Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1877)
- Date
- 1877-02-27
- Page
- Seite 141 (sequence 11)
- Language
- German
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141 es doch etwas, wenn dieses Zugeständniß im Vertrage selbst stipulirt wurde.) — . Nach neueren Nachrichten weigert sich Serbien, auf die Gleichstellung der Culte einzugehen. Dies wäre wenigstens klar und bestimmt. Daß die Türkei an diesem Punkte die Friedensverhandlungen nicht scheitern lassen könnte, versteht sich von selbst. I e « i l Moses un- Egypten. Zu den bedeutendsten deutschen Egyptologen der Jetztzeit gehört unstreitig Prof. Georg Ebers, über dessen verdienstvolles Werk „Egypten und die Bücher Moses". B. 1, wir bereits Jahrgang 1868, Nr. 41 eine ausführliche Besprechung gaben. Seitdem hat Ebers Egypten und die Sinaihalbinsel wiederholt besucht, und sich zur persönlichen Anschauung gebracht. Sein umfassendes egyptifches Wissen hat er aber auch als Dichter verwerthet. Sein Roman „Die egyptische Königstochter" hat vielfachen Anklang gefunden. Bor Kurzem veröffentlichte er einen zweiten Roman: , Uarda" (Stuttgart, Hallberger 1877) in drei Bänden, welcher schnell einen ausgedehnten Leserkreis sich erwarb. Selbstverständlich haben wir an dieser Stelle nicht vor, eine Beurtheilung der Dichtung als Roman zu geben. Dem Verfasser gelingt es, ein recht anschauliches Bild des altegyptischen Lebens in seinen Detailszügen zusammenzustellen, und zwar aus der Zeit des großen Eroberers Ramses ll., des Sesostris der Griechen, der als der Pharao angesehen wird, welcher die Hebräer zu Sklaven machte, wie es sich aus den Monumenten, den Grabgemalden und den entzifferten Papyrusrollen zeichnen laßt. Natürlich, daß der Dichter hier und da mit seinen Tuschen nachhilft, wohl auch erfindet, wo es fehlt; aber die meisten Partien weiß er doch in zahlreichen Anmerkungen als begründet nachzuweisen. Er hat sich dadurch das Verdienst erworben, auch dem größeren Publikum die egyptische Forschung näher zu bringen und hiermit Las historische Bewußtsein der gebildeten Masse erweitert zu haben. Anders verhält es sich freilich mit dem dichterischen Theile selbst. Es ist darin wenig Egyptisches, sondern Alles modern romantisch. Die Lieblingstochter des Königs verliebt sich in einen Gärtnerssohn und verlobt sich mit ihm als solchem; der jüngste Sohn des Königs verliebt sich in die Tochter eines gemeinen Soldaten und Enkelin eines Paraschiten (eines Standes der als unrein ausgestoßen war), und verlobt sich mit ihr. Hinterdrein freilich erweist sich der Gärtnerssohn als das vertauschte Kind eines hohen Würdenträgers, eines Mohar's, und das Mädchen als die Enkelin eines Danaerfürsten, dessen Tochter kriegsgefangen nach Egypten gebracht worden. Dies Alles in Egypten mit seinen streng scheidenden Kastenwesen! Das egyptische Priesterthum tritt in den Vordergrund des Romans; doch wird der innere Verfall durch Zerrüttung und Rivalität, sowie die Suprematie der königlichen Staatsgewalt nicht genügend durchgeführt; auch diese Partie klingt Egypten. Kairo, 3. Februar. (Privatmitth.) Der Director der außer-egyptischen Bank, Herr Julius Blum, Israelit, ist zum Cabinets-Chef des egyptischen Finanzministers Hussein Kiamil Pascha ernannt worden. I e t o tu in's Moderne hinüber. — Der Dichter bringt auch Moses in sein Gemälde hinein, doch — wofür wir ihm dankbar sind — in sehr bescheidenem und edelstem Maße, wie wir denn überhaupt den edlen Ton und die dichterische Sprache hervorheben müssen, durch welche sich dieser Roman vor vielen derartigen Erzeugnissen der Neuzeit besonders auszeichnet, wenn der Styl auch hier und da etwas steif ist. Schon im ersten Bande deutet der Verfasser an, daß Ameni, der hochbegabte Oberpriester des Setihauses, zwei Schüler als seine vorzüglichsten rühmt: (Mesu lder egyptische Name für Moses) und Pentaur (der eigentliche Held der Dichtung), von welchen er den ersteren als abgefallen von der egyptischen Priesterreligion beklagt. Im dritten Theile wird Pentaur als (ungerecht verurtheilter) Sträfling nach den in der sinaitischen Halbinsel befindlichen Türkisen- und Kupferbergwerken versetzt und befreit und flieht nach dem Sinai. Der Verfasser zeigt im Verlaufe, daß es unter den egyptischen Priestern eine Classe „Eingeweihter" gab, denen das Dasein Eines Gottes, jedoch in panlheisiischer Anschauung gelehrt ward, der in den einzelnen Naturerscheinungen als individuelle Gottheit verehrt wurde, so daß hierdurch ein Band mit der von den Priestern aufs Strengste bewahrten Volksreligion, dem bekannten groben Polytheismus, erhallen blieb. Diesem pantheistischen Einem Gotte huldigte auch Pentaur. Die betreffende Stelle, wo Moses erscheint, lautet nun, nachdem eine glänzende Schilderung der Morgendämmerung auf einer Höhe des Gebirges gegeben worden: „Alles still, alles unberührt von der Hand des Menschen und doch zu einem großen, herrlichen Ganzen gefügt, doch allen Gesetzen des Alls unterworfen, doch voll von der Gottheit. „Zu dem Führer der Wege Apheru wollte er seine Hände dankend erheben; aber er vermochte es nicht und unendlich klein erschienen ihm die Götter, die er oft vor dem Volke mit begeisterten Worten gepriesen hatte, und die doch nur am Nil einen Sinn, eine Heimath. ein Herrschaftsgebiet besaßen. „Zu euch", murmelte er, „bete ich nicht! Hier wo mein Blick wie der eines Gottes die Ferne umfaßt, hier fühl' ich den Einen, hier ist er mir nah, hier ruf ich ihn an, hier will ich ihm danken!" „Und nochmals erhob er die Arme und betete laut: „Du Einer, Du Einer, Du Einer!" „Er sagte nichts weiter, aber ein hohes Lied des Dankens und Sühnens erfüllte seine Brust, während er diese Worte sprach. „Als er sich endlich erhob, stand neben ihm ein Mann von 9*