Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1877)
- Date
- 1877-01-30
- Page
- Seite 77 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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77 Kaufleute, Leven, Advocat, Bloch, Substitut, Hauser, alter Professor der Mathematik. — Der Baron Henri de Worms hat sich nicht nicht nach Konstantinopel begeben können, um das Memoire rer dortigen Conferenz zu überreichen, und Herr Charles Netter hatte diese Mission übernommen, ist bereits in Konstantinopel angekommen und hat das Memoire seiner Bestimmung übergeben. — Herr Ernest Hendle, Präsect des Dep. der 2)onne, ist zum Präfecten res Dep. der Saone-et-Loire ernannt worden. Großbritannien. Manchester, im Januar. lPrivatmitlh.) Es ist nachdrücklicher Bemerkung wohl werth, daß unter den Opfern, welche die Erforschung Inner-Afrikas durch kühne Reisende immer noch fordert, sich neuerdings auch ein junger hoffnungsvoller Israelit von hier befindet. Es ist dies der kaum 25 Jahre zahlende Herr Louis A. Lucas, der letzte überlebende Sohn der Herrn Philipp Lucas. Das Athenäum widmet ihm einen ausführlichen Nekrolog. Er war unerschrocken im Juni 1876 bis in die Äquatorialgegenden vorgevrungen; - aber den feindlichen 'Negerstämmen gegenüber zeigte sich seine Begleitung zu schwach. Er mußte es aufgeben, jetzt noch weiter in das Innere einzudringen, und kehrte nach Kartum zurück, um eine neue Expedition zu organisiren, welche von Zanzebar zum Congo gehen sollte. Vom Fieber wiederholt ergriffen, verließ er am 28. Oclober Kartum, verstarb aber nahe bei Jedda am Ufer des Rothen Meeres. Wir betrauern tief den frühen Tod eines so strebsamen Mannes, schätzen es uns aber zur Ehre, ihn aus der Reihe unsrer Glaubensgenoffen hervorgegangen zu wissen. Türkei. Salomchi, 20. December. (Arch. isr.) Die otlomanischen Truppen auf ihrer Rückkehr aus Serbien gaben jüngst unsren Glaubensgenoffen ein großes Zeichen von Vertrauen und Sympathie. Die griechischen und israelitischen Gemeinden halten ihnen ihre Kirchen und ihre Tempel zur Einquartierung zur Verfügung gestellt; sie nahmen nur die Synagogen an und wohnten darin wahrend acht Tagen. Die egyptischen Truppen, die gleichfalls unsre Stadt passiren, geben uns zahlreiche Freundschaftsbeweise. — . In Salonichi sind zwei Bataillone der Nationalgarde gebildet worden. Das eine derselben ist nach Konstatinopel marschirt, und der „Courrier d'Orient^ giebt an, daß in demselben 108 Israeliten und 3 Griechen sich befinden. Konstautiuopel, 15. Januar. (Privalm.j. Die Stellung der türkischen Regierung zur Conferenz und deren Vorschlägen ist, wie bekannt, eine sehr heikle. Von der einen Seite will sie weder den Krieg, noch ein Zerwürfniß mit den europäischen Mächten; von der anderen will sie ihre Autorität nicht preisgeben, weiß, daß jedes Zugestänvniß zur Präjudiz für die Zukunft wird und daß ein Kampf mit Rußland höchstens aufgeschoben werden könne, schließlich ist sie überzeugt, daß bas wirkliche Jntereffe mehrerer europäischen Mächte vielmehr zu ihr gravitirt als zu Rußland. Sie stellt sich daher vollständig auf den Boden der proclamirten Berfaffung, und nöthigt selbst die Conferenz, ihr aus diesen Boden zu folgen. Mit rer Verwirklichung der Berfaffung würden allerdings auch in den aufständischen Provinzen den Uebelstänren abgeholfen. Dies ist, so zu sagen, die Macht der Berhältniffe, welche die türkische Regierung zwingt und zwingen wird, mit der Berfaffung Ernst zu machen. Darum ist auch für die ottomanischen Juden die Erhaltung des Friedens ein zwiefaches Bedürfniß, weil eben mit dem Kriege die ganze Versassungssrage wieder in Zweifel gerielhe, die Einwirkung einer durchgeführten Constitution zugleich auch im europäischen Osten über die türkischen Grenzen hinausginge. Wenn in einem aus so mannichfaltigen Confessionen une Nationalitäten zusammengesetzten Staate eine Constitution möglich ist, wo dann nicht? Wenn ferner zu einer solchen selbst Völker auf einer so geringen Bildungsstufe reif wären, welche dann nicht? Die ottomanischen Juden haben aber auch ihre gegenwärtige Lage begriffen. Sie haben aller Orlen sich an den freiwilligen Sammlungen nach Kräften beiheiligt; sie treten eifrig in die Nationalgarden ein, wo diese gebildet werden; den an den Sultan gerichteten Adreffen zu Gunsten der Berfaffung z. B. in Adrianopel, Phillipopel haben sie ihre Unterschriften zugesügt. Um so sicherer ist es auch, daß die ottomanische Regierung den Juden gleich den Christen die Gleichberechtigung nicht vorenthalten und nicht verkürzen werde. Auf den 17. d. ist der große Nationalrath berufen, der über die Schlußentschließung der Pforte seine Meinung abgeben soll. Er ist eine Nationalversammlung im Kleinen. In ihm haben die höchsten Würdenträger der religiösen Gemeinschaften, darum auch der Chacham-Baschi, und außerdem einige hervorragende Juden wie Christen Sitz und Stimme. Möge sich Alles zum Guten lenken! Es ist nicht mehr blos ein materielles Interesse, sondern auch ein ideelles, welches uns Juden an den ottomanischen Staat, an deffen Bestand und Frieden zu knüpfen begonnen hat. Bonn, 19. Jan. Die „Köln. Zlg." enthält aus Konstantinopel vom 11. d. einen Abriß eines Gesetzes für die Wahl der zehn Abgeordneten, welche die Stadt Konstantinopel in die am 1. März zu eröffnende Kammer senden soll. Die ottomanische Regierung hat in ihren bisherigen Erlaffen stets von muselmännischer und nichtmuselmännischer Bevölkerung gesprochen und wir Hallen uns daher fest überzeugt, daß sie es in diesem Gesetze auch nicht anders thul, wenn auch die „K. Z." in demselben nur von Christen und Muselmännern redet und die ersten sogar immer voranstellt. Zunächst sollen Llsten über alle männlichen Einwohner, die das sünfundzwanzigste Jahr überschritten, und Grundeigenthum besitzen, in jedem Quartiere, angeferligt werden. Dann sollen die Urwähler auf jeden Stimmzettel zwei Namen als Wahlmänner schreiben, von denen der eine ein Christ, der