Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1877)
- Date
- 1877-02-06
- Page
- Seite 89 (sequence 7)
- Language
- German
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89 ichin Herrmanustadt ernannt. Auch an der hiesigen Universität lehr» mehrere Juden als Docenten; eine Professur hat bisher noch keiner von ihnen erlangt. Wieu, 25. Januar. tPrivatmilth.l Die Bilanz der Gemeinde vom vorigen Jahre hat mit einem Deficit geschloffen, und man sucht nun den jetzigen Verhältnissen Rechnung zn tragen und sich einzuschränken. Man gerenkt bei den Ausgaben» für das Spital Einschränkungen vrrzunehmen, resp. weniger Kranke auszunehmen, die „GrattSgaden" einzuziehen, und dieses Reffon ausschließlich der Armenanstalt zu überlassen;*auch sollen die Ausgaben für jüdische Sträflinge außerhalb Wien» gekürzt werden rc. Bei dieser Gelegenheit mag bemerkt werden, daß die Oberstaatsanwaltschast in Folge einer Anregung des Vorstandes sich bereit erklärte, auf Staatskosten jüdische Religionslehrer zwei oder vier Male deS JahreS in die Strafhäuser zu entsenden. DaS Herrenhaus wird demnächst über die Ehegesetz-Novelle, welche auS der Initiative des Abgeordnetenhauses hervcrging. derathen. Die Majorität der Commission ist gegen die Aufhebung de« $. 64, welcher die Ehe zwischen Christen und Juden verbietet. Ich will zu dieser Mittheilung keine - Bemerkung uiachen, da der Gegenstand genug durchgesprochen ist. ES fällt mir jedoch eia Wort ein, welches der verstorbene Minister Berger mir gegenüber äußeNe: „Die Gleichberechtigung der Confessionen wird erst dann eine Wahrheit sein, wenn da- Crousenicni de la rate stattgefuuden hat." zW i r glauben, daß das letztere auch Nicht genügen würde die vollständige und wahre Gleichstellung zu erwirken. die- «icht eintretea wird — so lange die Juden daS Judealhüm bekennen werden'. Die Erfahrung hat gelehrt, daß. was auch die Juden thun, man immer wieder Einwänke gegen sie erhebt, Borunheile gegen sie hegt! Redact.) *■ . gtafan, 23. Januar. Bei der gestern staltgehgbten Wahl erue» LandlagS-Abgeordnelen an Stelle de» i»r. Zyblikievic; gitig es sehr stürmisch zu. Wiederum war es der Krakauer CzaS, der sich die Mühe gab, der ungewöhnlichen Wahlagitation ein ..con fessiooelleS" Gepräge zu verleihen. Gleich nachdeur l»e. schauer bei der Probewahl die Majorität erhielt,' trat.de» Cj?S mit einer wahren Behemenz gegen dessen Canpidaru^-aOs. Es wurde ihm zuerst der sonderbare Vorwurf gewacht^ daß aus seine Veranlassung sich eine große Anzahl jüdischer Wähler in der am vergangenen Donnerstag stattgehabten .Wähserversammlung ein gesuaveu habe. Die fast jeee Stande neu erschienenen -Placate enthielten Warnungen, keinen Juden zu wählen, während die;u ' Gunst» de» l>r. Warschauer an den Straßenecken angebrachten Anschlagzettel von hierzu bestellten Gassenjungen unter den ehrenrührigsten Schimpfwortea hcrunrergerisien wurden. Die Lolksmajse war fanatisirt wie noch nie. und eS ist Thatsache» daß viele christliche Wähler, die für l>r. Warschauer stimmten, dieS mit einer gewisirn Scheu vor dem züruenbe» CzaS und defs» schwarzen Coasonen gethau haben, und daß viele Andere wieder au» Furcht diesem Candidaten ihre Stimme zu geben Anstand nahmen. So kam eS. baß l»e. Warschauer mit t>0>» Stimmen rer Minorität blieb. Da» frevelhafte Hinüberspielen politischer Fragen auf daS religiöse Gebiet, um die ^eirenschasl» der leicht sanatisirbaren Menge aufzustacheln, ist niöht genug als verwerflich zu ^zeichnen. Anderer^itS ist eS erfreulich, daß der hier erscheinende Kurier KrakowSki in lobenSwerther Weise die Jnconseguenz und da« juv^lfeindliche Auslrelen deS CzaS nach Gebühr tadelte und für die Candidatur de» ttr. Warschauer mit Energie eintrat — ein Beweis, daß eS noch vorurlheilSsrele Polen grebr, deren liberale» Denken trotz der Atmosphäre, welche die Klerikalen und der CzaS zu verbreiten suchen, fcrtdauert. l Unerwartet kann die» Niemandem kommen, der die Krakauer Zustände näher kennt. Krakau war die Stadl, wo noch vor zwei Jahrzehnten tre Juden auf's Niederträchtigste behandelt wurden, wie man sich aus den Schildkrungen unterrichten kann, welche der fel. l»r. Barasch in früheren Jahrgängen dieser Zeitung gegeben hat. Es hat sich Viele» zum Besicren geändert, aber noch sehr Biele» ift zurückgeblieben, was einer langen Zeit bedarf, um sich zum Guten zu gestalten. Reract.) Italien. Oberitalien, im Januar. (Privätm.i - Die jüngsten Neuwahlen in'S italienische Parlament haben die Zahl der iSrael. Abgeordneten von zwölf auf sechs reduciN, von denen einige der sinken, andere der Rechten angehören. Zur Charaktcrlsirung der sich freisiunig nennenden siegenden Partei der sinken darf eS nicht unberücksichtigt bleiben, daß die Wortführer zur Durchsetzung der Wahl ihrer Anhänger und zur Verdrängung der Candicaten der Recht», weun sie Israeliten betrafen, sich nicht entblöeet» Intoleranz und Borurtheile beim Bolkc wach zu rufen. Da« Mimsterium zeigt sich übrigen» zu dieser Beziehung ganz verschieden von seinen allzueisrigeu Helfershelfern. Die Lösung deS -Problems de« im Bau unterbrocheo» Tempels der Turiner Israeliten - Gemeludc scheint mir viele Analogie mit der rer Wirren der türkischen Angelegenheit darzubielen. Jedermann dezcngt ern lebhafte» Interesse rajür. Der Stadtrath, die iSraelttsche^Keweiudc wünschen drc Schwierigkeit» für .die Be»vigung deS DaueS zu beseitigen; weder der eine, noch die andere kann sich entschließen, die hierzu uueutbehrliche höchstberculeude Summe herzugcdcu. und wenn ein Beschluß uach den gesetzlichen Formalitäten za Stande gekommen, tauchen o»e Borschläge aus, welche r» gefaßten Beschluß wieder in Frage stell». Bor einig» Meuaren ward der stimmberechtigte Therl der Gemeinde beruscu. um die Gemnutc-Berwg^ung zu berechn ngen. daS Gebäude einer Baukzesellf^aft abzotretcn, uad für d» angebvt»» Erlös «in für die Gemeinde angemessene» Gotteshaus herzoftellen. Der Vorschlag erhielt die ersordcrlkchc Stimm»-