Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1877)
- Date
- 1877-02-27
- Page
- Seite 140 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Mosenrhal Anfangs der Fünfziger-Jahre mit „Deborah" einen durchschlagenden Erfolg errang. Das Stück ging von Bühne zu Bühne und erhielt sich bis heute auf dem Repertoire aller größeren Theater. „Cäcilie v. Albano", „Ein deutsches Dichterleben", „Sonnenwendhof", „Düweke", „Die deutschen Comödianten", „Gabriele v. Percy", „Der Schulz von Altenbüren", „Der Dorflehrer", „Pietra", „Madeleine Morel", „Die Sirene", „Bianca Capello", „Die Parisina" waren die spateren Dramen des Dichters; keines derselben erbrachte die Höhe des Erfolges der „Deborah", fast alle zeigten jedoch eine ungewöhnliche Bühnentechnik und eine durch ihre realistische Art wirkende Begabung. Im Bauernstücke ist Mosenthal am glücklichsten gewesen; mit dem „Deutschen'Dichterleben" und den „Deutschen Comödianten" hat er das Literatur-Drama in ansprechendster Weise bereichert. Mosenthal zeigte für Musik einen ungewöhnlich empfänglichen Sinn und stand in innigster Verbindung mit unseren musikalischen Kreisen. Er war Mitdirector des Conservatoriums und hat zahlreiche Libretti verfaßt. Mosenthal war 1821 geboren und hatte eine Tochter des Hofrathes Weil zur Frau, nach deren Tode er sich nicht mehr vermälte. Wer den lebensfrischen Mann, der sich fortwährend mit dramatischen Entwürfen herumtrug, noch in den jüngsten Tagen in unserer Gesellschaft verkehren sah, mochte das jähe Ende nicht ahnen, das seinem rastlosen Streben ein Ziel setzte. Das Leichenbegängniß des Verstorbenen findet Montag Nachmittags um 3 Uhr statt. Frankreich. Paris, 15. Februar. Aus den Beschlüffen des israelitischen Consifioriums von Paris während des zweiten Halbjahrs 1876 heben wir hervor, daß jedem der vier Tempel von Paris ein bestimmter Rabbiner zugeorvnet worden, was für den darin zu haltenden Gottesdienst und öftere Predigten von Nutzen sein wird. Das Consistorium hat an den Seine-Präfecten eine Reihe von Forderungen für das israelitische Schulwesen gerichtet, auf welche jedoch eine Entschließung deffelben noch nicht erfolgt ist. Sie werden daher später zu besprechen sein, und erwähnen wir sie heute nur, um die Aufmerksamkeit des Consifioriums nach dieser Seite hin lobend anzuerkennen. Die Commission zur Bekleidung armer Schüler und Schülerinnen hat im verfloffenen Jahre 1799 Kinder bekleidet, 961 Knaben und 838 Mädchen, und hat dafür 22,556 Frcs. auszegeben, nämlich 14,213 Frcs. für die Knaben und 8343 Frcs. für die Mädchen. Ebenso wird die Bertheilung warmer Nahrungsmittel an die Kinder aller Gemeindeschulen vom 1. November an während des ganzen Winters mit großer Sorgfalt ausgeführt und überwacht. Die Volksküchen für die israelitischen Hilfsbedürftigen sind im vollen Gange und man hat dafür gesorgt, daß die Armen sich leicht die Anweisungen auf dieselben holen können. Der Verein für das „Werk der ewigen Ruhe" hat seinen Bericht für das Jahr 1875/76 abgestattet. Die Zahl der von dieser Gesellschaft bewerkstelligten Beerdigungen in diesem Jahre beläuft sich auf 172. Die Einnahme betrug 24,184 Frcs., die Ausgabe auf 9174 Frcs. Für Peffach 1877 sind 15,000 Kilogramme Mazzoth zur Bertheilung für die Armen bestellt worden. Großbritannien. London, 16. Februar. Das Mitglied des Unterhauses, Herr Simon (Israelit), richtete eine Anftage an das Ministerium in der heutigen Sitzung und erhielt vom Unter - Staatssecretär Bourke die Erwiderung: „Die Türkei schlug als Grundlage der Friedensverhandlungen mit Serbien die Gleichstellung der Armenier und Juden mit den Serben vor. Die serbische Regierung antwortete ausweichend. Der englische Consul wurde angewiesen, ein Einvernehmen Serbiens mit der Pforte herbeizuführen. England wünsche Gerechtigkeit für die Juden Serbiens und Rumäniens und werde seine Ansichten bei der serbischen Regierung nachdrücklich vertreten. Türkei. Koustautinopel, 17. Febr. Bei der Weigerung Serbiens, die Gleichstellung der Armenier und Juden unter die Friedensbedingungen aufzunehmen, hat die Pforte darauf verzichtet, wie dies in der Natur der Sache liegt, da sie den Krieg deshalb nicht fortsetzen kann. Jedenfalls hat die Pforte den christlichen Mächten damit eine Lehre gegeben: handelt es sich doch nicht allein um die Juden, sondern auch um die Römisch-Katholischen. Auf die Redensarten der englischen und anderen Minister, die sie jüdischen Deputationen oder Parlamentsmitgliedern hinsichtlich Rumäniens und Serbiens zu geben pflegen, haben wir etwas zu geben längst verlernt. Das Wort ist wohlfeil, die Thal ist kostbar. — Der im Vilajet von Janina in die Deputirtenkammer gewählte Israelit heißt Davitchon Effendi, ein Beamter zweiten Ranges. — Der Baron Hirsch hat der israelitischen Gemeinde von Volo (Thessalien) 4500 Frcs. geschenkt, um ihre Schulden aus Tempel und Schule abzutragen. — Sir Moses Montefiore hat 100 Pfv. St. für die Verwunderen der osmauischen Armee gespendet. Wien, 13. Jan. Bei den Friedensverhandlungen zwischen der Türkei und Serbien hat letzteres der bekannten Forderung der ersteren gegenüber sich bereit erklärt, die Gleichstellung der Katholiken und Juden selbstständig zu regeln. « Die Serben sind bekanntlich griechisch-katholisch. Was auf solche Verheißungen bei Serben und Rumänen zu geben ist, weiß man; indeß wäre