Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1877)
- Date
- 1877-02-06
- Page
- Seite 93 (sequence 11)
- Language
- German
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93 merkung sagen wollten. — Mayer: Nehmen Sie gar an, ich Hab' mir gedacht, die Frau Weiß spart sich zusammen, ohne daß es ihr Mann weiß; ist das was Schlechtes? Richter: Haben Sie sich das gedacht? — Mayer: Vielleicht ja, vielleicht nein; was soll ich heute mehr wisien? Richter: Daß die Frau ihren Mann bestiehlt, wollten Sie gewiß nicht sagen? — Mayer: Gott ist mein Zeuge, das nicht; ich soll augenblicklich vor Scham da verstummen, wenn ich einen solchen Gedanken gehabt Hab'. Richter: Sie haben gemeint, die Frau Weiß ist ein sparsames Weib, welches Sparpfennige zusammenlegt für sich und für ihre Familie. — Mayer: Hundert Jahr' sollen Euer Gnoden leben, 's Wort aus 'm Maul haben Sie mir herausgeuommen. Richter (zur Klägerin): Sie Horen, daß Herr Mayer Sie nicht beleidigen wollte; wolle» Sie dennoch Ihre Klage ausrechchalten oder wollen Sie nicht lieber mit dieser Erklärung sich zufriedengeben? — Klägerin: I bill', mein Mann hat mir dö G'schicht anders derzählt. Mayer: Was geht mich an die Erzählung von Ihrem Mann? Richter: Sie wünschen also, daß ich Ihren Gatten vernehme? — Klägerin: G'wiß, i hob' 'n jo wegen dem mitbracht. Der Zeuge tritt ein. Richter: Sie heißen Jacob Weiß, sind 44 Jahre alt, katholisch, verheirathet, Sauerkräutler. — Weiß: Und gelernter Huterer. Richter: Sie kennen den Gegenstand der heutigen Klage? — Weiß: Wohl, wohl; i hob ihr zug'redt wie an kranken Roß, sie soll nöt klagen, dos Ganze ist blos a so a Rederei, es steht not dafür, aber Sie wissen, wie a Weib is, won sie sich amal was in Kops setzt; na, na, sie muß zu G'richt, sunst war's ausg'wesen. Richter: In welcher Weise hat sich Herr Mayer über Ihre Gattin geäußert? — Weiß: Wie holt schon Ans ins Andere g'redt wird, hot's holt g'haßen, daß d' Zeiten schlecht san, daß man sich nichts verguna, nix ersparen kann, wan ma sich a no so sehr plogt, do is holt hin und her g'redt worden, wie's schon geht, und do Hot der Herr Mayer g'moant, a bissel wos wird schon bei mein Weib danebengehen. Mayer: Verzeihen Sie, Herr Weiß, Sie sind ein Ehrenmann, Sie müssen die Wahrheit sagen, so Hab' ich's nicht gesagt, den Namen „Weib" Hab' ich nicht gesagt. — Weiß: Es tunt sein, daß von Weib nix g'sogt haben, aber es ist so herausgekommen. Mayer: Ja, es kommt darauf an, wie man den Brief liest. — Weiß: Es ist holt so herauskuma, als ob der Herr Mayer g'moant hätt', mein Weib hat ein Geld auf d' Seiten g'legt. Mayer: Das habe ich nicht gesag. — Weiß: I sog jo a nur, daß so außa kuma is. Richter: Hat Ihnen die Bemerkung den Eindruck gemacht, als ob Herr Mayer damit sagen wollte, Ihre Frau bestiehlt Sie? — Weiß: Aber not amol a Idee von an Gedanken, im Gegentheil mein i, er hat's gut g'mant, weil sie glei vis-L-vls von uns gegenüber in Logis san und mehr bei uns als daham san. Klägerin: Du Siebensüßer, wie host denn du mir dös einbröckelt? — Weiß: Jo mein Gott und Herr, a Mann, wonn er sein Weib am Zahn greisen will, wird's a weng anders anfassen, der darf sich schon was derlauben, du hast's überzwerch g'numma. Mayer: Nun, Frau Weiß, was sagen Sie jetzt über'» Mayer? — Klägerin: D' Ursach' san do nur Sö. Mayer: Heißen Sie mich die Ursache. Aber beleidigt Hab' ich Sie doch um Gotteswillen nicht?'— Klägerin: Wer denn sunst? Mayer: Hören Sie, Frau Weiß, jetzt steht mir der Verstand still, so eine Bemerkung verschlagt mir die Red'. Richter: Frau Weiß, ich meine, nach diesen Aufklärungen wäre es angezeigt, die Klage zurückzuziehen. — Klägerin: Jetzt hob' i amal klagt, jetzt geht's wie's geht. Richter: Wenn der Herr Mayer, wie es voraussichtlich ist, freigesprochen wird, haben Sie die Kosten zu zahlen; es wäre daher besser, die Klage zurückzuziehen. — Klägerin: Jetzt justament nöt, mein Mann soll nur zahlen, daß ihm d' Schwarten krachen, wenigstens wird er a' andersmal gewitzigt sein. Der Richter fällt ein freisprechendes Erkenntniß und verfallt die Klägerin in die Kosten. — Klägerin (nimmt die Brieftasche heraus): I' bin', was machen die Kosten? Richter: Es kommt daraus an, was der Herr Mayer für Ansprüche stellt. Mayer (mit strahlendem Gesichte): Ich, ich beanspruche von unseren lieben Nachbarn gar nichts, es hat mich nichts gekostet, ich verlang' nichts geschenkt; ich sage mit dem Patriarchen Abraham: Weder Faden noch Schuhriemen will ich nehmen von dir, damit es nicht heißt, du hast reich gemacht den Patriarchen Abraham, wie es steht geschrieben. Vermischtes. Eine tragi-komische Scene. Pester Blätter erzählen: Der israelitische Tempel in der Rombachgasse zu Pest war Sonntag Nachmittags gegen halb 3 Uhr der Schauplatz einer dramatischen Scene. Es war nämlich für diese Zeit die Trauung des Schuhmachers M. D. mit einem Pester Mädchen angesagt, und um die bestimmte Stunde waren 6*