Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1877)
- Date
- 1877-02-13
- Page
- Seite 104 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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104 erläutert und verglichen mit den Lehr- und Kern-Sprüchen aus alter und neuer Zeit. Ein Buch zur unterhaltenden Belehrung für jeden Stand von Julius Dessauer. Eigenthum und Selbstverlag des Verfassers. Budapest, 1K76. Auf 259 S. gr. 8. werden hier in alphabetischer Ordnung zu 1866 Wörtern talmuvische Aussprüche übersetzt und am Fuße jeder Spalte im Texte angeführt, erklärt und mit Aussprüchen aus anderen Literaturen verglichen. Die talmudischen Sprichwörter sind bereits früher von Fürstenthal und Dukes in bekannten Werken bearbeitet worden. Die vorliegende Schrift übertrifft beide an Menge der Citate, steht aber dem Werke von Dukes in der wissenschaftlichen Bearbeitung weit nach. Wir finden dieselbe zum Handgebrauche sehr nützlich; dagegen ist die Uebersetzung nicht körnig und concinn genug, was wir allerdings gerade bei Proverbien für unentbehrlich halten, und der deutsche Styl oft incorrect. Hervorheben müssen wir aber noch, daß solche Sammlungen für das richtige Uriheil über die sittlichen Anschauungen im Talmud höchst nützlich sind. — Bis in die äußersten Enden des deutschen Vaterlandes erstreckte sich in der jüngst vergangenen Zeit der Kampf zwischen den christlichen Ultramontanen und Pietisten einerseits und den Juden andererseits. In diesem Streite waren jene stets die Angreifer, und diese leisteten tapfere Abwehr. In derartigen Vorgängen steht der Sieg in der Regel auf Seiten der Abwehr; denn der Angreifer läßt sich zu sehr von Motiven des Hasses und von der Leidenschaft der Berleumdungssucht beherrschen und leiten, als daß er nicht in die abenteuerlichsten Ungerechtigkeiten und Uebertreibuugen verfiele, und es so dem Abwehrenden leicht mache, ihn zu widerlegen und im Dienste der Wahrheit und des Rechts schonungslos der Böswilligkeit, des Jrrthums und der Unwissenheit zu überführen. Jndeß irrt man sich häufig in der Voraussetzung, mit dem Worte der Wahrheit und der Gerechtigkeit die Gegner alsbald mundtodt zu machen. Dazu steht dem letzteren die Kunst der Verdrehung, Verschleierung und Sophisterei in nicht geringem Maße zu Gebote. Die Wölfe im Schafspelze haben mit diesem nicht die Einfalt des Lammes angenommen. Bei den Anhängern des Ultramontanismus und des Pietismus rechnet man daher vergebens darauf, einen Eindruck zu machen; allein bei der nicht kleinen Menge der zu den extremen Parteien nicht Gehörenden gelangen wir doch zur Rechtfertigung und richtigen Würdigung und dies ist es schließlich, worauf es uns ankommen muß. Ein Fehler ist es daher, wenn wir unsererseits an irgend einem Punkte des Streites erklären: dies sei die letzte Antwort, die wir geben. Man kann sicher sein, daß der Gegner sich dies zu Nutze macht. Hierzu führen wir an: Streitschrift zwischen Herrn Landrabb. Buch holz und Herrn Pastor Hafermann. (Abdruck aus der Ostftiesischen Zeitung.) Emden, Hahn, 1876. Wir glauben nicht, daß der Abdruck dieser Zeitungsartikel geradezu von Herrn Landrabbiner Buchholz ausgegangen, denn Herr Pastor Hafermann behält in einer fast ein Drittel der ganzen Broschüre einnehmenden Erwiderung das letzte Wort. Dieselbe vermag zwar die klare und scharfe Widerlegung, welche Buchholz dem (Christophorus) Hasermanns angedeihen läßt, nicht zu entkräften, doch durch Wortschwall und Scheingründen abzuschwächen. Ueber den gewöhnlichen Kreis der in solchen Streitschriften verhandelten Fragen, geht die vorliegende nicht hinaus. — Ferner: Die sociale Stellung der Juden. Offenes Sendschreiben an Herrn vr. Maaß in Breslau von vr. Emanuel Schreiber, Rabbiner in Elbing. Königsberg, Prange, vr. Maaß ist ein alter Gegner des Judenthums seit seinem Abfall von demselben. Er wechselte damals mit Geiger, der zu jener Zeit noch in Breslau amtirte, einige Streitschriften; er schrieb ein ziemlich dickes Buch gegen die bekannte, vom Redacteur dieser Zeitung beantragte und motivirte Resolution der ersten Synode; er verfaßte jüngst eine Gegenschrift gegen die bekannte Schrift des Herrn vr. Kolkmann zu Gunsten der Juden. Wir unsrerseits legten niemals ein besonderes Gewicht auf die Schreibereien des vr. Maaß, die nach dem Volksspruche „nicht Fisch und nicht Fleisch sind", und hielten daher auch sein gegen uns gerichtetes Buch der weiteren Beachtung nicht werth. M. hegt innerlich einen tiefen Haß gegen Juventhum und Juden. Aber als Missionär darf er sie doch nicht offenbarem Abscheu übergeben. Er spielt daher die Rolle eines halben Bertheivigers und halben Angreifers, die erstere lau und süßlich, die andere bitter, wenn nicht giftig. Gegen seine jüngste Broschüre ist nun das angeführte Schriftchen gerichtet, welches die Blößen des Herrn vr. Maaß schonungslos offenlegt. — Aus Padua kommt uns zu: na^tn DOTisan aannb a-osna vibam a-araon b"T iraNSib th. Padoue, Sacchetto, 1877. Wir machen besonders auf die 11 Nummern noch ungedruckter Werke S. D. Luzzatto's aufmerksam, über welche die Notiz hinzugefügt ist, daß man gern das Anerbieten eines Herausgebers zur Veröffentlichung eines oder mehrerer dieser Werke, zu richten an vr. Jsaia Luzzatto zu Padua, entgegennehmen werde; auch empfehle es sich, die wichtigsten, vom Verfasser in den hebräischen Journalen zerstreuten Artikel zu sammeln und wieder abzudrucken. — La Situation des isra£lites en Serbie et en Roumanie. Paris, A. Chaix, 1876. Diese Schrift, welche auch dem an die Conferenz zu Konstantinopel gerichteten Memoire (s. Nr. 4) zu Grunde gelegt worden, enthält alle auf die neuere die Juden betreffende Gesetzgebung in der Türkei, Serbien und Rumänien bezüglichen Documente, sowie die über die Verfolgungen derselben in den beiden letztgenannten Ländern. Da hierbei nur Urkunden und zuverlässige amtliche Berichte benutzt worden sind, so hat dieses Heft für die ganze Angelegenheit einen bedeutenden Werth. — In Eichstätt und Stuttgart erschien soeben in der Krüll'schen Buchhandlung: Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über deutsche Dichter aller Zeiten. Unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwart für Freunde der Literatur zusammengestellt von Franz Brümmer. Zwei Bände gr. 8. Es ist dies eine sehr fleißige Sammlung, welche in einfach