Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 107 (6.9.1838)
- Date
- 1838-09-06
- Page
- Seite 434 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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434 noch Hülfstruppen gesendet. Die Anforderung um Durchzug wurde mit Drohungen beantwortet. Noch am späten Abend berief Mithridates die Anführer zum Kriegsrach. Die Umstande waren bedenklich. Denn durch Späher hatte man sich überzeugt, mit welcher bedeutenden Macht zu kämpfen sei. Dennoch riechen die Meisten zum Angriff, da keine Zeit zu verlieren, und doch ohne Eroberung des' Ortes, jeglicher Fortschritt unmöglich wäre. Vor allen Dingen war "es Anti pater, der zur raschen That riech und half. Seine arabischen Bogenschüzzen führte er noch in der Nacht auf einen etwas hochliegenden Ort, sorgte für alle nöthigen Sturmwerkzeuge, und führte seine Dreitausend in das Vordertreffen. Kaum gönnte er sich eine Stunde Schlaf. Am andern Morgen fiel der Sonne erster Blick auf die glanzenden Reihen der Syrer und Juden und die Sturmtrompete schmetterte heute ihr unheilvolles Morgenlied. Aber auch in der Stadt klirrten die Waffen einen kriegerischen Morgenhymnus, und als der Sturm begann, maß sich Kraft gegen Kraft, nirgends ward Ueberraschung und Bestürzung sichtbar. Heftig drangen die Belagerer hinan und hinauf, aber die Aegypter standen auf ihren Mauern fest und unerschütterlich wie die Mauern selbst. Oft wurde um einen Fuß breit Raum stundenlang gefochten, und nichts gewonnen oder verloren. Endlich zwang ein heftiger Ausfall der Bürger und Krieger aus der Stadt die Angreifenden zum Rückzug und nicht viel fehlte, so wäre Flucht daraus geworden. Nur an den geschloffenen Reihen der schwergeharnischten Juden unter Eleazar's Anführung brach sich der wilde Strom und kehrte, nach einigen vergeblichen Bemühungen zum Durchbruch, in seine Ufer zurück. Niedergeschlagen und stumm lagerten sich die Zurückgedrangten zum Mittagsmahle, in dem Schatten der nahen Baumpflanzungen und Lustwäldchen. lFortsetzung folgt.) C o r r e s p o u fct e n j c n r Auszüge, Repliken. Aus Schlesien. (Schluß.) So erzählten auch die so oft trefflichen Schlesischen Provinzial-Blätter in einem £cftc des vorigen Jahrgangs, daß, bei den vielen in Breslau vorgekommencn Einbrüchen und Diebstählen, auch einer, von einem jüdischen Handwerker am Sabbat verübt worden. Soll denn bei den vielen, nicht von Juden verübten Diebstählen, keiner am Sonn - oder Festtage vorgekommen sein? oder findet man dieses, des häufigen Vorkommens wegen, nickt so beachtenSwerth, als wie bei den, die Gebote sonst streng achtenden Juden? — Wir wollen nicht, daß man die von Juden begangene Verbrechen verheimlichen soll; — aber möge man sich mir einem einfachen Mittheilen der T Hatsachen begnügen, wie solches auch immer von Der Schlesischen Zeitung geschieht. Böswilligkett wird sich z. B. bei der Mittheilung, daß in Schlesien auf 1000 Juden Ein Selbstmörder, auf 99,500 Christen aber nur 99 gekommen sind, gewiß nicht die Mühe verdrießen lassen, die kleine Differenz zum Nachtheil der Juden heraus zu calculiren und dann mir vielem Geschrei auszuposaunen; wozu soll aber das vorsätzliche darauf Hindeuten und Zergliedern, dessen sich die öffentlichen Blätter schuldig machen, weiter dienen, alö wie auch dem, eines SelbsturtheilS unfähigen Volke, die schon etwas abgestumpfte Waffe des Judenhasses wieder zu schärfen? — Ich würde wahrhaftig nicht so eifrig dawider gesprochen und es mit so vielen Thatsochcn belegt haben, wenn das Uebel nicht so ein allgemeines wäre, und der Vorwurf der Parteilichkeit gegen die Juden nicht fast, mit nur geringer Ausnahme, das sämmtlicke deutsche Journalwesen träfe. Um auch letzteres zu belegen, will ich nur noch eines Beispiels, aus den vielen, bei mir verzeichneten, erwähnen, und wähle ich nicht gerade dieses, seiner Bedeutsamkeit wegen, sondern weil eS am besten die Einstimmigkeit der deutschen Blätter bei dergleichen Fällen charakterisirt. Bei dem Verrath der Herzogin von Berry durch Deutz, äußerten fast alle französischen Blätter ihre Freude darüber, daß der Verräther kein Franzose war. Obgleich es auch den Franzosen auf einen mehr, nicht hatte ankommen sollen, so ist doch dieser Egoismus zu rein menschlich, als daß man ihnen solchen verübten könnte. Nun aber kamen die meisten, dabei doch gar nicht berheiligren, deutschen Journale und gratulirten dem „hochherzigen Frankenvolke," daß derEenarher keiner der ihrigen, sondern ein Jude sei. Der Gebetbuch-Fabrikannt, Herr Hofrath Rousseau — der damals die Frankfurter Ober-PostamtSzeitung, oder das Beiblatt derselben redigirte — ging noch weiter und brachte seinen GlückSwunsch in zierlichen Reimlein, in Sonettenform dar, in denen er die geistreiche und zarte Anspielung auf Jschariot'ö Verrath mit versiocht, die dann solchen Anklang fanden, daß sie von den meisten deutschen Zeitungen sehr beifällig ausgenommen wurden. Daß der Verräther getauft war, und es von dem, der aus schnödem Eigennutz seinen Glauben verläugnet, nicht anders zu erwarten sei, als daß er Ln, ähnlichen Fällen gegen Menschen nicht gewissenhafter verfahren würde; davon wurde nicht gesprochen! — Wer da weiß, wie noch jetzt der „Verräther," bei den Juden mit öffentlicher Verachtung gebrandmarkt wird, der wird unS gewiß von der Anklage der häufig vorkommenden Verrätherei, freisprechen. — So gering diese» Alles auch scheinen mag, so verfehlt es doch nie seine Wirkung auf die ohne dies zum Haß geneigten Gemüther; daö kleine Körnlein findet einen empfänglichen Boden, wo eS schnell zum starken, großen Baum empor wächst, der nicht allein, daß er uns Licht und Sonne nimmt, unö auch den Raum neben sich nicht gönnen will. — Zum Schluffe sollte ich eigentlich auch noch von den Juden in Schlesien berichten, doch was kann ich von ihnen sagen? Lobenswertes? da» würde partheilich klingen; Tadelndes aber bietet sich bei ihnen mindestens nicht mehr dar, als wie dem unbefangen forschenden Beobachter, bei einem jeden anderen Volke in seinen verschiedenen Ständen vorkommt. Doch kann ich wenigstens die Mittheilung nicht unterdrücken, daß sich überall bei ihnen ein thatig>.'r Sinn für Religion, und das Verlangen nach einem zweckmäßigen Gottesdienst ausspricht, wo ich, zum Beweis nur die Gemeinden in Pleß,, Ra tibo r und Neiße anführe. SpecielleS zu referiren, überlaffe ich den Gemeinden um so lieber — die doch wol Ihren in No. 95. dieserkBlatter ausgesprochenen Wunsch beherzigen werden — da der Auswärtige nur Gehörtes mittheilen, und da beim besten Willen dennoch irren könnte. F. G. Redacteur: vr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.