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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-02-13 · Heft 7 (13.2.1877) · p. Seite 102

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 7 (13.2.1877)
Date
1877-02-13
Page
Seite 102 (sequence 4)
Language
German
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102 was über „die hebräische Literatur" je geschrieben worden, kann sich wohl das Capitel zählen, das H. ihr gewidmet. Eine Literatur, die selbst in ihren übriggebliebenen Resten einen welthistorischen Einfluß geübt hat, wird von einem wirklichen Culturhistoriker eine ganz andere Würdigung erfahren. Doch H. hat sicherlich nur eine geringe Kenntniß von ihr, selbst in der Uebersetzung, und gar keine Einsicht. Seine Führer sind eine (auch von uns besprochene) gehaltlose Abhandlung über die Psalmen in der kevue des deux mondes und der als Schriftsteller sehr wenig bedeutende Marlin Schultze. Aus diesen schreibt er einige Notizen, die sich zum Theil widersprechen, ab. Es ist der Mühe nicht werth, ihm dahin zu folgen. Dagegen stellt er vorher ein Zerrbild von der „Cultur der Hebräer" auf, dessen nähere Prüfung wir dem großen Autor doch nicht schenken können. (Fortsetzung folgt.) Die neuesten Verfolgungen der Inden in Rumänien. IV. Die Hauptfrage in diesem Augenblicke ist noch immer: Haben die geschilderten Verfolgungen wirklich stattgefunden oder nicht? oder sind sie wenigstens übertrieben worden? ES würde uns diese Frage weniger interessiren, wenn nur die rumänische Regierung selbst das Dementi aufrecht erhielte. Da Letzteres aber zuerst von officiösen österreichischen Blättern ausging, und eine etwaige Intervention von Seiten der österreichisch-ungarischen Regierung für ihre, von der Verfolgung betroffenen Unterthanen nicht erfolgt ist, sondern die Angelegenheit todtgeschwiegen wird, so muß uns die zweifellose Constatirung der Vorgänge noch immer beschäftigen. Wir erhalten aus Verlad von zuverlässiger Hand folgenden Bericht: „Der Präfect Lupascu hat in Wahrheit beinahe alle Juden aus den Dörfern seines Distrittes nicht nur verjagt, sondern auch ihren Wein und Branntwein confiscirt und verkauft als strafbares Gut. Die von den Vertriebenen nach Bukarest entsandten Delegirten konnten nichts ausrichten, ein Abgesandter des österr.- ungar. Consuls zu Bukarest war in Vaslui und brachte alles zu Protocoll. Der Präfect Lupascu wurde nach Bukarest berufen. Das Resultat aber über seine erhaltenen Instructionen ist unbekannt, denn er weilt noch immer auf seinem Posten. Am 20. Januar langte in Vaslui ein Herr Protopescu, Delegitter der rumänischen Regierung, an, behufs Constatirung des Sachverhaltes. Der österreichische Consul verlangte eine gemischte Enquete und die sofortige Absetzung des Präfecten, aber vergebens. — Herr Pros. Dr. Kristeller aus Berlin hat an die jüdische Gemeinde zu Vaslui behufs Angabe von nähern Details geschrieben, gleichzeitig anfragend, ob materielle Hülfe für die Vertriebenen nöthig wäre. Die Antwort war, daß die von Haus und Hof verjagten keine andere Hülfe verlangen, als eine moralische. — Die rumänischen Journale fahren fort, die Juden zu bedrohen, daß, falls sie nicht öffentlich eine Erklärung abgeben werden, daß in Rumänien keine Judenverfolgungen existiren, sie das allerschlimmste zu gewärtigen haben, so kam es denn am 20. Jan. in Jaffy zu thätlichen Aufttitten zwischen Juden und Behörde- Agenten. Commiffäre und Serjeants de ville drangen nämlich in die von vielen Juden bewohnte Schülhofgaffe, die Juden zur Unterschreibung eines abgefaßten Protestes gegen die angeblichen Judenverfolgungen in Rumänien zwingend. Die angefallenen Juden ließen sich aber nicht einschüchtern und widersetzten sich diesem Ukas, und so kam es zu einem lebhaften Handgemenge und Hieben." — Die rumänischen nationalen Publizisten entblöden sich nicht, falsche Dementis im Namen der Juden zu veröffentlichen. So veröffentlicht die „Unirea Democratica" einen von 28 fingirten Israeliten Unterzeichnete Erklärung, wonach keinem Juden in Rumänien irgend welches Leid zugefügt wird und daß all' die boshaften und übelwollenden Gerüchte und Verleumdungen, die über Rumänien verlauten, nur Lüge und Trug seien. Der Ort aber, wo diese Erklärung ausgestellt worden, ist ebensowenig angegeben, als das Datum derselben. Auf Wunsch kann ich Ihnen den Wortlaut dieser fabrizirten Erklärung mittheilen. — „Romanul" brachte ebenfalls eine diesbezügliche Erklärung seitens der in Bukarest bestehenden Gesellschaft: „Romanisarea"; ich laffe selbige im Wottlaute hier folgen: „Ueberzeugt, daß die hier folgenden Zeilen das ausgezeichnete Glück haben werden, Ihre Genehmigung zu erhalten, bitten wir Sie, denselben in den Spalten Ihres geschätzten Blattes Aufnahme zu gewähren. Die Gesellschaft „Romanisarea", bestehend aus der rumänischen israelitischen Äugend, deren Tendenzen dahin gehen, die Gefühle für rumänischen Patriotismus, für die rumänische Sprache und für rumänische Sitten (!) zu verbreiten, erklärt, daß sie jede Solidarität Mit jenen ftemden Journalen entrüstet von sich ablehnt, die Beleidigungen und Jnvectiven über Rumänien verbreitet haben. Die Gesellschaft „Romanisarea" protestirt energisch gegen jeden Verdacht irgend einer Complicität sowohl mit den Verfassern, als auch mit den Verbreitern jener Insulten, die den Zweck haben, die Würde des rumänischen Staates in dem Momente herabzusetzen, wo, wie es scheint, Ereigniffe von höchster Wichtigkeit demselben die Pflicht auferlegen werden, für seine nationale Existenz zu kämpfen. — Ihrem Namen, ihren Principien, ihren Tendenzen getreu, wird die Gesellschaft „Romanisarea", wenn das Vaterland es verlangen wird, durch Thaten diejenigen widerlegen, die die patriotischen Gefühle und die patriotische Ergebenheit der rumänischen Israeliten in Zweifel ziehen." — Gezeichnet die Delegirten der Gesellschaft „Romanisarea": Josef Statu, I. Marglici, Arminiu Jaslavici. — Glücklicher Weise ist die angefühtte Zuschrift der Ausdruck einiger winziger künstlich patriotisirter Jünglinge und nicht aller rumänischen Juden. —

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