Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1877)
- Date
- 1877-02-13
- Page
- Seite 103 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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103 Nachträglich sei noch bemerkt, daß Herr Cogolniceanu den Muth hatte, von den reichen Israeliten Jassys ein Dementi der Judenverfolgungen in Rumänien zu verlangen, die ihm dies aber rundwegs refusirten. — —. In gleicher Linie bewegt sich eine Correspondenz der „R. ft. Pr." aus Bukarest vom 23. Januar. Sie beginnt: „Es war vorauszusehen, daß unsere Regierung sich jedwede Mühe geben werde, die Thatsache der Judenhetzen im Districte Vaslui in Abrede zu stellen, denn mit deren, wenn auch stillschweigenden Anerkennung müßte sie sich den Todesstoß geben. Das Dementi, das unser Agent in Paris in officieller Weise veröffentlichte, ist vom Standpunkte der Regierung, die sich ihrer Haut mit allen Mitteln wehrt, begreiflich, vielleicht verzeihlich; trotzdem aber ist das Dementi ein durch und durch unwahres, denn es schlägt der bereits allenthalben kundgewordenen Thatsache, daß die Judenhetzen in noch viel höherem Maße, als es bis nun dem Auslande zur Kenntniß gelangte, stattgefunden haben, in's Gesicht. Ich werde Ihnen successive authentische Dommente übersenden, die meine Behauptung bestätigen werden. Mein letzter diesbezüglicher Brief hat bereits der sogenannten Dementis Erwähnung gethan, die man hier durch allerlei Drohungen einigen Eingeschüchterten und völlig Obsmren abgezwungen hat; daran knüpfen natürlich unsere Journale und die Regierung an, um die öffentliche Meinung irrezuführen. Das Manöver ist indeffen zu plump, um nicht sofort durchschaut zu werden, und dürften die Journale, die sich beeilt haben, das Dementi unseres Pariser Agenten, Schendrea, zu publiciren, sehr bald eines Besieren belehrt werden. Die zahlreichen authentischen Actenstücke, in deren Besitz zu gelangen auch mir gelungen ist, befinden sich, ich weiß es bestimmt, auch in den Händen der Regierung, die aber wohlweislich darüber schweigt, und außerdem in den Händen des hiesigen österreichischen Consulats, das wohl den geeigneten Gebrauch davon zu machen nicht versäumen dürste. Ich begnüge mich für heute. Ihnen aus der Collection blos zwei Stücke zu übersenden, die umsomehr Beachtung verdienen, als sie durch die Journale bereits in die Oeffentlichkeit gelangt sind. Das eine ist eine Antwort mehrerer jüdischer Notabeln, die wohl vorsichtig abgefaßt ist, aber trotzdem energisch die Dementis als nicht exact bezeichnet; das andere, vielleicht noch größere Wichtigkeit beanspruchende Document rührt aus der Feder eines Rumänen, eines gewesenen Deputirten, und erschien im heutigen Timpul, der nichts weniger als Freund der Juden ist." Dieses zweite Document erschien ursprünglich im Curierul von Jaffy, einem notorischen Judenfteffer, von wo er in den Timpul überging, und trägt die Unterschrift des gewesenen Abgeordneten M. C. Miclescu, ein im Lande weitbekannter Name. Das Ganze ist eine biographische Skizze deS Präfecten 9c. Lupaschcu, worin auch Folgendes zu lesen ist: „Kaum ist Herr Lupafchcu Präfect geworden, so fängt er zu zeigen an, was er vermag. Bis zum Winter tolerirt er den Aufenthalt der Juden in den Dörfern; sowie die Kälte beginnt, werden den Sub- Präfecten (aber blos mündlich) und von diesen den Maires die strengsten und peremptorischesten Befehle gegeben, unter keinem Vorwände den Aufenthalt der Juden in den Dörfern, selbst wenn sie keine Getränke verkaufen, zu dulden. Einigen Maires, welche es wagten, zu bemerken, daß sie solche Grausamkeiten nicht ohne formelle Ordre durchführen können, wird mit Entsetzung und Gericht gedroht; andere, furchtsamere, nehmen die Entlassung. Ich frage den Herrn Lupafchcu, ob, wenn die Juden in den Dörfern nicht mit Getränken speculiren und ihr Aufenthalt daselbst geduldet ward, es nicht eine Grausamkeit, die anderer Jahrhunderte würdig, ist, sie im Winter mit ihren Frauen und Kindern auf die Landstraße zu werfen? Wohin werden sie nun gehen? In den Städten sind keine disponiblen Plätze für sie — Herr Lupafchcu ist auch einer der Unternehmer der Accise des Districtes Vaslui und besitzt zwei Wirthshauser in der Stadt . . . Zum Schluffe würde ich den Juden rächen, welche den Verschleiß des Branntweins fortsetzen wollen, ihn vom Depot des Herrn Lupaschcu zu kaufen, denn so werden sie vielen Verfolgungen entgehen." N. S. Aus Bukarest meldet man: Baron Lionel von Rothschild in London wies an ein hiesiges Bankhaus die Summe von 200 Pfd. St. zur Unterstützung der verfolgten Israeliten im District Vaslui an, die von hier sofort dorthin übersendet wurden. Der dortige neronische Präfect Neron Lupafchcu wurde bereits seines Amtes entsetzt und an dessen Stelle, wie man mir sagt, unser bisheriger Primär Tefesen ernannt. Von Letzterem lassen sich ähnliche Grausamkeiten nicht erwarten. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 16. Januar. Es liegt in diesem Augenblicke eine so große Anzahl literarischer Erzeugnisse uns vor, daß es der Raum nicht gestattet, ausführlich an dieser Stelle sie sämmtlich zu besprechen. Wir ziehen es deshalb vor, einige Notizen über sie zu geben, uns vorbehaltend auf die bedeutenderen später näher einzngehen. — Wie wir bereits berichtet haben, hat der Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes zu Leipzig einen besonderen, elegant ausgestatteten Abdruck der rühmlichst bekannten und verdienten Abhandlung des Prof. Dr. M. I. Schleiden (s. S. 799. 815 d. vor. I.) in der Westermann'schen Monatsschrift: „Die Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter" herausgegeben. (Leipzig, Baumgärtner, 1877.) Der Verfasser hat ein kurzes Vorwort vorangestellt, aus welchem wiederum seine Liebe zur Sache in wohlthuender Weise hervorleuchtet. — Spruch - Lexikon des Talmud und Midrasch. Der Urtext, wortgetreu übersetzt,