Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1877)
- Date
- 1877-02-13
- Page
- Seite 101 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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101 langen Zeit3) ihres Aufenthaltes nur mit Bearbeitung der Felder, dem Anfertigen von Ziegelsteinen und dem Erbauen von Städten beschäftigt angeben, mußten doch noch Zeit haben, solche Geschäfte zu treiben. Was hierbei H. über den Handel und Wucher sagt, den das Alte Testament und der Talmud den Juden bis zum Betrüge zugänglich gemacht, ist geradezu, wenn auch nicht von ihm, erlogen und unzählige Male widerlegt. In allen seinen Capiteln über die Juden folgt H., der so sehr gegen alle Autoritäten wüthet, nur der Autorität der Judenhaffer und Verleumder und schreibt sie wörtlich aus. Er erhebt sich hier zu einem Verdammungsurtheile gegen die ganze semitische Race, die nur Gewinn zu ihrem usverrückten Ziele und Jntereffe zum Beweggrund ihrer Handlungen habe und schon im Alterthume den habsüchtigsten Charakter, der keiner Aufopferung fähig ist, bethätigte. Verwundern muß solch' ein Ausspruch bei einem Geschichts- Philosophen, der dem ganzen Menschengeschlechts nichts als Jntereffe und Habsucht zuspricht und jede Aufopferung als Thorheit und Jrrthum bezeichnet. Aber in der Thal, die arische Race zeigt, durch ein solches Ocularglas betrachtet, ganz Anderes! Die Griechen, wenn sie alle anderen Völker als „Barbaren" betrachteten, welche nur dazu da sind, ihre Sllaven zu sein (selbst nach Aristoteles), die Römer, welche jedes selbstständige Volk als Feind und Beute betrachteten, und auf die Thore der unterworfenen Städte ihr Vae victis! schrieben, waren eine edelherzige, jedes Egoismus, jeder Habsucht baare Menschenrace. Die Völkerwanderung geschah nur im Jntereffe der niedergeschmetterten Völker und Civilisatiov. Die Heere der Kreuzfahrer verfuhren überall mit einer bewundernswürdigen Eigennutzlosigkeit. Die Spanier bewährten in Amerika und Indien den Abscheu vor aller Goldgier und opferten sich für die Bewohner dieser Welttheile rein auf. Auch der Negerhandel aus Afrika war nur Humanität und wurde nach deren Vorschriften betrieben. Die Flotten der Portugiesen, Holländer, Franzosen und Engländer hatten weder ein Handelsnoch ein Eroberungsintereffe, auf ihren Wimpeln waren nur Liebe, Mildthätigkeit und Hingebung geschrieben. Ties mögen die Lobhudler der Arier und die Verleumder der Semiten aus der Geschichte herauslesen. Wir finden in dem internationalen Verkehr der Völker aller Racen daffelbe, und selbst in der neuern Zeit sind diese Zöge erst abgeschwächt, nicht aber schon verschwunden. Hohes Ziel und Aufopferung erblicken wir nur bei den wenigen Männern, die für die Wiffenschaft die größten Gefahren, Beschwerden und selbst den Tod in fernen Gegenden ertragen, und welche humane Zwecke verfolgen. Was aber das religiöse, das nationale, das Familienleben, die werkthätige Ausübung der Menschenliebe betrifft, so kann nur ein stupider Hochmuth den Menschen, welche man zur semitischen Race zu zählen beliebt, einen minderen Grad zuschreiben, als den arischen Völkerschaften. Wir hüten uns wohl, diesen Hochmuth einen arischen 3) Wohl fast eia ganzes Jahrhundert unter Sethi I-, Raums U und Menephta I. Charakterzug zu nennen, denn wir finden ihn eben in dieser oder jener Form bei allen Menschengeschlechtern wieder. Für unwürdig aber würden wir es halten, gegen solche aus Anmaßung und Unkenntniß geflossenen Vorwürfe der Hellwalds und Consorten die Juden insbesondere zu vertheidigen. — Daß die Gotteslehre mit dem Heidenthume einen langen, hartnäckigen Kampf zu bestehen hatte, beschreibt uns offen und bis in's Einzelnste die h. Schrift selbst. Er lag auch in der Natur der Sache. Aber ebenso gewiß erscheint jene überall als Sache des ganzen Volkes und gerade des Volkes selbst. Die Priesterkaste zeigte sich derselben im Ganzen nur im Gefolge der Könige und Fürsten getreu. Aber immer siegte die Gotteslehre von Neuem. Auch in dem Zehnstämmereich, in welchem die Politik den Abfall forderte, erlosch sie nicht ganz, und konnte Elia unter Zustimmung des Volkes, dem er vorher vorwarf, daß es „nach zwei Seiten hinkte" — also doch nach beiden — die Baalspriester tödten. So begegnet es denn H. auch, S. 282 jede „besondere hebräische Religion" zu leugnen, und schon S. 283 „die alten Hebräer" (d. s. die Apriu der Egyptologen) die Idee des Monotheismus in Egypten einsaugen" zu lassen. Sie saugen diese ein, „die der egyptischen Priesterreligion wenigstens latent innewohnte"! Die verachteten, serngehaltenen und sich fern haltenden Apriu, die niedergetretenen Sklaven, saugen die latenten Ideen der egyprischen Priesterreligion ein! Es ist doch wundersam, was diese Leute für Combinationsgabe besitzen! Latent waren sie in der egyptischen Priesterreligion, latent für das ganze egyptische Volk — nur nicht für die Apriu — so latent, daß sie völlig unnachweisbar und nur für die heutigen Egyptomanen und Egyptoromanschreiber offenbar sind — wie Mariette erst jüngst nachgewiesen! Was H. über die Religion der Hebräer zusammenfaselt, brauchen wir um so weniger hier in Betracht zu nehmen, als er doch nur Anderen nachspricht, und er nur das Verdienst hat, das Widersprechendste, was er vorgefunden, zusammenzuklauben ohne zusammenhängig zu machen. Bald ist ihm der „Jahveh" ein Stiergott, dem Moloch gleich, bald spricht er vom Monotheismus des „reinen Jahvehdienstes" (den Namen „Iah" findet er zuerst in einer Broschüre von Kämpf!) Sehr geistreich und zutteffend vergleicht er die Reden der Propheten mit den Meditationen Seneca's, und meint, man könne in jenen den Typus des nationalen Glaubens eben so wenig finden, als in diesen den sittlichen Maßstab für die römische Gesellschaft unter Nero. Er vergißt hierbei nur, daß jene wirklich Reden an das Volk sind, während diese philosophische Meditationen; in Volksreden spricht man die Sprache des Volkes, in philosophischen Abhandlungen seine eigenen, individuellen Ansichten aus. Die Abfassung der beidem Talmudim setzt H. S. 289 dicht nach den Propheten, S. 533 nennt er „den ersten Theil des Talmud" „Mischung" (soll heißen „Mischna"), woselbst er auch die Sadducäer von „Jadikia (!) oder Jadck, dem Hohenpriester unter Salomo (!," i herleitet, und dies in der zweiten Auflage. — Zu dem Seichtesten,