Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1877)
- Date
- 1877-02-06
- Page
- Seite 88 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Feier. Der israelitische Gemeindevorstand hatte eine künstlerisch vollendete Fruchtschale überreichen lasten, und eine Deputation desselben, sowie der Repräsentantenversammlung, bestehend aus Justizrath Makower, Geheimrath Steinthal, Rechtsanwalt Meyer, Professor Lazarus, H. Demuth und Julius Jacoby, erschien am Schluß der officiellen Feier um 1 Uhr, um dem sichtlich erfreuten Jubilar seine Glückwünsche darzubringen. Hunderte von Briefen und Depeschen, darunter solche von jenseits des OceanS, waren im Laufe des Tages eingegangen. — Am selben Tage waren es gleichfalls 25 Jahre, daßMusikvirector Lewandowsky als Lehrer in die Anstalt eingetreten war, und wurde die Feier seines Jubiläums mit derjenigen des Leiters der Anstalt vereint. Berlin, 28. Jan. (Privatm.) In der Stichwahl, welche im ersten Berliner Wahlbezirk zwischen dem Candidaten der Fortschrittspartei vr. Max Hirsch und dem der national-liberalen Partei angehörendem Oberbürgermeister Dr. von Forckenbeck hat der erstere mit circa 500 Stimmenmehrheit gesiegt. So viel uns bekannt ist, wird der neugewählte Reichstag nunmehr fünf Abgeordnete jüdischer Religion zählen. Dr. Max Hirsch hat bereits in der ersten Wahlperiode dem Reichstage angehört. Seine Wahl war sowohl von national-liberaler als socialbemokratischer Seite energisch bekämpft worden, von der ersteren, weil in Berlin die Spaltung der beiden liberalen Parteien zu keiner Ausgleichung gelangte, von der letzteren, weil die Socialdemokraten in Hirsch, dem Anhänger von Schulze-Delitzsch, dem thätigen Gründer und Vertreter der Gewerkvereine, welchen er sich und mit allen seinen Kräften in uneigennützigster Weife widmete, einen ihrer wirksamsten Gegner erblicken. Dieser Umstand allein schon erweist die Unrichtigkeit vieler Urtheile, welche über diesen Candidaten der Fortschrittspartei verbreitet waren und werden. Daß auch er in manchen Ansichten durch die Erfahrung belehrt worden und zu einem, der Wirklichkeit näheren Standpunkt gelangt ist, gereicht ihm sicherlich nicht zur Unehre. Wir haben den Bericht über eine Wählerversammlung vor uns, in welcher Männer von großer politischer Bedeutung das Rühmlichste über ihn aussprachen. Darmstadt, 20. Januar. Daß das preußische Allstrittsgesetz den Separatisten in Darmstadt und Mainz den Appetit nach einem gleichen Gesetze für das Großherzogthum Hessen rege machen werde, konnte man voraussehen. Man schreibt von hier: Nach dem soeben ausgegebenen Bericht des vierten Ausschusses, erstattet vom Abg. Welcker, wird der Zweiten Kammer, aus Veranlassung des Gesuchs des Vorstands der orthodox-jüdischen Religionsgesellschaft zu Darmsiadt wegen definitiv rechtlicher Trennung der orthodox-jüdischen Religionsgesellschaften von den israelitischen Gemeinden im Großherzogthum Hessen und speciell in Darmstadt, ein Ersuchen an die Staatsregierung um eine Gesetzvorlage empfohlen, nach welcher der Austritt der Israeliten aus der Synagogengemeinde ermöglicht und geregelt wird. D. Altona, 14. Jan. (Privatmitth.) Am Sonntag Abend hielt der hiesige „Verein zur Unterstützung hülfsbedurftiger Israeliten v. I. 1871" feine diesjährige Generalversammlung ab. Der Verein, welcher seiner Zeit von jungen Leuten in's Leben gerufen wurde und es sich in erster Linie zur Aufgabe gestellt hat, vor den Festtagen armen Leuten Unterstützungen an Geld und Naturalien zukommen zu lassen, zählt bereits 215 Mitglieder, darunter auch auswärtige. Diese verhältnißmäßig große Anzahl von Mitgliedern hat der Verein hauptsächlich seinem menschenfteundlichen Zweck, sowie den geringen Ansprüchen, die er an seine Mitglieder stellt und schließlich der selbstverleugnenden Aufopferung und Mühe des Präsidenten zu verdanken. Siebenunvdreißig Arme erhielten in diesem Jahre größere Unterstützungen, und ergiebt die Bilanz in diesem Jahre eine Bilanz von Mark 70,320. Die statutengemäß ausscheidenden, aber wieder wählbaren Herren A. I. Behrend als Präses und A. Heilbut als Cassirer des Vereins wurden wieder gewählt. Auö Westphaleu, im Januar. (Privatmittheil.) Der Jahresbericht „der Unterstützungscaffe des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Westphalen und die Rheinprovinz" für das Jahr 1876 zeigt, daß die schlimmen Zeitverhältnisse auch auf diesen Wohlthätigkeitsverein schwer gedrückt haben, denn statt 3714 Mark im Jahre 1876 liefen diesmal nur 1755 Mark au außerordentlichen Beitragen von Gemeinden unv Privatpersonen ein, und mußte deshalb die Unterstützungsquote von 54 auf 48 Mark herabgesetzt werden. Judeß hat hieran wohl auch ein geringerer Eifer, an den verschiedenen Orten zu Beiträgen und Spenden anzuregev, seine Schuld. Die Einnahmen beliefen sich auf 3554 Mark, von denen 146 als Kosten in Abzug und von 3408 Mark statutenmäßig 1704 Mark zur Vertheilung kamen, und zwar für 6 Familien mit zusammen 35 Quoten. Es wurden unterstützt: ein erblindeter Lehrer mit Frau und sechs Kindern 13 Quoten, eine Lehrerwittwe mit 5 Kindern 8 Quoten, eine Lehrerwittwe mit 2 Kindern 5 Quoten, eine Lehrerwittwe mit 1 Kinde mit 4 Quoten, eine Lehrerwittwe ohne Kinder 3 Quoten, 2 Kinder eines verstorbenen Mitgliedes 2 Quoten. Das Vermögen des Vereins beläuft sich gegenwärtig auf 29,018 Mark. Wir brauchen es nicht zu sagen, wie wünschenswerth es ist, daß sich die Mildthätigkeit diesem Vereine immer mehr und dauernd zuwende. Die Gemeinden, welche dem Vereine einen Jahresbeitrag gewährt haben, sind: Aachen, Bielefeld, Bocholt, Bochum, Bonn, Bünden, Elberfeld, Essen, Gütersloh, Herford, Jülich, Kaempen, Linz, Minden, Münster, Neuenkirchen, Rheda, Sendenhorst, Stavtberge, Steinheim, Wittlich. Möge die Reihe dieser humanen Gemeinden sich stets vermehren! Oesterreich - Ungarn. Pest, 19. Januar. (Privatmitth.) Der Privatdocent an der Klausenburger Universität, Herr vr. Eduard Wertheimer, wurde zum außerordentlichen Professor an der k. Rechtsakademie