Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1877)
- Date
- 1877-02-20
- Page
- Seite 121 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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121 in gebotener dringlicher Eile die unverfälschte Wahrheit über die Thatbestande in verläßlicher Weise zu Tage zu fördern, wobei nachfolgende kurzgefaßte Resultate sich ergeben haben. 150 Parteien, mit Frauen und Kindern, eine Seelenzahl von mindestens 740 umfaffend, sind in der strengsten Winterszeit aus den Dorfschaften des Districts Vaslui (Moldau) allein, woselbst sie seit einer bis auf 25 reichenden Reihe von Jahren ihren Wohnsitz inne gehabt hatten, auf das Unbarmherzigste verjagt worden. Die Namensliste dieser Unglücklichen liegt in unseren Bureaux auf, und sind unter denselben bisher 13 Parteien österreichisch-ungarischer Nationalität constatirt worden. Die entsetzliche Hilflosigkeit der ihrer Habe Beraubten und allen Unbilden Preisgegebenen findet nur in den in Rumänien zu Recht bestehenden Zuständen hinsichtlich der Justiz und deren Handhabung ihre Erklärung. Wie unwiderlegliche Beweise darthun, fielen ein hochbetagter Greis, vier Männer und mehrere Kinder Len grausam burchgeführten Austreibungen zum Opfer. Indem diese der europäischen Civilisation hohnsprechenden Greuel der Einsichtnahme der hohen Schutzmachte und das Schicksal der Betroffenen fremder Nationalität der Protection ihrer respectiven Consularbehörden überantwortet bleiben, liegt es uns zunächst ob, dem entstandenen Jammer und Elend nach Kräften Abhilfe zu leisten. Wir fordern hiermit alle Menschenfreunde, insbesondere aber die Stammes- und Glaubensgenossen jener Unglücklichen auf. uns darin nach Kräften beizustehen. Die „Israelitische Allianz zu Wien", in den ersten Stadien ihrer Entwicklung begriffen, und bei der Verwendung ihrer noch spärlichen Hilfsmittel zunächst auf die Bedürfnisse innerhalb des Vaterlandes angewiesen, sieht sich gleichwohl bestimmt, mit einem Betrage von 1000 fl. ö. W. an die Spitze der Subscription für die nothleidenden Familien der Moldau überhaupt und des Basluier Districtes im Besonderen zu treten. Alle der gleichen Bestimmung gewidmeten Beiträge wollen dem Cassaführer der „Israelitischen Allianz", Herrn Reichsrathsabgeordneten Ludwig Laden bürg, an die Adresse des Bankhauses Elliffen u. Schloß, I., Opernring 17 in Wien, freundlichst zugesandt werden, und übernimmt es die „Israel. Allianz zu Wien", für die zweckmäßigste Verwendung derselben Sorge zu Nagen. Wien, den 5. Februar 1877. I Der Vorstand der „Israel. Allianz zu Wien". 6ii<xcßu/cßtei!/. Deutschland. Sonn, 9. Febr. (Privatmitth.) Die Gemeinden, welche bis jetzt bei uns (f. Nr. 5. 6. 7.) ihre Zustimmung zu der beabsichtigten Petition über den jüdischen Religionsunterricht in den höheren Lehranstalten an das Staatsministerium und das Abgeordnetenhaus eingesandt haben, haben wir anzuführen: Die Gemeinden Hofgeismar, Preuß.-Stargard, Bonn, Neheim, Hüsten, Warstein. BreSlan, 9. Februar. (Privatmitth.) Zu der an das Staatsministerium und das Abgeordnetenhaus zu richtenden Petition haben bei dem Comite ferner (s. Nr. 6. 7.) ihre Zustimmung folgende Gemeinden eingesandt: Schönebeck, Stendal, Brandenburg, Lissa (Prov.Posen), Rosenberg O/Schl., Pyritz, Schneidemühl, Garz a/O., Demmin, Rügenwalde, Wetzlar, Lehe-Gestemünde, Preuß.-Oldendorf. Meisenheim, Magdeburg, Gütersloh, Nicolai, Eschwege, Züllichau, Trebnitz, Liegnitz. Die Zahl der zustimmenden Gemeinden hat bis jetzt schon fast 100 erreicht und erwartet man baldigst weitere. Berlin, 19. Februar. (Privatmitth.) Die „Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums" hat in jüngster Zeit beträchtliche Zuwendungen erhalten. So hat ihr der im December vor« Jahres verstorbene Stadtrath Benny Burchardt testamentarisch ein Capital von 15,000 Mark vermacht. Die Verwalter des Siegfried Besch ütz'schen Nachlasses, welche freie Verfügung über Legate haben, haben der Hochschule 1000 Mark zugewendet. Es ist dies für die Hochschule von besonderer Wichtigkeit, weil sie, wenn ihre Einkünfte beträchtlich wachsen, im Stande sein wird, den Kreis ihrer Lehrgegenstande durch Anstellung von immer mehr Lehrkräften ganz zu vervollständigen. In diesem Jahre wird sie bis zum 6. Mai statutenmäßig ihre Generalversammlung abhalten, zu welcher rechtzeitig die Einladung erfolgen wird. Hamburg, im Februar. (Privatmitth.) Der Streithandel zwischen dem Oberrabbiner Stern und dem Fleischer Jakob hat in der hiesigen Presse (und wie ich eben sehe, zum Theil auch in der Berliner) so viel Aufsehen gemacht, und hat durch das Verbot des Senates und die desfallsige Beschwerde bei dem Reichskanzleramte eine gewisse politische und staatsrechtliche Bedeutung erlangt, daß es nicht unwichtig ist, die Ansicht darüber kennen zu lernen, welche über diese unangenehme Angelegenheit allgemein in christlichen Kreisen verbreitet ist. Wir wählen hierzu die Auseinandersetzungen eines der vielverbreitetften Blätter. Es sagt: „Die schon seit vielen Wochen spielende unerquickliche Assaire ist jetzt auf einem bedenklichen Standpunkt angelangt. Wir als ganz unparteiische Zuschauer fassen die Sachlage folgendermaßen auf.