Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 107 (6.9.1838)
- Date
- 1838-09-06
- Page
- Seite 432 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Verführung" ihn geradezu als einen Volksverführer bezeichnet hat, da hörte man nichts von einer Klage, ja er setzte dem letztgenannten Angriff ein beharrliches Schweigen entgegen. Aber ein Jude wagt es, sich seiner Haut zu wehren, er soll es büßen muffen! — —. Ich hatte am 11. d. M. Gelegenheit in dem Würtembergischen Dorfe Aufhausen dem Gottesdienste nach der neu eingeführten Ordnung beizuwohnen und wurde durch die dabei herrschende ehrfurchtsvolle Stille, namentlich aber durch den herrlichen mit größter Präcision und Reinheit ausgesührten vierstimmigen Gesang wahrhaft erbaut und tief ergriffen. Ich hatte bis jetzt die Anordnung durchgängig vierstimmiger Gesänge als einen Mißgriff angesehen, der an der Ausführung scheitern müsse, aber hier habe ich die Ausführbarkeit auf eine vollständig befriedigende Art gesehen. Dank, innigen Dank der k. würtembergischen Oberkirchenbehörde, welche durch Aneignung und allgemeine Einführung dieser herrlichen Gesänge sich ein neues Verdienst um die jüdische Liturgie erworben und damit zugleich auch eine Vermittelung zwischen dem, der Synagoge immer fremd bleibenden, protestantischen Choralgesang und den allzu weltlichen Melodien bewirkt hat; Anerkennung dem Talente des Herrn Lehrers Frank, welcher durch seine musikalischen Kenntnisse, unterstützt von einem glücklichen Organ den Gesang auf eine solche Stufe gehoben hat, wie man ihn in einer Synagoge nicht leicht hören wird. Dank aber auch dem edlen Eifer der Herren Kirchenvorsteher, welche eine Ehre darein setzen, allen höhern Anordnungen den pünktlichsten Vollzug zuzuwenden, wodurch sie vielen ihrer Collegen in und außer Würtemberg ein würdiges Beispiel geben! — —. Meine in No. 21 d. Ztg. bezüglich der baldigen Besetzung der Rabbinenstelle in Ansbach ausgesprochene Hoffnung, scheint sich ihrer Erfüllung zu nähern. Durch ein höchstes Rescript werden die zu Unterfranken gehörigen Gemeinden von dem Rabbinatsverband abgetrennt, und aus den noch verbleibenden zwei Rabbinate gebildet, davon das eine seinen Sitz in Welbhausen und das andere in Ansbach hat. Viele und darunter sehr würdige Bewerber treten auf, und an den einzelnen Gemeinden ist es jetzt, die tüchtigsten und redlichen herauszufmden und sich durch Jntriguen und Vorspiegelungen, nicht irre führen zu lassen. In Ansbach hat kürzlich Hr. Kandidat Grünbaum aus Gunzenhausen mit großem Beifall gepredigt, ein junger Mann, der neben schönen Kenntnissen, einen edlen von Egoismus, wie von Herrschsucht gleich weit entfernten Charakter besitzt. Von seiner Wahl könnten wir nur Segenreiches erwarten. Auf die Stelle in Welbhausen soll der bisherige Verweser in Ansbach, Herr Oberndorfer am meisten Hoffnung haben. Belletristik. A b e n d r o t h. Eine Reihe romantisch-historischer Skizzen von Friedrich Waldemar (Dr. Fricke in Göttingcn). I. Antipater. I. Die Schlacht bei Pharsalus war geschlagen. Noch stand die Welt gespannt vom Anschau'n des Rieftnkampfes jener beiden Männer, deren Macht damals fast den ganzen Erdraum umfaßte, deren Ruhm alle Zeit beherrschen wird. Als der Gewaltigen Gewaltigster herrschte jetzt Casar auf der besiegten Erde, selbst noch nimmer besiegt und unbesiegbar wie eine Gottheit. Den himmelanstrebcnden Thron seines Gegners hatte er mit einem Schlage zertrümmert, und stand frei und hoch auf den hohen Trümmern. Aber trotzen möge doch Niemand auf Kraft der Gedanken, auf Tausender Dankbarkeit, auf des Glückes hohe Gunst. Sie alle, die höchsten Vorzüge der Erde bleiben irdisch und wankend, und daß Niemand es vergesse, sendet die Gottheit auch den Mächtigsten heilsame Winke. Cäsar hatte auf günstiger Fahrt Aegypten erreicht, hatte dem Andenken des unglücklichen Gegners eine ehrenvolle Thräne geweiht, und thronte jetzt in Alexandria, der Hauptstadt des Landes. Daß er Pompejus Mörder verfolgen ließ, erweckte bei vielen Aegyptern eine ungünstige Meinung von ihm, noch mehr aber, daß er wagte in die Residenz ihrer Könige einzutreten. Schon bei seinem Einzuge sah sich der Weltbezwinger von einem Volksauflaufe bedroht, und sollte in der Folge noch erfahren, wie leicht die stolze Stadt das Grab seines Ruhmes hätte werben können. Nach dem Tode des vorigen Herrschers waren Streitigkeiten unter de» Thronfolgern entstanden, welche von Bruder und Schwester gegen einander mit dem Schwerte geführt wurden. Cäsar fand in solcher Selbsthilfe eine Anmaßung gegen die Weltherrschaft Roms, und verlangte darum, die königlichen Heere sollten auseinander gehen, und die Streitenden durch seine nicht durch des Schwerts Vermittlung die Entscheidung suchen. Allein die Alexandriner, welche ihrerseits die Königswürde dadurch beschimpft gefunden hatten, daß Cäsar sich die Fasces vortragen ließ, erstaunten über seine neue Anmaßung im höchsten Grade,