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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-01-30 · Heft 5 (30.1.1877) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 5 (30.1.1877)
Date
1877-01-30
Page
Seite 76 (sequence 10)
Language
German
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76 seien, ist eine neue Erfindung, von der man bis setzt niemals gehört hatte. Bekanntlich verstehen die orientalischen Juden nicht einmal deutsch. Das ganze Manöver aber ist das der Ultramontanen, die Juden mit Irenen zu verbinden, welche dem Bolke verdächtig sind oder verdächtig gemacht werden. In Deutschland behaupten die Römler, die Juden könnten niemals Deutsche sein und werden, in Frankreich: die Juden seien die Verbündeten der Deutschen. Jedenfalls können wir mit größerem Rechte behaupten : die echten Ultramontanen sind überall Feinde des modernen Staates. Paris, 8. Januar. (Privatmilth.) Soeben ist im Drucke fertig geworden und wird versendet: Keunion en faveur des israelites de 1 Orient. Paris, Decembre 1876. Die 101 Seiten starke Broschüre enthält die Sitzungsprotokolle und die bei dem Festmahle ausgebrachten Toaste, meistens nach stenographischer Aufzeichnung. Sie wird ein ehrenvolles Denkmal dieser Versammlung bleiben. Der Hauptgegenstand der Discussion lag in der Frage, ob die Angelegenheit der rumänischen Juden in dem Memoire an die Conferenz besprochen werden sollte oder nicht? Man war sich allseitig klar, daß die Conferenz in Konstantinopel auf die inneren Angelegenheiten Rumäniens einzugehen, gar keine Competenz haben werde. Allein man sagte sich doch, daß es gelte, die Gelegenheit wahrzunehmen, um vor ganz Europa die Klage über die Mißhandlung jener in diesem von Europa geschaffenen kleinen Staate noch einmal laut zu erheben und die öffentliche Meinung dafür zu interessiren. Man kann daher sagen, daß der Hauptgegenstand der Versammlung und des von ihr erlasienen Memoires die unglückliche Lage der rumänischen Juden war, und Niemand wird verkennen, daß diese Bedeutung genug hat, um einen Kreis so angesehener Männer auf's Lebhafteste zu beschäftigen. Daß über die türkischen Juden selbst die Ansicht, welche Sie, Herr Redacteur, so oft ausgesprochen, die vollkommen richtige ist, und die unterdeß proklamirte Verfassung jedes Gesuch gegenstandlos gemacht hat, geht am besten aus.der Rede hervor, welche der in Konstanrinopel gebürtige und dort ebenso wie in Paris ansässige Graf von Camonco, also die zuverlässigste Autorität in dieser Sache, und die S. 24 mitgetheilt ist. Er sagte: „Es ist meine Psticht, zu erklären, daß die Israeliten sich speciell über die Türkei durchaus nicht zu beklagen haben, da sie niemals eine auf die Israeliten beschränkte Maßregel getroffen hat. Sie können sich gleich anderen Unterthanen über die schlechte Verwaltung des vorigen Ministeriums beklagen, aber im Besonderen sind die Israeliten niemals verfolgt worden. Alle Reformen, die im Reiche eingeführt worden. waren den Israeliten gleich den Christen zum Nutzen, und sicherlich werden alle Verbesierungen, welche gegenwärtig oder später geschaffen werden, sich gleicher Weise auf alle nicht muselmännischen Unterlhanen erstrecken, und die jüdischen otlomanischen Unterthanen werden zu deren Genuß berufen sein. Ich kann schon jetzt versichern, daß in der bald zu veröffentlichenden Verfaffung der Artikel 7. bestimmt, daß alle otlomanischen Unterthanen vor dem Gesetze gleich seien. Die einzige und gewiß gerechtfertigte Einschränkung ist, daß diejenigen, welche sich um den Staatsdienst bewerben, die Landessprache kennen müffen. Es giebt daher keinen Grund, sich an die Conferenz speciell für die Israeliten der Türkei zu wenden, noch dazu, da die Conferenz sich nur mit einem Theile des otlomanischen Reiches zu beschäftigen hat. Lediglich könnte das Memoire verlangen, daß die Conferenz die Israeliten nicht vergeffe, in der Befürchtung, daß durch irgend eine Combination herbeigeführt werde, was in Rumänien geschehen ist." Paris, 12. Januar. Graf de Camondo (Banquier israelitischer Religion », der dem Botschafter der Pforte Mittheilung der Wünsche und Beschlüße der israelitischen Allianz gemacht hatte, empfing von Sadyk Pascha einen Brief, worin im Namen des türkischen Ministers des Auswärtigen mitgetheilt wird, daß die veröffentlichten Reformen mit demselben Recht auf die Israeliten wie auf die Mitglieder der anderen Confessionen in der Türkei anwendbar seien. Die kaiserliche Regierung werde den Principien der Gleichheit, der Solidarität und der Eintracht, die den Grundgedanken der von ihr in Angriff genommenen Politik bilden, überall zum Siege verhelfen. Paris, 15. Januar. Wer vor Kurzem im ersten Septemberheft der Revue de deux Mondes einen Aufsatz über die „verwahrlosten" Kinder in Paris gelesen, dem wird folgende Mittheilung der Arch. isr. recht wohlthun. Es heißt daselbst: „Ein Theil der Aufgabe des Comites der israelitischen Wohlthätigkeit zu Paris, welcher am meisten die öffentliche Sympathie erregt, betrifft die „hilfsbedürftigen Kinder"; es besieht darin, durch eine Subvention die Unterbringung von Kindern zu ermöglichen, die entweder von ihren Eltern verlaffen sind, oder in ihrer Familie ein schlechtes Beispiel, oder ungenügende Ernährung finden. Nichts ist nützlicher als diese jungen Wesen einer verderblichen Umgebung zu entziehen: das Comite verausgabt schon für diesen Zweck mehr als 15,000 Francs jährlich, und die Bedürfniffe wachsen beständig. Die armen polnischen Familien liefern ein unaufhörliches Conringent hilfsbedürftiger Kinder. Das Comit6, das für die Unterbringung eines jeden Kindes in einer Familie 15 Frcs. monatlich giebt, bedarf der Unterstützung, um diese Summe bis zu 25 ober 30 Frcs. zu steigern, die allein annehmbar ist für die Leute, die 'diese Kinder aufnehmen, und zu dieser zusätzlichen Remuneration bedarf das Comite der Milhülfe fteigebiger Menschenfteunde. Möge diese ihm nicht ausbleiben! (Man sieht auch an diesem Beispiele, wie wichtig neben den allgemeinen Wohlthätigkeitsanstalten die besonderen, namentlich die confessionellen sind, da die letzteren in kleineren Kreisen ausreichende Mittel finden, welche die ersteren vergebens suchen.) — Bei der Nachwahl zum Consistorium von Paris hat Herr Hauser mir 769 Stimmen über Herrn Derembourg, der 277 Stimmen hatte, gesiegt. Daffelbe besieht jetzt aus den Herren Baron G. v. Rothschild, Banqier, Delvaille und Erlanger,

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