entlegen waren. Doch, wie dieser alcxandrinische Krieg überhaupt, so sollte besonders die Hülfe, welche dem Römer gebracht wurde so recht eigentlich das Schwankende aller menschlichen Verhältnisse darthun. Sie kam vornehmlich aus Judäa, von einem Volke, dessen Dasein von den Römern kaum anerkannt wurde, und dessen Ruhm nicht weit über die eigenen Grenzen hinausging, weil es, von Eroberungssucht nie besteckt, nur Dertheidigung nicht Angriff kannte. Mithridates von Pergamus hatte auf Cäsars Geheiß ein Heer in Syrien gesammelt, allein die Eile verhinderte an der erforderlichen Rüstung. Die zusammengezogene Mannschaft konnte dem eingeengten Feldhercn nur geringe Erleichterung verschaffen. Voller Besorgniß forderte Mithridatcs auch die Juden zu einer Sendung von Hülfstruppen auf. Er wollte unter solchen Umstanden auch eine geringe Hülfe nicht verschmähen. Freilich hatten die Römer wenig gethan, um sich der Juden Freundschaft zu erwerben, allein an eine Weigerung war nicht zu denken, da die Furcht vor der Römer Rache keine Widersetzlichkeit aufkommen ließ. Daß aber von Seiten der Juden eine bedeutendere Hilfe, als man erwartete, kommen würde, hatte Mithridates am wenigsten gedacht. Und dennoch war es so. Judäa besaß damals einen schwachen weibischen König, Hyrcan, aber einen tapfern und klugen Beherrscher, den Freund des Königs, Antipater. Dieser hatte von seinem Vater eine Hcldenseele und das Andenken an ruhmvolle Thaten geerbt, und strebte mit aller Kraft dahin, dies Erbtheil nicht ungenützt zu lassen. Ihm dankte der König seine Krone und die Erhaltung seines Ansehns, und in seine Hand war darum auch Alles gegeben, worüber Hyrcan gebieten durste. Er hatte mit Kraft die Gefahren eines innem Krieges, mit Klugheit der Römer Anmaßung überwunden, und scheute keine Anstrengung und Mühe, um höher und höher emporzuklimmen. Erwünscht kam ihm daher Mithridates Aufforderung, um so mehr, da ihn als einen ehemaligen Anhänger des Pompejus aller Wahrscheinlichkeit nach früher oder später Cäsars Rache traf. In diesem Feldzuge aber konnte er nicht allein seine kriegerischen Anlagen in einem Hellern Lichte zeigen, sondern die Freundschaft des neuen Gewalthabers erringen. Darum brachte er auch nicht allein ein Heer von 3000 Mann auserlesener Truppen zusammen, sondern beredete selbst seinen Verwandten, den König von Arabien, ihm Zuzug zu senden, und brachte auf diese Weise dem syrischen Heere eine Verstärkung zu, welche den Feldhercn mit der lebhaftesten Freude erfüllte. Das ganze Heer setzte sich in Bewegung, und erreichte in unglaublich schneller Zeit Pelusium. Da keine Schiffe zur Seefahrt vorhanden gewesen waren, hatte Mithridates die Landreise als den kürzer« Weg vorgezogen, und hoffte Pclusium zu überfallen, und wegzunehmen, ehe die Aegypter noch Kunde davon erhielten. Allein diese Hoffnung war durch Achilles Umsicht vereitelt, da es ihm nicht entging, daß Pelusium-der Schlüssel Aegyptens sei. Er hatte darum stets eine starke Besatzung darin unterhalten, und bei den jetzigen unruhigen Zeiten

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