Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1877)
- Date
- 1877-02-20
- Page
- Seite 124 (sequence 10)
- Language
- German
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124 Sie betrafen insbesondere die Errichtung neuer Cultusgemeinden. Angelegenheiten des Religionsunterrichtes (das Unterrichtsprogramm der Religionsschule der israelitischen Cultusgemeinde in Wien wurde mit Zustimmung des Ministeriums vom niederksterreichischen Landesschulrathe provisorisch genehmigt), Einflußnahme auf die Verwaltung der Matriken- und Ehewesens-Fragen, der Militärbefreiung von Rabbinatscandidaten u. s. w. Auch die Koscherfleischauflage wurde geregelt und derartige Zuschläge, wenn sie zu Gunsten allgemeiner Zwecke israelitische Cultuszwecke waren, genehmigt. Der Bericht theilt ferner die neue Statuten des k. k. Civil- Mädcheupensionates in Wien mit, für welches in Folge eines Aufrufes der Kaiserin in letzter Zeit zahlreiche Spenden von allen Seiten zuflossen. Unter den Aufnahmsberingungen wird des confessionellen Momentes nicht gedacht. Schließlich noch eine statistische Notiz bezüglich der jüdischen Studirenden an den Universitäten Oesterreichs.-) Israel. unter Israel. unter Israel. unter Wien I.*) 397 1730. II. 298 986. III. 66 1010. Graz 10 376. 6 161. 7 286. Jnsbruck — 179. 1 62. — 203. Prag 116 856. 53 326. 12 613. Lemberg 44 566. — —. 3 152. Krakau 15 262. 13 187. 1 124. Czernowitz 42 120. — —. 8 50.- Unter 3163 Studirenden waren 1092 Israeliten. An den technischen Lehranstalten war das Verhältniß: Oesterreich unter d. Enns unter 1406 Studirenden 202 Israeliten Steiermark - 246 - 5 - Böhmen - 708 - 59 - Mähren - 184 - 21 - Galizien - 247 - 16 - Krakau - 101 - 27 - Im Ganzen unter 3472 Studirenden 330 Israeliten. Wien, 9. Februar. Welche Rücksichten man in religiöser Beziehung in den Schulen hier zu Lande auf unsre Glaubensgenoffen nimmt — wie dies in Preußen und in Baden nicht geschieht — bezeichnet Folgendes: Der Minister für Cultus und Unterricht hat angeordnet, daß in den Mittelschulen nicht, wie dies da und dort vorkam, den Schülern einer und derselben Claffe an einem Vormittage zwei Lehrstunden in Mathematik ertheilt werden. Da, wo aus Rücksicht auf die israel. Schüler am Sabbath nicht Mathematik gelehrt wird, können an Einem Tage zwei Studen für Mathematik bestimmt werden; jedoch soll eine Vormittags und die andere Nachmittags gegeben werden. 2) Zur Beurteilung dieser Zahlen muß man sich erinnern, daß in der crsleithanischen Reichshätfte ungefähr der vierzigste Mensch ein Jude ist. Redrction. 3) I bedeutet: rechts- und staatswiffenschaftliche Facultät. II medicinische und III philosophische Facultät. Corr esp. Lemberg, 30. Januar. Bei der jüngst stattgefundenen Wahl in den städtischen Gemeinderath wurden nach einer Uebereinkunft statt der bisherigen 6 jüdischen Gemeindevertreter deren 16 gewählt. Die jüngste Jahresversammlung des (liberalen) Vereins „Schomer Israel" ergab keine günstigen Resultate. Die „N. fr. Pr." theilt darüber Folgendes mit: Aus dem zur Verlesung gelangten Rechenschaftsberichte, welcher ein nicht unbeträchtliches Deficit aufweist, sowie aus der hierauf erfolgten Neuwahl des Ausschuffes konnte man leicht die Ueberzeugung gewinnen, daß der Verein sich bereits auf dem Aussterbe-Etal befinde. Prag, 1. Februar. (Privatmitth.) Die hier erscheinende Zeitung „Tagesblatt aus Böhmen", welche mit aller Kraft für die Verfassung kämpft und selbst unter ungünstigen Umständen diese mit größter Hingebung verficht, feierte in diesen Tagen ihr 2 5 jähriges Jubiläum, das sich jedoch ganz speciell zu einer Feier für den Redacteur des Blattes Dr. Kuh gestaltete. Wir wollen dies in dieser Zeitung hervorheben, nicht bloß, weil auch eine Deputation der israelitischen Cultusgemeinde unter Führung des Landesausschußbeisitzers Todesco bei Herrn Kuh erschien, sondern vorzugsweise, weil sich hier erwies, welche Verdienste und Anerkennung sich ein Redacteur jüdischer Religion ttotz aller Anfeindungungen der Judenfeinde zu erwerben befähigt ist. Die deutsche Partei in Böhmen und die gesammte Berfaffungspartei erkenn! in Kuh einen ausgezeichneten Träger, eine erprobte Stütze. Dies bewiesen die Adressen der Reichsraths- und der Laudtagsabgeordneten dieser Partei, sowie zahlreiche Deputationen und Telegramme von Vereinen Böhmens und Wiens, Ernennungen zum Ehrenmitgliede u. s. w. Türkei. Konstautiuopel, 29. Januar. Der Großvezier hat einen vom 16. Muharrem datirten Erlaß an die General-Gouverneure gerichtet, worin er ihnen die Herstellung und Erhaltung eines guten Einvernehmens zwischen Türken und Andersgläubigen zur Pflicht macht, alle Hetzereien und Beschimpfungen verbietet und sämmtlichen Behörden auf's Nachdrücklichste in's Gedachtniß zurückruft, daß durch die Verfassung alle ottomanischen Unterthanen, gleichviel welchen Glaubens, völlig gleichberechtigt seien. Daß übrigens die Regierung den Willen hat, diese Gleichberechtigung, soweit es bei den hiesigen eigeuthümlichen Verhältnissen überhaupt im Bereiche der Möglichkeit liegt, auch durchzuführen, geht aus einer ganzen Reihe von Ministerialverfügungen hervor, die uns die officiösen Blätter neuerdings bekannt gemacht haben. So ist z. B. der Einttitt in die Militärschulen jetzt auch nichttürkischen Aspiranten unter denselben Bedingungen gestattet, wie solche Mohammedanern vorgeschrieben sind, zum Pallastdienst können auch Christen und Juden von jetzt ab zugelaffen werden u. s. w. In der Wirklichkeit fteilich werden die türkischen Bewerber selbst bei geringerer Befähigung gewiß immer noch den Vorzug er-